Paula Lambert über Tinder und das Ende der Satzzeichen

FREITAG, 19.10.2018 Paula Lambert

"Kommst du?" - die Kolumne von Paula Lambert lest ihr wöchentlich neu, hier bei fem.com. Paula Lambert, bekannt aus der sixx-Sendung "Paula kommt" oder "Paula kommt ... am Telefon", beschäftigt sich in ihrer Kolumne jede Woche mit einem aktuellen oder brisanten Thema rund um Frauen, Männer, Sex, Liebe, Lust und Beziehung. In dieser Kolumne beschäftigt sich Paula mit der Thematik von Tinder und das Ende der Satzzeichen.

Ich verstehe den Wunsch nach einem Partner sehr gut. Tatsächlich habe ich den Großteil meiner Zwanziger damit verbracht, einen zu finden. Ich verstehe auch, dass man, wenn man viel beschäftigt ist, dazu Tinder oder ähnliche Apps benutzt. Es ist ja auch praktisch: Du musst dich nicht in unmittelbare Gefahr begeben (zum Beispiel die, abgewiesen zu werden), du kannst es sogar vom Klo aus machen und du hast das Gefühl, die ganze Welt steht dir offen. Sogar, obwohl du weißt, dass diese Welt voller Pinocchios ist.

Bei Tinder sind Satzzeichen wohl verboten

Was ich aber nicht verstehe, ist, wie die Leute tindern. Das fängt schon bei so putzigen Dingen wie Satzzeichen an. Offenbar ist es auf Tinder verboten, irgendeine Form von Punkt oder Ausrufezeichen zu benutzen, von einem Komma mal abgesehen. Bestünden die Nachrichten aus Tinder-Inhalten, wäre das Komma ausgestorben. Steht es irgendwo in den Geschäftsbedingungen, dass die korrekte Anwendung von Satzzeichen verboten ist? Anders kann ich mir diese endlosen Bandwurmsätze, die man dort zu lesen bekommt, nicht erklären. Natürlich ist es günstig, so viel Message in so wenig Zeit wie möglich zu pressen, aber man verliert doch keine Stunden, nur weil man ab und an ein kleines Häkchen setzt, um dem Gegenüber zu beweisen, dass man als Kind nicht zu oft vom Wickeltisch gefallen ist. Bei mir lösen Nachrichten dieser Art Mitleid aus. Ich denke dann, dass der arme Mensch am anderen Ende die Zeit weniger ins Dating als vielmehr in den Besuch einer Abendschule investieren sollte. Das Phänomen erstreckt sich natürlich auch in den Emailbereich und ich merke, dass ich Satzzeichenmäßig mit verarme und dort, wo ich früher bombensicher ein Komma gesetzt hätte, plötzlich hin und wieder Leere gähnt.

Kommas bitte an den richtigen Stellen und keine Emoijs

Vor kurzem war ich auf einer Party und eine junge Frau dort erzählte, dass sie ständig auf der App sei, weil „es da draußen ja keine Männer mehr gibt“. Meine Anmerkung, dass genau die Männer von da draußen sich auf den Apps tummeln, verhallte ungehört. Ich muss dazu sagen, dass sie so jung nun auch nicht war, sondern vielleicht Ende 40. Dann zeigte sie mir die Nachrichten, die sie so verschickte. Und anstatt warme Worte zu versenden, hatte sie jeweils eine lange Reihe merkwürdiger Emojis aneinandergereiht, die je nach Interpretation entweder ergaben, dass sie ihn ganz toll fand oder dass sie plant, ihn bei erster Gelegenheit auszuweiden und seine Einzelteile an Organspendeorganisationen zu verkaufen. Kurzum: Diese intelligente, durchaus reizvolle Frau präsentierte sich als durchgeknallte Idiotin, weil sie dachte, so ihre Chancen auf dem Paarungsmarkt zu erhöhen. Müßig zu sagen, dass die Matches dahinschwanden wie Schnee in der Sonne.

Wenn es darum geht, die Erfolgschancen bei Tinder & Co. zu erhöhen, dann kann ich jedem nur raten, einfach ehrlich zu sein. Keine dämlichen Witze, keine Anmachsprüche, Kommas an den richtigen Stellen (wer es nicht kann, möge es bitte lernen. Nur für mich. Danke.) und vor allem keine Emojis.

Es ist wirklich nicht schwer. Wer er oder sie selbst ist, hat nämlich die besten Chancen, jemanden zu finden, der wirklich passt.

Alles Liebe,

Paula

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"Kommst du?" - Die Kolumne von Paula Lambert lest ihr jede Woche neu bei fem.com.

Paula Lambert

Paula Lambert ist Deutschlands bekannteste Sex- und Beziehungsexpertin. In ihrer sixx Sendung "Paula kommt" und "Paula kommt ... am Telefon" spricht sie mit ihren Gästen über Themen rund um Liebe, Sex und Beziehung: von Dating über Eifersucht bis hin zu Sex-Praktiken und -Fantasien. Paula Lambert nimmt kein Blatt vor den Mund und weiß, was Frauen bewegt und sie (noch) glücklicher macht.

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