Jeder Zehnte pflegt eheähnliche Beziehung am Arbeitsplatz

MITTWOCH, 06.12.2017

Die meiste Zeit in der Woche verbringen wir damit, unserem Job nachzugehen. Und eine aktuelle Studie belegt: Auch Beziehungen werden am Arbeitsplatz immer häufiger. In welcher Form sich Kollegen näherkommen und welche Auswirkungen das auf das Privatleben hat, liest du hier.

Hast du schon mal etwas von einem "work wife" oder "work husband" gehört? In den USA beschreiben diese Begriffe eheähnliche Beziehungen am Arbeitsplatz – und die werden auch hierzulande immer häufiger.

Eine große Studie legt Beziehungen am Arbeitsplatz offen

Im Rahmen einer Forsa-Umfrage, die von dem Karriereportal Xing in Auftrag gegeben wurde, standen rund 1.000 Arbeitnehmer Frage und Antwort. Sie wurden zu bestehenden Beziehungen am Arbeitsplatz befragt. Und es zeigt sich, dass immer mehr Deutsche von der Arbeit einige Sachen mit ins Privatleben nehmen: die Kollegen.

Freundschaften fürs Leben

Die Ergebnisse der Studie sind wirklich erstaunlich. So stellte sich beispielsweise heraus, dass die Hälfte alle Befragten schon unter ihren Kollegen Freunde fürs Leben gefunden haben. Insbesondere die Frauen knüpfen untereinander enge Beziehungen am Arbeitsplatz. Offensichtlich hängen diese Freundschaften allerdings bei beiden Geschlechtern auch vom Familienstand ab. 60 Prozent der Kollegen, die zu Freunden wurden, waren ledig.

Insbesondere junge Arbeitnehmer finden langjährige Freundschaften im Beruf.

Insbesondere junge Arbeitnehmer finden langjährige Freundschaften im Beruf.

Und auch die Branche nimmt Einfluss auf das Verhältnis. Insbesondere in der Kommunikations- und Medienbranche boomen die Freundschaften am Arbeitsplatz. Im Groß- und Einzelhandel sind die Arbeitnehmer hingegen deutlich zurückhaltender: Hier entstehen nur wenige Beziehungen am Arbeitsplatz.

Eheähnliche Beziehungen am Arbeitsplatz

Dass Freundschaften im Beruf entstehen, mag vorerst nicht überraschend sein. Wirklich neu ist allerdings, dass sich auch tiefergehende Beziehungen am Arbeitsplatz entwickeln – und das gar nicht selten. Die Studie ergab, dass sich jeder Zehnte in einer eheähnlichen Verbindung zu einem Kollegen oder einer Kollegin befindet.

Dieser Trend existiert schon eine Weile, vor allem jedoch in den USA. Hier haben sich bereits die Begriffe "work wife" oder "work husband" etabliert – zu Deutsch: Arbeitsehefrau oder Arbeitsehemann.

Konkret bedeutet das, dass die Beziehung am Arbeitsplatz über die einer normalen Freundschaft hinausgeht. Es besteht ein großes Vertrauen. Besonders häufig finden sich solche Verhältnisse unter Erwerbstätigen in der Finanz- und Versicherungsbranche. Außerdem kommen sich vor allem Kollegen, die über 50 Jahre sind, so nah. In dieser Altersklasse gaben 13 Prozent der Befragten an, sich in einer "Arbeitsehe" zu befinden.

Private Verabredungen nach der Arbeit

"Wollen wir noch ein Feierabendbier trinken gehen?" – diese Frage stellen sich vor allem junge Arbeitnehmer regelmäßig. Die Umfrage ergab, dass mehr als die Hälfte aller 18 bis 29-Jährigen sich mindestens einmal im Monat mit einem Kollegen privat treffen. In der Gruppe der 30 bis 39-Jährigen sind es rund 40 Prozent, die wiederholt etwas gemeinsam unternehmen. Mit 40 Jahren scheint sich das Blatt zu wenden: In diesem Alter beteuern die meisten Arbeitnehmer, nur auf Firmenevents oder Geburtstagsfeiern private Zeit mit ihren Kollegen zu verbringen.

Auch nach der Arbeit verbringen viele Kollegen Zeit miteinander.

Auch nach der Arbeit verbringen viele Kollegen Zeit miteinander.

Verschwimmt dadurch Arbeit und Privates?

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Arbeit eine immer größere Rolle im Privatleben spielt. Viele Erwerbstätige verbringen die ohnehin knappe Freizeit wieder mit jemandem, den sie auch im Job regelmäßig sehen. Ein wirkliches Problem dürfte das allerdings nicht sein. Schließlich liegt es auf der Hand, warum man sich gut versteht: Kollegen teilen oftmals die gleichen Interessen.

Mann und Frau unterhalten sich geschäftlich

Immer mehr Erwerbstätige pflegen eine eheähnliche Beziehung am Arbeitsplatz.

Ein Tipp zu guter Letzt

Wichtig ist es, klare Grenzen zu ziehen. Wer sich privat mit Arbeitskollegen trifft, sollte über Privates sprechen und nicht über den Job. Denn nur dann kann auch ein wirklich freundschaftliches Verhältnis entstehen, das der Work-Life-Balance nicht schadet. 

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