Abtreibung: Kosten, Beratung und Verlauf

DONNERSTAG, 16.08.2018

Kaum eine Entscheidung ist so schwerwiegend wie ein Schwangerschaftsabbruch. Doch wer trägt in Deutschland bei einer Abtreibung die Kosten und welche Beratungsstellen gibt es überhaupt? Was betroffene Frauen zuvor wissen sollten, das verraten wir hier.

Die Gründe für eine Abtreibung, die in Deutschland nicht verboten ist, können ganz unterschiedlich sein. Längst nicht jede Frau freut sich über einen positiven Schwangerschaftstest. Möglicherweise passt ein Baby nicht in den Lebensplan. Vielleicht ist die Beziehung zum Vater des Kindes nicht intakt genug. Fest steht: Entscheiden sich Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch, möchten sie in der Regel auch gern wissen, mit welchen Kosten eine Abtreibung verbunden ist und in welchen Fällen die Krankenkasse für die Kosten aufkommt.

Werden bei einer Abtreibung die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Steht durch die Schwangerschaft die Gesundheit der Mutter auf dem Spiel oder wurde die Frau infolge einer Strafhandlung wie einer Vergewaltigung schwanger, kommen in Deutschland die gesetzlichen Krankenkassen für die Kosten der Abtreibung auf. In solchen Fällen liegen medizinische beziehungsweise kriminologische Indikationen vor.

Erfolgt der Schwangerschaftsabbruch jedoch auf eigenen Wunsch, müssen die Abtreibungskosten selbst getragen werden. Diese belaufen sich laut pro Familia auf 200 bis 570 Euro und sind abhängig von der Praxis, der Methode sowie der Versicherung.

Was, wenn man sich die Abtreibungskosten nicht leisten kann?

Schwangere, die nur über ein geringes Einkommen (Stand August 2018: 1.179 Euro netto) verfügen und damit nicht in der Lage sind, für die Kosten einer Abtreibung selbst aufzukommen, können einen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse stellen.

Die Abtreibungskosten werden dann von dem jeweiligen Bundesland, in dem die Frau lebt, übernommen. Der Schwangerschaftsabbruch muss dabei nicht begründet werden. Das Einkommen des Vaters ist nicht relevant. Die Frau braucht allerdings eine schriftliche Zusage des Arztes, der den Eingriff durchführen soll.

Welche Möglichkeiten für eine Abtreibung gibt es?

Eine Abtreibung kann durchgeführt werden, wenn seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind. Dies entspricht der 14. Schwangerschaftswoche wenn vom ersten Tag der letzten Regelblutung gerechnet wird.

Wer abtreiben möchte, hat drei Möglichkeiten, die Schwangerschaft abzubrechen: Absaugung, Ausschabung oder die Abtreibungspille.

Eine Absaugung ist die häufigste Abtreibungsmethode. Sie findet unter Narkose statt. Dabei dringt der Arzt mit einem schmalen Röhrchen über die Vagina in die Gebärmutter ein und saugt dort die Gebärmutterschleimhaut, die Fruchtblase sowie den Embryo ab.

Bei der Ausschabung hingegen, die ebenfalls unter Narkose stattfindet, werden diese mithilfe eines speziellen Instruments ausgeschabt. Neu ist die sogenannte Abtreibungspille, die lediglich bis zur 9. Schwangerschaftswoche zum Einsatz kommt. Wie die Pille funktioniert? Sie wird unter ärztlicher Aufsicht genommen. Bereits zwei bis drei Tage nach Einnahme setzen die Wehen ein. Es kommt zu einer Fehlgeburt.

Abtreibung: Welche Beratungsstellen gibt es?

Auch wenn die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung letzten Endes immer bei der Frau liegt, sollte der potenzielle Vater nicht außen vor bleiben. Unabhängige Beratungen, wie sie etwa von

  • der Arbeiterwohlfahrt
  • dem Deutschen Roten Kreuz
  • der pro familia oder
  • der Diakonie

kostenlos angeboten werden, sind darüber hinaus Voraussetzung für eine Abtreibung. Die Beratungsstellen sind außerdem eine gute Hilfe, sich darüber wirklich klar zu werden, welcher Weg für einen der richtige ist.

Nur die offiziellen Beratungsstellen in Deutschland können den sogenannten Beratungsschein ausfüllen, der für eine Abtreibung benötigt wird. Die Beratungsstellen-Datenbank der BZgA umfasst mit mehr als 1.600 Einträgen fast alle Schwangerschaftsberatungsstellen in Deutschland.

Außerdem gilt es gewisse Fristen einzuhalten: Zwischen der Ausstellung des Beratungsscheins und dem Eingriff selbst müssen mindestens drei Tage liegen. Das heißt, falls die Beratung am Montag stattfindet, kann die Abtreibung frühestens am Freitag durchgeführt werden. So kann gewährleistet werden, dass eine gewisse Bedenkzeit stattfindet.

Anonyme Beratung vor einer Abtreibung

Die Beratung kann auch völlig anonym erfolgen. Zwar muss die Bescheinigung zur Abtreibung am Ende den Namen der Patientin tragen, allerdings ist es auch möglich, dass ein anderer Mitarbeiter der Beratungsstelle die Bescheinigung  ausstellt.

Offizielle Beratungsstellen sind zwar verpflichtet, jedes Jahr einen Beratungsbericht zu verfassen, allerdings werden alle Namen und Daten der Patientinnen anonymisiert. Die Beratung erfolgt nicht komplett anonym, aber es werden keine persönlichen Daten herausgegeben.

Zusammenfassung der Redaktion:

Eine Abtreibung ist eine Entscheidung, die gut überlegt sein will. Zurecht ist ein Gespräch bei einem der offiziellen Beratungsstellen Voraussetzung für den Schwangerschaftsabbruch. Sollte sich eine Frau jedenfalls dafür entscheiden, muss sie die Kosten für die Abtreibung selbst tragen. Ausnahmen sind Frauen, bei deren Schwangerschaft medizinische oder strafrechtliche Indikationen vorliegen, sowie Frauen, deren Einkommen zu gering ist. Letztere haben die Möglichkeit bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme zu stellen.

Nicht immer ist eine Schwangerschaft ein Segen. pin

Wer übernimmt die Kosten für eine Abtreibung?

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