Liebe & Lust

6 Dinge, die du für die LGBTQIA+ Community tun kannst

DONNERSTAG, 25.06.2020

LGBTQIA+ - diese Abkürzung steht für mehr als nur Lesben und Schwule. Doch was genau bedeuten die einzelnen Buchstaben. Wer gehört dazu oder eventuell auch nicht? Der ursprüngliche Begriff LGBTQI steht im englischen für die Wörter: Lesbian , Gay , Bisexual, Transsexuell/Transgender, Queer und Intersexual. Die Addition des „A´s“ am Ende der LGBTQI- Abkürzung bezeichnet „allies“ zu Deutsch „Verbündete“. Also alle die unter uns, die heterosexuell sind und somit nicht offiziell zur Community gehören, sich aber in ihren Überzeugungen nicht von LGBTQI-Mitgliedern unterscheiden.

In Deutschland bezeichnen sich 6,1 Millionen der Gesellschaft als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender, so lautet das Fazit der Gender Shift Studie des Zukunftsinstitutes aus dem Jahre 2019. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen sind das sieben Prozent. Obwohl der Ruf nach Offenheit und Toleranz in der Gesellschaft immer lauter wird, wird das Spektrum außerhalb heteronormativer Lebensmodelle immer noch diskriminiert – bewusst und unbewusst. So halten 18 Prozent der Deutschen Homosexualität noch immer für „unnatürlich“.

Wie genau kann ich der Queer-Community im Alltag eine Verbündete, oder ein Verbündeter sein? Indem du für sie einstehst. Wir haben Vorschläge zusammengefasst, wie du Schulter an Schulter mit der LGBTQI+-Communtiy stehen kannst, auch wenn du selbst dich nicht dazuzählst und somit zu einem dieser wertvollen „A´s“ wirst.

 

1. Mach dich frei von Vorurteilen

Homosexuelle Männer sind nicht immer super stylischen Shopping-Begleiter a´la Sex and the City, mit perfekt gezupften Augenbrauen und spitzzüngigen Kommentaren und lesbische Frauen sind nicht immer besonders maskulin gekleidet, oder tragen kurze Haare. Ebenso, wie nicht jede heterosexuelle Frau die Farbe Pink liebt und hohe Schuhe trägt, viele Männer nicht auf schnelle Autos stehen und andere Fußball für einen fürchterlich langweiligen Sport halten. Versuche dich nicht von Klischees, Vorurteilen und Stereotypen leiten zu lassen. Lernt man einen schwulen Mann kennen, erkennt man relativ schnell, dass man – wie so vieles andere im Leben – auch Homosexualität differenzierter betrachten muss.  Am besten denkst du gar nicht darüber nach, ob und wie die Optik Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung oder den Charakter einer Person zulässt. Emanzipation bedeutet Freiheit der Wahl! Jeder Mensch darf so sein und so leben wie er möchte – unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Körperlichkeit, (sexueller) Orientierung, Lebensweise, (ethnischer) Herkunft, Einkommen, Bildung, sozialem Verhalten.

2. Stelle keine dummen Fragen

Im Anschluss an den ersten Punkt, solltest du versuchen dir manche Fragen gar nicht erst zu stellen. Vor allem dumme Fragen, wie beispielsweise „Woher weißt du, dass du lesbisch/schwul/anders bist, wenn du noch nie etwas anderes ausprobiert hast?“ sind für die Community super nervig. Gegenfrage: Woher weißt du denn, als Hetero, dass du nicht vielleicht schwul, oder lesbisch bist? Sexualität ist kein Hobby, oder ein Trend. Frage dich selbst, wie du dich fühlen würdest, wenn du deine Sexualität immer wieder aufs Neue verteidigen müsstest? Das Ziel sollte sein, dass wir uns solche Fragen nicht stellen wollen – ja sie gar nicht zur Debatte stehen. Weil jede Art der Sexualität, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung zu unserer Norm dazugehört.  

Wenn du dir jedoch nicht sicher bist, ob man gerade eine Frau oder einen Mann vor sich hat, dann frag nach: "Was ist dein Pronomen?", oder "Wenn ich über dich spreche, sage ich dann er oder sie?"

3. Stehe gegen Diskriminierung

Knapp 39 Prozent der Deutschen finden es abstoßend, wenn sich homosexuelle Paare auf der Straße Liebesbekundungen, wie beispielsweise Küssen, zeigen. Das fand die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in einer repräsentativen Studie 2017 heraus. Bei heterosexuellen Paaren finden die meisten das jedoch absolut in Ordnung. Viel wichtiger als das Geschlecht der sich Küssenden, ist doch allerdings das, was dahintersteht. Zwei Menschen, die sich gefunden haben, glücklich sind und ihre Liebe genießen. Es reicht jedoch nicht, sich einfach nur für dieses Pärchen zu freuen. Gegen Diskriminierung sollten wir alle aktiv vorgehen. Triffst du also jemanden, der der Meinung ist, ein homosexueller Kuss sei weniger wert oder schön als ein heterosexueller Kuss, dann stehe für die Community und deine Überzeugungen ein. Vor Diskriminierung sollten und dürfen wir uns nicht verschließen – wir müssen uns dagegen wehren und zwar gemeinsam. Merke dir jedoch: Nicht du entscheidest, was diskriminierend ist, sondern die betroffene Person.

4. Sichere deine Unterstützung zu

Apropos Liebe: Schwule sowie lesbische Paaren sollten überall die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, wie heterosexuelle Paare. Keiner verlangt von dir, dass du alleine Gesetze änderst, aber denke doch darüber nach die nächste Petition für beispielsweise mehr Wickeltische auf öffentlichen Männertoiletten zu unterschreiben, die sind nämlich leider immer noch Mangelware. Oder unterstütze eine Demonstration, wie zum Beispiel den Cristopher-Street-Day und sichere deine Zustimmung denen zu, die sie benötigen. Was dich zu einem wahren Verbündeten macht, ist zusammen mit der Community an einem Strang zu ziehen. Wenn nicht nur die „Betroffenen“ auf Diskriminierung aufmerksam machen, sondern die ganze Gesellschaft, können auch kleine Taten in Summe eine große Veränderung herbeiführen.

5. Sei offen

Bevor du dir eine Meinung zu einem Thema bildest, informiere dich, sammle Wissen und hinterfrage deine eigene Überzeugung. Die Gender Shift Studie des Zukunftsinstitutes hat beispielsweise ergeben, dass rund 27 Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass in der Schule in Bezug auf Liebe und Partnerschaft nur heterosexuelle Paare behandelt werden sollten. Mache dir also eine eigene Meinung, hinterfrage diese Meinung, fange an gelernte Muster zu überdenken und gebe das auch an dein Umfeld weiter. Finde ich lesbisch sein befremdlich, weil ich das Gefühl habe, dass dadurch Weiblichkeit bedroht wird? Finde ich öffentliche Liebesbekundungen nur bei homosexuellen Paaren schlimm und wenn ja, warum? Bewege dich in der Community, sei offen, lerne neue und vielleicht auch andere Menschen kennen, hinterfrage Verhaltensmuster – ja auch deine eigenen – und achte aufmerksam darauf, wo sich deine Lebenswelt mit der LGBTQI+ Community kreuzt. Sich mit Meinungen auseinander zu setzen ist nicht immer angenehm, für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft allerdings notwendig.

6. Werde dir über Ungerechtigkeiten bewusst

Hast du schon einmal von einer heterosexuellen Person gehört, die aufgrund ihrer Sexualität diskriminiert, ausgegrenzt oder anders behandelt wurde? Kennst du eine heterosexuelle Person, die mit 15 Jahren zu ihren Eltern gesagt hat: „Mama, Papa – ich muss euch etwas sagen. Ich bin heterosexuell“? Wenn du das mit „Nein“ beantworten kannst, dann denke doch einmal darüber nach, wie schwer so ein Outing sein muss, wie furchteinflößend ein Angriff auf deine Person wäre oder wie niederschmetternd eine Jobabsage ist, weil du schlicht und ergreifend das „falsche“ nicht normgetreue Geschlecht liebst. Klingt doof? Ist es auch. Also sei dir deiner Privilegien bewusst und nimm sie nicht als selbstverständlich – das ist ein erster Schritt Ungleichheiten zu sehen. Und nur was gesehen werden kann, kann verhindert werden.

Wir finden: Zur LGBTQIA+-Community zu gehören ist keine Frage der Sexualität, sondern der Einstellung. Und am Ende gilt für uns alle immer noch Omis beste Weisheit (und nebenbei die leicht verdauliche Variante des kategorischen Imperativs von Kant): „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg auch keinem anderen zu“.

#loveislove

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