Paula Lambert über Aufklärung

FREITAG, 09.11.2018 Paula Lambert

"Kommst du?" - die Kolumne von Paula Lambert lest ihr wöchentlich neu, hier bei fem.com. Paula Lambert, bekannt aus der sixx-Sendung "Paula kommt" oder "Paula kommt ... am Telefon", beschäftigt sich in ihrer Kolumne jede Woche mit einem aktuellen oder brisanten Thema rund um Frauen, Männer, Sex, Liebe, Lust und Beziehung. In dieser Kolumne beschäftigt sich Paula mit den Themen Aufklärung und Pornokonsum von Jugendlichen. 

Es ist ja einigermaßen bekannt, dass ich zwei Söhne habe. Der eine ist 11, der andere 14. Kinder sind etwas ganz tolles (meistens jedenfalls), aber besonders toll ist, dass sie das Leben mit Dingen bereichern, die man sonst nicht kennenlernen würde. Zum Beispiel mit dem Penis-Spiel.

Als ich jung war, gab es das Penis-Spiel noch nicht, was mich wundert, weil die Regeln verblüffend einfach sind. Es geht so: Einer flüstert leise „Penis“, dann sagt der nächste es etwas lauter, der nächste danach sagt es noch etwas lauter und wer es am Schluss am allerlautesten brüllt, hat gewonnen. Besonders toll ist das Spiel selbstverständlich in der Öffentlichkeit, aber am allertollsten ist es, wenn die Mutter einen durch die Stadt fährt und man es aus dem Autofenster brüllen kann, während an der Ampel winkende Leute stehen und rufen: „Ey, bist du nicht Paula?“ Ich finde das Penis-Spiel also total super, ungefähr so toll, wie mit einem Nerf-Gewehr abgeschossen werden, wenn man frisch aus der Dusche kommt und noch Shampoobrennen in den Augen hat. Ich kann mir leider nicht die Haare waschen, ohne anschließend rote Augen zu haben, weil mir Shampoo hineingelaufen ist. Ein Gendefekt, nehme ich an.

Offener Umgang mit Sexualität und Gefühlen

Was ich eigentlich sagen will, ist, dass es elementar wichtig ist, den Kindern einen gesunden Umgang mit Sexualität beizubringen. Das Wichtigste dabei ist, dass sie meiner Meinung nach früh lernen sollen, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, aber ich halte Aufklärung auch für eine vertrauensbildende Maßnahme. Wenn Kinder nicht das Gefühl haben, dass wichtige Teile des eigenen Erlebens für Eltern keine Rolle spielen, lernen sie Normalität im Umgang mit eben diesem Erleben und werden, wenn es gut läuft, frei fühlende Erwachsene.

Bei Aufklärung geht es eben nicht nur um die Frage, wer was wann wohin steckt, sondern auch, ob die eigenen Gefühle wichtig sind (sind sie) und ob man darüber sprechen muss (muss man). Mir schreiben Heerscharen von Erwachsenen mit Fragen, die der Bravo alle Ehre machen würden und viele enden mit dem Satz „Ich habe sonst niemanden, den ich fragen kann“. Warum nicht? Weil keine Generation bislang gelernt hat, frei und offen über ihre Sexualität zu sprechen.

Sex als Serviceleistung

Ich glaube auch, dass wahrhaft aufgeklärte Menschen kein Vergnügen an Pornokonsum haben oder vielmehr an der Art Konsum, die dann zum Ersatz für echtes Erleben führt. Die Karikatur der Sexualität, die einem in den meisten Filmen dargeboten wird, wirkt nämlich für jeden, der in Kontakt mit seinen Bedürfnissen steht, auf Dauer bizarr. Vor allem, wenn man weiß, wie sich echter, alles verschlingender und intimer Sex wirklich anfühlt. So aber wachsen Menschen heran, die ihr Hauptwissen von Youporn beziehen und die Sex als Serviceleistung verstehen. Neulich rief ein junges Mädchen in meiner Sendung an, die besorgt war, weil sie mit 19 noch keinen Analverkehr hatte. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Also, ich weiß es schon. Als ich 19 war, war ich froh, wenn gefummelt wurde und wir außer Missionar- vielleicht so etwas total Verrücktes wie die Reiterstellung ausprobiert haben.

Dabei ist Aufklärung wirklich einfach. Wann immer Fragen auftauchen, beantwortet man sie. So passt man sich automatisch dem Entwicklungsrhythmus des Kindes an. So ab 13 würde ich mal darüber sprechen, was übermäßiger oder unvorsichtiger Pornokonsum so mit der Seele anrichtet. Kinder, die sich geliebt und sicher fühlen, treffen dann den eigenen Konsum betreffend eher die richtigen Entscheidungen. Wer es lustig mag, kann dann bei Nachfragen ruhig vom eigenen Scheitern erzählen („Damals, mit Ingo....“), das nimmt Druck aus der Sache. Lacht darüber! Aber das Wichtigste ist, gemeinsam darüber zu sprechen. Das gilt auch für Erwachsene!

Alles Liebe, Paula

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"Kommst du?" - Die Kolumne von Paula Lambert lest ihr jede Woche neu bei fem.com.

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