Beauty & Lifestyle

Interview mit Gründerin Linda Wonneberger

MONTAG, 23.04.2018

Linda Wonneberger ist Gründerin und Geschäftsführerin der Comfexy GmbH. In Deutschland ist sie unter anderem durch ihren Auftritt in der SAT.1-Show "Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?" bekannt geworden. Sie stellt BHs für Frauen mit großer Oberweite her, die gleichzeitig bequem sind, Halt versprechen und sexy aussehen. Wir möchten mit ihr sprechen, weil sie zu den knapp 15 Prozent der weiblichen Gründer in Deutschland gehört und wir wissen möchten, welche Tipps sie anderen Frauen mitgeben kann. Im Interview erzählt Linda Wonneberger, warum sich ein langer Atem lohnt und warum es Frauen in den USA mit der Gründung leichter haben.

Was ist das Ausgefallenste, das auf deinem Schreibtisch steht?

Linda Wonneberger: Ein Moodboard mit Sprüchen und Bildern. Sie stehen für all das, was mich im Leben antreibt: Mein Lieblingsglückskeksspruch, Fotos von erfolgreichen Geschäftsfrauen und von meiner Familie und Freunden. Dies sind Dinge, die mich glücklich machen und anspornen.

Wie würdest du deinen Job in drei Sätzen beschreiben?

Visionen planen und mit Freude jeden Tag daran zu arbeiten, diese zu realisieren. Mit meinen Mitarbeitern baue ich eine Wäschemarke auf, die komplett auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt ist. Wir entwickeln und verkaufen BHs, die bequem sind, Halt geben und gleichzeitig dabei helfen, dass wir uns attraktiver fühlen.

Was waren die Meilensteine auf deinem Karriereweg?

Nach meinem Abitur an der Walldorfschule wollte ich unbedingt raus aus Leipzig. Ich fand, dass die Deutschen oft mehr meckern als selbst die Initiative zu ergreifen. Deshalb wollte ich unbedingt in die USA. Dort haben die Menschen noch Träume und glauben vor allem daran sie zu erreichen. So habe ich insgesamt sieben Jahre lang im Ausland gelebt – unter anderem in New York, San Francisco, London und Amsterdam. Danach bin ich zurück nach Deutschland und habe angefangen, in einem Berliner Start-up zu arbeiten. Und dann konnte ich nicht mehr anders, als auch selbst zu gründen.

Was hat dich dabei angetrieben?

Ich habe aus dem eigenen Bedarf heraus gegründet. Ich selbst trage Größe 70F und hatte immer Schwierigkeiten einen BH zu finden. Ich hatte den Eindruck, dass ich mich zwischen einem unbequemen, aber sexy BH oder einem Oma-Teil entscheiden müsste. Das habe ich mit meinem LindaBra geändert. Er vereint Funktionalität, einen hohen Tragekomfort und Design in einem.

Welche Rückschläge gab es?

Am Anfang war es für mich sehr schwierig einen Dessous-Schneider zu finden, der den BH nach meinen Vorstellungen umsetzt – denn ich selbst kann nicht nähen. Als die ersten Entwürfe nichts wurden, habe ich mich schon gefragt: "War das vielleicht doch eine Schnapsidee? Wieso sollte ausgerechnet ich etwas schaffen, was die ganzen großen Marken nicht hinbekommen?" Ich habe ein Jahr alles in die Produktentwicklung gesteckt und selbst am Limit gelebt. Und als ich dann endlich den Prototypen in den Händen halten konnte, hat mir eine Produktionsstätte nach der anderen abgesagt. Der BH sei zu aufwändig zu nähen, hieß es. Aber ich habe nicht aufgegeben und sowohl die perfekte Schneiderin als auch die passende Produktionsfirma für mich gefunden. Vermutlich mussten die ganzen Absagen sein.

Inwieweit hat dir die Auslandserfahrung bei der Gründung weitergeholfen?

Sich mit 19 rauszutrauen und alleine in den USA durchzuschlagen hat mir schon viel an Charakterstärke, Selbstständigkeit und Mut gegeben. Das sind wichtige Eigenschaften, die mir beim Gründer-Dasein sehr weiterhelfen.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Dass ich jeden Tag die Freiheit habe, selbstbestimmt zu arbeiten. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und das ist für mich die pure Erfüllung.

Was fällt dir bei der Arbeit am Schwersten?

Loszulassen! Es gibt so viele Aufgaben, die ich nicht alle selbst erledigen kann. Diese abzugeben und mich dabei selbst rauszuhalten, fällt mir sehr schwer.

Hattest du jemanden, den du als deinen Mentor betrachten würdest?

Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, die selbst gegründet hat. Sie steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite.

Was war der beste berufliche Ratschlag, den du je bekommen hast?

Meine Mutter sagt immer: "Nicht ärgern, sondern ändern oder akzeptieren!" Und das habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Ich halte mich an negativen Dingen nicht auf und mache immer weiter.

Eine aktuelle Studie des Europäischen Start-up Monitors zeigt, dass nur knapp 15 Prozent aller Start-up-Gründer in Deutschland Frauen sind. Womit erklärst du dir das?

Ich glaube, dass Frauen mehr Hürden zu überwinden haben: Wenn ein Mann gründet, findet das Umfeld das meist toll. Als Frau wird man hingegen oft gefragt: "Möchtest du denn nie Kinder haben?" Selbst mein enges Umfeld hier in Deutschland hat mir diese Frage gestellt. In den USA habe ich das anders erlebt. Dort wird man als Frau deutlich weniger belächelt. Aber ich glaube, auch wir werden da noch hinkommen. Das ist etwas Evolutionäres – genauso wie das Wahlrecht oder eine gerechte Bezahlung von Mann und Frau in Unternehmen.

Was ist dein Tipp für Frauen, die sich ebenfalls selbstständig machen wollen?

Man muss zu 100 Prozent hinter der Idee stehen. Denn gerade am Anfang denkt man sieben Tage die Woche und rund um die Uhr an die Arbeit. Wenn man nicht von dem Produkt überzeugt ist, funktioniert das nicht.

Welches große Ziel möchtest Du noch erreichen?

Ich möchte erreichen, dass wir mit der Comfexy GmbH in fünf Jahren in ganz Europa als die Unterwäschemarke bekannt sind, die auf die Bedürfnisse der Frauen wirklich eingeht, comfy but sexy! Wir challengen den Status quo, melden Patente an und machen Dessous 4.0.!

Mehr Infos zu Comfexy und dem Produkte findest du auf der Webseite von LindaBra.

Linda Wonneberger pin

Linda Wonneberger hat das Unternehmen Comfexy GmbH gegründet und produziert bequeme und sexy BHs für Frauen mit großer Oberweite.