Warum das Impostor-Syndrom sehr weiblich ist

MITTWOCH, 21.11.2018

Irgendwann kommen alle dahinter, dass ich in Wirklichkeit gar nichts kann. Dass ich nicht hart genug gearbeitet habe. Dass ich einfach nur Glück hatte. Dann bin ich meinen Job los und bekomme auch keinen mehr. Hände hoch, wer diese Angst kennt! Wer sie permanent hat, leidet unter dem Impostor-Syndrom, zu Deutsch: das Hochstapler-Syndrom.

Der Begriff wurde in den 80er-Jahren von den amerikanischen Psychologinnen Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes zum ersten Mal verwendet. Die beiden gingen damals davon aus, dass das Syndrom rein weiblich ist. Ist es nicht. Trotzdem leiden deutlich mehr Frauen darunter als Männer. Ihnen wurde schließlich lange genug deutlich signalisiert und teilweise per Gesetz klargemacht, dass ihre Fähigkeiten niemals an die eines Mannes reichen würden. Darum die schlechtere Bezahlung. Und darum auch keine Führungsposition.

Wenn man die Führungsposition zumindest doch bekommt? Vielleicht liegt es am gesellschaftlichen Druck auf die Unternehmen, Frauen zu fördern, oder einfach an der Frauenquote. Vielleicht möchte das Unternehmen auch sparen, denn Frauen verdienen, also kosten, ja immer noch weniger. An den Fähigkeiten kann es doch nicht liegen. Das mit dem Geld stimmt zwar, im Prinzip ist der Gedankengang aber Quatsch. Frauen müssen sich tatsächlich vielerorts noch mehr anstrengen an Männer. Nicht weil sie weniger können, sondern weil man sie ohne herausragende Leistungen noch weniger bemerkt. Darum ist krankhaftes Tiefstapeln erstrecht falsch.

Warum konzentrieren Frauen sich trotzdem mehr auf ihre Schwächen? Frauen bekommen und geben selbst andauernd Ratschläge, was sie noch an sich optimieren könnten. Vom Körper bis zur Arbeitsleistung. Männer machen das genau andersrum. Beispiel: Eine Frau, die öffentlich über ihre Phase mit dem Impostor-Syndrom gesprochen hat, ist die äußerst erfolgreiche Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Mark Zuckerberg, der beschuldigt wurde, das Konzept Facebook nur geklaut zu haben, kennt das Syndrom vermutlich nicht, ihm scheint Tiefstapeln eher fremd.

Hochstapler-Syndrom oder Selbstzweifel?

Dabei darf das Impostor-Syndrom nicht mit gesunden Selbstzweifeln verwechselt werden. Die sind ein gesunder Antrieb, Ziele zu erreichen. Intellektuelle Selbstzweifel werden erst zum krankhaften Hochstapler-Syndrom, wenn man Erfolge anzweifelt – also glaubt, dass der Chef die Gehaltserhöhung sicher bald bereuen wird, eine Auszeichnung ein Versehen gewesen sein muss und ein tolles Jobangebot sicher nur auf dem Tisch liegt, weil es sonst keine anderen Bewerber gab. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man eine neue Stelle oder sogar eine Beförderung ausschlägt oder dass der Druck, den man damit aufbaut, alles ausbremst. Dann wird man so schlecht wie man eh dachte.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass nur die wenigstens ausschließlich mit Glück an die Spitze kommen, da kannst du dir sicher sein. Wer trotzdem überzeugt ist, ein Hochstapler zu sein, macht am besten die folgenden drei Dinge:

1. Jeden Erfolg in einem Tagebuch aufschreiben und immer mal wieder am Stück durchlesen. Danach ist tiefstapeln wahrscheinlich unmöglich.
2. Mit Freundinnen oder der Familie über die Ängste sprechen. Du wirst sicher überrascht sein, welche Gründe sie für deinen Erfolg finden – und die mit Glück rein gar nichts zu tun haben.
3. Realistische Anforderungen an die eigene Position stellen und mal vergleichen, ob du mit deinen Kollegen genauso hart bist.

Und am Ende unbedingt an das Mantra von Sängerin Kate Nash halten: I'm a badass bitch from hell and nobody can fuck with me.

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Impostor-Snydrom: Warum du deinen Erfolg sicher nicht dem Glück verdankst