Wie du Ghosting oder Benching erkennst und dich schütztInterview

MONTAG, 28.05.2018

Wer sich mithilfe von Dating-Apps oder einer Online-Partnervermittlung auf die Suche nach einem Partner macht, kommt an Begriffen wie Ghosting oder Benching nicht vorbei. Doch was steckt dahinter und wie kann ich reagieren? Im Interview mit fem.com erklärt Expertin Lisa Fischbach diese und andere Dating-Trends und gibt Tipps für Betroffene.

Ghosting und Benching sind nur zwei unschöne Verhaltensweisen, mit denen Singles bei der Online-Partnersuche konfrontiert werden können. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach, Leiterin Forschung und Matchmaking bei ElitePartner, hat mit uns über aktuelle Beziehungs-Phänomene gesprochen.

Frau Fischbach, Ghosting und Benching gelten als Zeitgeistphänomene im Datingleben. Könnten Sie kurz erklären, was diese Begriffe bedeuten?

Mit dem Begriff Ghosting wird ein plötzlicher Kontaktabbruch ohne jede Ankündigung in der Kennenlernphase beschrieben – oder sogar ein abruptes Abtauchen in einer Beziehung. Und zwar ohne jede Erklärung. Unter Benching versteht man eine Warmhalte-Taktik beim Kennenlernen. Das Date wird hingehalten, buchstäblich "auf die lange Bank geschoben", indem man sich sporadisch meldet, nie wirklich verbindlich, aber gerade noch so viel, um den anderen an der Angel zu halten.

Woran können Singles Ghosting und Benching erkennen?

Ghosting ist meist unmissverständlich erkennbar. Ein Date verschwindet ohne Vorzeichen wie ein Geist von der Bildfläche – ist nicht mehr erreichbar, reagiert auf keinen Kontaktversuch. Es fühlt sich für den Betroffenen an, als existiere diese Person nicht mehr. Das Verstörende daran ist, dass der Kontakt bis dahin oft nett und verbindlich gewesen sein kann. Umso mehr Fragen und Zweifel wirft das Verhalten auf. Bedauerlicherweise ist dieses verletzende Verhalten nicht selten. In unserer aktuellen ElitePartner-Studie 2018 war unter fast 6.000 befragten Deutschen jeder Fünfte schon mal Opfer von einem Ghost.

Benching ist schwerer wahrzunehmen, weil das Nähe-Distanz-Spiel filigraner die Emotionen manipuliert. Ein guter Indikator ist das aufkommende Gefühl, dass das Kennenlernen irgendwie schleppend verläuft, immer wieder scheint Sand im Getriebe. Wer feststellt, dass die Abstände im Kontakt eigentlich zu lang für einen respektvollen und interessierten Umgang sind, oder dass das Gegenüber sich nur dann meldet, wenn ein konkreter Nutzen dabei herausspringt, bei dem sollten die Alarmglocken läuten. Erklärungen wie beruflicher oder privater Stress sollten eher skeptisch betrachtet werden. Wer echtes Interesse hat, findet immer ein paar Minuten für eine Nachricht.

Wie sollten Singles reagieren, wenn sie gebencht oder geghostet werden?

Opfer von Benching sollten nach der Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt, die Reißleine ziehen und dem Date klar zu verstehen geben, dass dieser Jojo-Kontakt so nicht reicht. Entweder soll der Kontakt verbindlicher werden oder man beendet ihn ganz. Wer geghostet worden ist, braucht Zeit, das Unverständliche zu verarbeiten. Da es keine Chance auf Erklärungen gibt, verfällt man leicht in Selbstzweifel, sucht die Ursache des Scheiterns bei sich selbst. Wichtig ist hier aber, Psycho-Hygiene zu betreiben. Anstatt nach eigenen Fehlern zu suchen, sollte man sich das gestörte Verhalten des Gegenübers bewusstmachen. Denn wer ghostet, dem mangelt es an menschlicher Courage und Wertschätzung im Umgang mit anderen. Oft ein Hinweis für Defizite in der Persönlichkeit.

Lisa Fischbach

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach, Leiterin Forschung und Matchmaking bei ElitePartner

Gibt es einen bestimmten Opfertyp?

Wer eher ein geringeres Selbstwertgefühl hat oder eine unsichere Persönlichkeit ist, dem fällt es oft schwerer, sich bei einem unverbindlichen Beziehungsangebot abzugrenzen. Auch kann eine sehr große Sehnsucht nach einer Partnerschaft dazu beitragen, den Blick zu verschleiern und Dinge schön zu reden, auch wenn man latent merkt, es stimmt etwas nicht im Kontakt.

Wie kommt es zu solchen Trends? Haben Dating-Apps wie Tinder, soziale Netzwerke oder Messenger wie WhatsApp Schuld oder treten die Phänomene auch im realen Leben auf?

Digitale Medien stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit diesen Phänomenen, aber sie bieten Menschen mit Ghosting- oder Benching-Absichten eine ideale Plattform und erleichtern das subtile Spiel. Beide Verhaltensweisen gab es aber auch schon vor WhatsApp und Co. Da es durch digitale Kommunikationswege sehr leicht ist, Kontakt zu halten, fällt es heute schlicht mehr auf, dass das Verschwinden oder Hinhalten absichtlich geschieht.

Welche Phänomene neben Ghosting und Benching sind aktuell noch im Dating-Leben zu beobachten? Könnten Sie ein paar Beispiele nennen und diese kurz erklären?

Cushioning – damit ist gemeint, sich parallel zu einer Beziehung andere warmzuhalten, damit man im Fall einer Trennung "weich fällt" (engl. cushion = Kissen). Dazu neigen übrigens eher Männer als Frauen. Die ElitePartner-Studien haben gezeigt, dass Männer größere Angst vor dem Alleinsein haben und gern schnell wieder in einer Beziehung sind.

Mingeln – eine Art Halbbeziehung. Auf der einen Seite trifft man sich regelmäßig wie in einer verbindlichen Partnerschaft, aber man definiert sich nicht als festes, exklusives Paar.
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Gatsbying – einen Schwarm oder Partner auf sozialen Netzwerkseiten von sich beeindrucken. Laut der neuesten Erkenntnisse unserer ElitePartner-Studie ist das Phänomen am meisten bei den Jüngeren zwischen 18 bis 29 verbreitet. Spannenderweise tritt diese Verhaltensweise bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Frau am Handy im Café pin

Plötzlich weg: Singles können bei der Online-Partnersuche Opfer von Ghosting werden.