Darf man bei Regelschmerzen zuhause bleiben?

FREITAG, 09.11.2018

Bauchkrämpfe, Rückenschmerzen und Kreislaufprobleme: Diese Symptome gehören bei vielen Frauen zu den monatlichen Regelbeschwerden. Dürfen sich Frauen während ihrer Periode krankschreiben lassen?

Man darf wegen Regelschmerzen zuhause bleiben – und das sagen

Wer Bauchkrämpfe, Rückenschmerzen und Kreislaufprobleme feststellt, die so heftig sind, dass man kaum aufstehen kann, der würde eigentlich sofort zum Arzt gehen. Zum einen, um eine Diagnose für die Symptome zu bekommen. Zum anderen, um ein Attest abzuholen. Man ist krank, so kann man ja nicht arbeiten. Es sei denn man ist eine Frau, die gerade ihre Periode  bekommt.

Warum Frauen wegen der Periode arbeiten gehen

Dann geht man nicht zum Arzt, weil man die Diagnose schon kennt: Regelschmerzen. Man ist, wie jeden Monat, mit ausreichend Schmerzmitteln vorbereitet. Und man geht natürlich, wie jeden Monat, arbeiten. Als Frau lernt man mit der ersten Menstruation, dass man das so macht. Weil Blut, das einmal im Monat aus Frauen rausläuft, noch immer ein Tabuthema ist und bei zu vielen Frauen ein Schamgefühl erzeugt. Wenn man da einfach seinen Job macht und nicht jammert, muss man sich wenigstens nicht öffentlich schämen. Das ist die falsche Einstellung.

Damit die Periode kein Tabu mehr ist, muss die Kommunikation offener werden. Immer noch verstehen die meisten Chefs – wahrscheinlich, weil die meisten von ihnen immer noch männlich sind –, den Zyklus und Hormonhaushalt von Frauen nicht. Bevor sie Regelschmerzen aber als Krankheit anerkennen lernen, müssen ihre Mitarbeiterinnen das erst mal selbst machen. Das Problem ist nicht nur männlich: Selbst manche Feministinnen sehen es als einen Rückschritt der Gleichberechtigung, wenn man wegen der Periode zuhause bleibt. Aber Frauen bluten nun mal einmal im Monat hormonell bedingt, manche davon sehr schmerzhaft, und Männer nicht – gegen die Biologie kommt, tut uns leid, auch die Emanzipation nicht an.

Warum Frauen während der Periode zuhause bleiben sollten

Das unverständlichste Argument, warum Frauen doch auch bitte während der Periode arbeiten sollten, klingt ungefähr so: Alle Frauen müssen da durch. Aber warum sollte das überhaupt eine Rolle spielen? Es macht den Schmerz jeder einzelnen Frau nicht besser. Mal abgesehen davon, dass sich Regelschmerzen bei jeder Frau anders zeigen. Als Ziehen, Stechen, Brennen oder sogar als würde der Unterleib gleich platzen und der untere Rücken durchbrechen. Manche sind glücklich und spüren gar nichts. Wieder andere kämpfen dafür mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel.

Wer sowas versucht auszuhalten, kann keine volle Leistung bringen. Wer zuhause bleibt, leistet danach aber Sensationelles. Ärzte schreiben Frauen selbstverständlich wegen Regelschmerzen krank. Trotzdem lassen sich manche Frauen lieber regelmäßig andere Ausreden einfallen – was sie am Ende schwächer aussehen lässt, weil sie einmal im Monat krank sind. Wenn wir endlich offener mit dem Thema der weiblichen Periode umgehen können, muss ich auch kein Chef mehr fragen, warum die Mitarbeiterin so ein super schlechtes Immunsystem hat.

Eine gute Idee: vorgeschriebener Menstruationsurlaub

In Asien gibt es seit 1947 offiziell Menstruationsurlaub, ein bis drei Tage pro Monat, je nach Land. Der Haken ist, dass dabei manche Frauen noch fürchten müssen, ihren Job zu verlieren, wenn sie von diesem Anspruch Gebrauch machen. Andere haben Scham vor einem Chef, der darauf bestehen könnte, blutige Tampons als Beweis zu sehen. Bei Nike steht die Beurlaubung bei Regelschmerzen seit 2007 in den Konzernrichtlinien. Das ist nicht alleine wegen der Maßnahme richtig, sondern auch wegen des offenen Umgangs mit dem Thema. Denn nur wenn wir offen sagen können „ich habe Regelschmerzen und bleibe deswegen zuhause“, kann genau das zur wichtigen Norm werden.

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Menstruationsschmerzen sind für viele Frauen eine Belastung, trotzdem gehen sie arbeiten. 

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