Cowboy College, Arizona"Männer sind nutzlos"

DIENSTAG, 07.07.2009

Seit 20 Jahren lassen sich Stadtpflanzen im Cowboy College sattelfest machen. Ausbilder Rocco Wachman erzählt, warum Frauen die besseren Cowboys sind.

Sechs Tage dauert die Ausbildung zum Cowboy. Sechs Tage Herausforderung pur - Rinder kastrieren inklusive. Bis zu acht Stunden täglich sitzen die Teilnehmer im Sattel, geschlafen wird zuerst in Stockbetten, dann im Freien. Luxus? Fehlanzeige. Und trotzdem kommen die Eleven aus der ganzen Welt angereist, um sich von Rocco Wachman schleifen zu lassen. Die Hälfte der Teilnehmer ist weiblich, die meisten Frauen sind im Alter zwischen 22 und 35 Jahren. Keine von ihnen verlässt das Cowboy College am staubigen Rand von Scottsdale, Arizona, so, wie sie gekommen ist…
fem.com traf Rocco Wachman (links im Bild) und Lori Bridwell, Mitgründerin des Cowboy College, zum exklusiven Interview.
Was ist der größte Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Schülern?
Lori: Männer hören nicht zu. Sie glauben, sie könnten schon alles! 90 Prozent der männlichen Teilnehmer kommen aus dem oberen Management. Sie sind überzeugt davon, mit ihren Strategien aus dem Arbeitsleben auch hier punkten zu können. Weit gefehlt...! Anders als deine Untergebenen kannst du ein 500 Kilo schweres Pferd nicht einfach so nach Lust und Laune in der Gegend herumkommandieren. Um mit Pferden klarzukommen braucht man Feingefühl. Der Clou ist, den einfachsten Weg zu gehen, und das bedeutet auch immer wieder eine gewisse Passivität walten zu lassen. Anders als Frauen haben sie außerdem meist kein Gefühl für ihre Beine und Hüften. Um richtig reiten zu können brauchst du ein gutes Körpergefühl, eine gewisse Geschmeidigkeit, viele Männer haben diesbezüglich gar keinen Draht zu sich.
Rocco: Frauen kommen, weil sie neugierig auf die Erfahrung selbst sind, Männer kommen, um anzugeben. Sie wollen beweisen, wie gut sie alles können - und scheitern aufs Übelste. Die Frauen sind bereit, hart zu arbeiten und zu lernen. Männer dagegen haben eine ziemlich flache Lernkurve. Frauen zweifeln viel stärker an sich - sie haben keine Ahnung von der Kraft, die in ihnen steckt. Männer sind einfach nur völlig nutzlos. Sie haben eine große Klappe und spielen sich gerne auf. Doch sie kommen nur dann weiter, wenn sie mal die Klappe halten und zuhören. Unter dem Strich haben die Kerle oft mehr Angst als die Frauen.
Wie verändern sich diese Ausgangspositionen während des Kurses?
Lori: Viele Frauen, die hier herkommen, haben wenig Selbstvertrauen, manche haben sich in einer Art Opferposition eingerichtet - innerhalb von nur einer Woche wendet sich dieses Bild um 180 Grad. Wir bekommen Dankesbriefe in denen stehen Dinge wie: "Durch euch habe ich den Mut gefunden, meinen Mann nach zwanzig Jahren zu verlassen. Mir ist klar geworden, im Vergleich zu dem, was ich hier in sechs Tagen während der Ausbildung geschafft habe, ist eine Trennung das reinste Kinderspiel. "Kurz gesagt: Männer lernen Demut, Frauen kommen in Kontakt mit der Power, die wirklich in ihnen steckt.
Rocco: Es ist schon bemerkenswert: Wann immer wir die Chance haben, an der Kastration der Rinder teilzunehmen, kneifen die meisten Männer - ganz im Gegensatz zu den Frauen (lacht). Bisher ist noch jede bereitwillig zur Tat geschritten…
Erzählt ein bisschen mehr über den psychologischen Aspekt der Ausbildung.
Rocco: Viele der Teilnehmer - nicht nur die weiblichen - haben hier die Kraft gefunden, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Wenn die Teilnehmer am Sonntag auftauchen, dann haben sie keinen Schimmer, dass die kommende Woche nicht  Kühe und Pferde im Mittelpunkt stehen - sondern sie selbst. Sie lernen sich selbst angesichts von Extremsituationen kennen. Das Rezept ist einfach: Mach etwas, das du nie zuvor getan hast, das du dir nicht zutraust, und das dich zu Tode ängstigt. Ich glaube daran, dass der Charakter sich umso besser formt, je mehr Herausforderungen man meistert. Ich sage gerne, für die Kursgebühr bekommen unsere Schüler den Gegenwert von einem Jahr Reitunterricht, und Psychotherapie im Wert von 20.000 Dollar. Nicht wenige setzen danach ihre Antidepressiva ab…
Der Kurs lehrt nicht nur den besseren Umgang mit sich und dem Pferd, sondern auch mit anderen Menschen…

Rocco: Die Teilnehmer wachsen so stark zusammen, wie es unter normalen Umständen nie passieren würde. Gemeinsam durchlittene Angst schweißt zusammen, auch wenn es sich auf den ersten Blick um ganz verschiedene Charaktere handelt. Wären sie sich auf einer Cocktailparty begegnet, hätten sie vermutlich kaum mehr als ein paar Sätze gewechselt. Im heutigen Alltag leben wir alle abgeschottet von unseren Mitmenschen vor uns hin. Wenn wir jemanden nicht gleich mögen, dann drehen wir ihm den Rücken zu. Die sechs Tage lehren uns, uns auf Menschen einzulassen, die uns vielleicht nicht auf den ersten Blick sympathisch sind. Und wir werden mit der Erkenntnis belohnt, dass die meisten Menschen Seiten haben, die es sich zu entdecken lohnt. Wenn nach sechs Tagen der Abschied gekommen ist, fließen die Tränen…
Weitere Informationen unter:
www.cowboycollege.com
www.roccowachman.com
fem.com-Redakteurin Melanie Vogel reiste mit freundlicher Unterstützung des Arizona Office of Tourism (www.ArizonaGuide.com).
Kostenlose Informationen zu Scottsdale und Arizona erhalten Sie unter:
Arizona Office of Tourism
c/o Kaus Media Services
Luisenstr. 4
30159 Hannover
arizona@kaus.net

Frauen sind die besseren Cowboys-warum, verrät Cowboy-Trainer Rocco Wachman im exklusiven fem.com-Interview

"Bei uns lernen Männer Bescheidenheit, und Frauen erfahren, welche Power wirklich in ihnen steckt", sagt Cowboy-Trainer Rocco Wachman vom Arizona Cowboy College.

 

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