Geschichte der AbtreibungEin Menschheitsproblem

MONTAG, 19.08.2013

In allen Gesellschaften, Epochen und Kulturen ist Abtreibung ein Thema. Es ist ein Menschheitsproblem. Und schon immer ging es dabei um die Frage: Wann beginnt das Leben?

Obwohl nicht bekannt ist, wann der Mensch zum ersten Mal mit künstlichen Mitteln eine Abtreibung hervorrief, ist davon auszugehen, dass es bereits in der Steinzeit ein intuitives Wissen über die abtreibende Wirkung mancher Pflanzen gab. Im Mittelalter waren Abtreibungen dann ein Hauptgrund für die Hexenverfolgung. Die Kirche hatte im damals den größten Einfluss und war schon immer ein klarer Gegner der Abtreibung. Meist waren es Hebammen, die angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Sie kannten sich nämlich mit allerlei Kräutern aus und wurden daher häufig von ungewollt schwangeren Frauen aufgesucht. Wenn diese ihr Kind nach dem Besuch verloren, wurde der Hebamme die Schuld gegeben und diese der Hexerei bezichtigt. In der frühen Neuzeit (1500-1700) verlor die Kirche dann an Macht und so wurde erstmals zwischen einer belebten und einer unbelebten Leibesfrucht entschieden. Entwicklungszustand und Alter des abgetriebenen Kindes waren maßgeblich für das spätere Strafmaß. Hier entschied erstmals nicht mehr die Kirche, sondern ein weltliches Gericht. So befasste sich die "Peinliche Gerichtsordnung" von Karl V. aus dem Jahr 1532 erstmals auch mit Abtreibungsdelikten.

Die Anfänge der Abtreibung im Gesetz

Im Reichsstrafgesetzbuch vom 15.5.1871 wurden unter § 218 die Bestimmungen für das Verbrechen der Abtreibung festgelegt. Neu war daran, dass die Frau Milde erfahren konnte. Im preußischen Strafgesetzbuch von 1851 war dies noch nicht vorgesehen. Problematisch war das neue Gesetz dennoch, denn es regelte nicht, wie Ärzte zu behandeln seien, die eine Abtreibung für medizinisch und ethisch notwendig erachteten. War das Leben der Frau oder das Heil ihrer Psyche bedroht, nicht aber eine sozial bedingte Bedrohung, so waren die Juristen bereit, eine Art Erlaubnis zu erteilen. Nach § 218 ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland noch immer rechtswidrig, sollte ein bestimmter gesetzlich vorgeschriebener Weg nicht gegangen werden. Ein Schwangerschaftsabbruch ist daher auch nur bis zur 12. Woche straffrei, da schon das befruchtete Ei als schützenswert angesehen wird. Der gesetzlich vorgeschriebene Weg beinhaltet eine ausführliche Beratung, die mindestens drei Tage vor dem Abbruch stattfinden muss. Bei minderjährigen Betroffenen ist der Arzt zum Schweigen verpflichtet.

Beratungsstellen bei einer Abtreibung

Abtreibung ist ein sensibles Thema. Oftmals hilft es, vor dem einschneidenden Schritt verschiedene Beratungsstellen aufzusuchen und sich professionelle und unabhängige Hilfe zu holen. Falls Sie sich sicher sind, dass Sie Ihre Schwangerschaft abbrechen möchten, ist ein Beratungsgespräch außerdem fest vorgeschrieben.

Zu den offiziellen Beratungsstellen in Deutschland gehören die ProFamilia-Beratungsstellen, die Arbeiterwohlfahrt und in bestimmten Städten auch die Familienplanungszentren. Freiwillige Beratungen können auch in Frauengesundheitszentren in Deutschland durchgeführt werden. Seit einigen Monaten bietet die ProFamilia auch Onlineberatungen an. Die Onlineberatung ersetzt allerdings keine echte Beratung. Nur die offiziellen Beratungsstellen in Deutschland können den sogenannten Beratungsschein ausfüllen, der für eine Abtreibung benötigt wird. 

Die Beratung kann natürlich auch völlig anonym erfolgen. Zwar muss die Bescheinigung zur Abtreibung am Ende den Namen der Patientin tragen, allerdings ist es auch möglich, dass ein anderer Mitarbeiter der Beratungsstelle die Bescheinigung für Sie ausstellt

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