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Warum wir anfangen müssen, mehr über Gehälter zu sprechen

DONNERSTAG, 17.01.2019

Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Wir müssen reden – und zwar über unsere Gehälter und die der anderen.

Es ist schon sehr deutsch, nicht übers Gehalt zu sprechen. Darum stellen die meisten auch gar nicht infrage, dass die Klausel im Vertrag, die manchmal explizit zum Schweigen darüber verpflichtet, vielleicht rechtswidrig sein könnte. Klartext gesprochen und ein wichtiger Hinweis: Sie ist es. Arbeitsgerichte haben entschieden, dass diese Verschwiegenheitsklausel über das eigene Gehalt  Persönlichkeitsrechte verletzt und dem Gleichbehandlungsgesetz im geltenden Arbeitsrecht widerspricht. Nur einige Führungspositionen zum Beispiel sind davon ausgenommen.

Jetzt mal Hände hoch, wer noch nie das eine oder andere Detail über den eigenen Job am Tisch mit Freunden ausgeplaudert hat, das besser geheim geblieben wäre! Beim Gehalt sind wir aber noch relativ unentspannt und halten uns gerne an das Redeverbot. Das müssen wir ändern, weil es vor allem Frau darin behindert, für ihre Arbeit anständig – heißt: zumindest gleich den Männern – bezahlt zu werden.

Offenheit gegen ungleiche Gehälter

Die aktuelle Zahl, die wir alle kennen, ist nämlich diese: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Dafür, dass man das kaum nicht wissen kann, müsste der Equal Pay Day am 18. März gesorgt haben. Eine pauschalisierte Zahl reicht aber nicht aus für mehr Gleichberechtigung beim Gehalt. Weil die Zahl so allgemein klingt, dass man sie leicht von sich wegschiebt und nicht auf die eigene Situation bezieht. Sonst würden wohl viel mehr Frauen, ihren Gehaltswunsch mal automaisch um 21 Prozent erhöhen – passiert aber nicht.

Verdienen die anderen auch nicht mehr?

Wer mehr Gehältergerechtigkeit für dich selbst möchte, statt nur in der Theorie für alle Frauen, muss über Gehalt sprechen und wie selbstverständlich wissen, was die Kollegen und Kolleginnen so verdienen und entsprechend im Gehaltsgespräch verhandeln. Natürlich sind Vergleiche mit Kollegen nicht das souveränste Argument für mehr Geld; zu signalisieren, dass man durchaus weiß, was die anderen verdienen, stärkt das Selbstbewusstsein gegenüber dem Arbeitgeber und schützt am Ende auch vor so unsäglichen Chef-Sätzen wie: "Die anderen verdienen auch nicht mehr.“ Oder: "Das hier ist nun mal ein kleines Unternehmen, in dem so bezahlt wird."

Weil Chefs das natürlich gar nicht mögen, behaupten sie gerne, zu viel Offenheit beim Gehalt führe zu schlechter Stimmung zwischen den Mitarbeitern. Das mag stimmen, wirft aber gleichzeitig die Frage auf: Wer ist die Ursache der schlechten Stimmung? Die Mitarbeiter, die sich miteinander vergleichen, oder der Arbeitgeber, der ungleich bezahlt – und das lieber verschleiern möchte? Der Arbeitgeber zumindest ist der einzige, der vom Schweigen über Geld profitiert: Er hat seine Ruhe und kann so niedrig wie möglich bezahlen.

Darum sollte das Gespräch übers Gehalt normal sein

In den USA zum Beispiel ist es ganz normal, übers Gehalt zu sprechen. Gehälter stehen da oft, natürlich trotzdem noch verhandelbar, schon in der Stellenbeschreibung. Auch wir müssen endlich lockerer werden. Gespräche übers Gehalt sollten mit guten Kolleginnen und erst recht zwischen guten Freunden selbstverständlich sein, damit es weniger Ungleichheit gibt. Am besten mit gutem Beispiel voran gehen und Gehälter direkt thematisieren oder Kolleginnen sensibel gegenüber sein, die sich vielleicht nicht trauen zu fragen.

Solange man selbst nicht im Chefsessel sitzt, ist das der Beitrag, den Frauen und vor allem Männer leisten können, damit wir alle gerecht für unsere Arbeit bezahlt werden. Niemand wird dadurch weniger verdienen, das ist sicher.

pin

Beim Gehalt sind wir noch relativ unentspannt und halten uns gerne an das Redeverbot. Das muss sich ändern!