Bitte recht freundlich: Warum es sich lohnt, nett zu seinbitte recht freundlich!

FREITAG, 24.11.2017

"Du bist nett" – von vielen Menschen wird dieser Satz nicht als Kompliment aufgefasst: Nett zu sein wird nicht mehr ausreichend wertgeschätzt. Warum sich die Welt dennoch mit Freundlichkeit erobern lässt, liest du hier.

Freundliche Menschen werden in unserer Gesellschaft schnell als Weicheier abgestempelt. Viele meinen, dass man nur mit einer strikten Ellenbogenmentalität Karriere machen kann oder dass zickige Frauen und Macho-Männer beim jeweils anderen Geschlecht besser ankommen. Zum Glück ist aber oft genau das Gegenteil der Fall. Lies hier, warum jeder nett sein kann und wieso das durchaus etwas bringt.

1. Reflektierte Freundlichkeit

Hast du dich schon einmal gefragt, warum die Leute manchmal so unfreundlich zu dir sind, und an anderen Tagen – wenn es dir sowieso schon gut geht – total nett? Meist liegt es an dir selbst: Begrüßt du etwa die Verkäuferin in einer Drogerie mit einem herzlichen "Guten Tag", so wird diese viel eher geneigt sein, dich gut zu beraten und dir vielleicht auch noch die eine oder andere Produktprobe mitzugeben.

Gute Laune und Nettigkeiten strahlen in vielen Situationen auf denjenigen zurück, der sie aussendet. Wenn das kein Grund ist, mit einem freundlichen Lächeln durch den Tag zu gehen! Übrigens: Auch in hartnäckigen Fällen lohnt es sich, mit Freundlichkeit am Ball zu bleiben. Es hat sich schon so mancher Drachen durch immerwährende Nettigkeiten zu einem positiveren Menschen "erziehen" lassen...

2. Stabilere Beziehung

Einer kanadischen Studie zufolge liegt die Scheidungsrate unter unaufdringlich netten Menschen nur etwa halb so hoch wie in der durchschnittlichen Bevölkerung. Bei genauerem Hinsehen erscheint das auch absolut plausibel: Freundliche Charaktere machen ihrem Partner mehr Komplimente, halten mit ihren schlechten Launen öfter hinterm Berg, nörgeln weniger am Anderen herum – kurz: pflegen ihre Beziehung so gut, wie es geht. Zickenterror und Machotum sind viel weniger angesagt, als alle glauben.

3. Gnädigere Polizisten

Wem, meinst du, lässt ein Polizist eher eine kleine Verkehrssünde durchgehen: der netten Dame, die sich höflich und mit einem bescheidenen Lächeln für das Radeln in der Fußgängerzone entschuldigt oder der genervten Furie, die sofort anfängt, über die Polizei und "schwachsinnige" Verkehrsregeln zu schimpfen? Dreimal darfst du raten...

4. Mehr Geld

Laut einer US-amerikanischen Erhebung besteht in Unternehmen ein direkter Zusammenhang zwischen dem Umsatz und der allgemeinen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. Bereits ein zwei Prozent besseres Arbeitsklima korreliert demnach mit einer Umsatzerhöhung von einem Prozent. Zu nett, um dafür auch ab und an mal eine Gehaltserhöhung zu verlangen, sollte man übrigens nicht sein – auch eine Forderung lässt sich freundlich verpacken!

5. Gesünder leben

Freundlichsein schont die Nerven und macht – solange es nicht erzwungen ist – weniger anfällig für Herzerkrankungen und Magenprobleme. Außerdem haben nette Menschen oft mehr und tiefgängigere soziale Kontakte, und die halten bekanntlich gesund und machen glücklich. Wissenschaftler der University of Michigan fanden außerdem heraus, dass selbstsüchtige ältere Menschen ein um 60 Prozent höheres Risiko haben, vor Ablauf der durchschnittlichen Lebenserwartung zu sterben, als Gleichaltrige, die von Freunden und Nachbarn als freundlich und hilfsbereit eingeschätzt wurden oder einem Ehrenamt nachgingen.

Du fragst dich: Wie kann ich nett sein? Ganz einfach! Die Zauberformel lautet: üben, üben, üben – und irgendwann klappt das Freundlichsein von ganz alleine.

6. Seltener vor Gericht

Eine ernstgemeinte Entschuldigung beim Nachbarn, weil du aus Versehen einen Ast von seinem Kirschbaum abgeknickt hast, ein freundliches Gespräch mit dem Unfallgegner: Viel Ärger kann sich in Luft auflösen, wenn du nett bist. Kein Wunder also, dass sich freundliche Mitmenschen seltener vor Gericht einfinden müssen. Das gilt übrigens auch für Ärzte: Laut einer Studie unterhalten sich Mediziner, die noch nie verklagt wurden, im Schnitt drei Minuten länger mit jedem Patienten, als Kollegen, die schon des Öfteren wegen vermeintlicher Kunstfehler vor Gericht erscheinen mussten…

7. Besser schlafen

Freundliche Menschen ärgern sich seltener und haben weniger Anlässe, über verkorkste Alltagssituationen nachzugrübeln. Außerdem können sie sich bei Problemen eines stabilen sozialen Netzes sicher sein, das sie auffängt. Positiver Effekt: Nette Personen haben einen besseren und tieferen Schlaf, der sie wiederum ausgeglichen und freundlich zu ihren Mitmenschen sein lässt. Klingt doch gut, oder?

Frau mit Smiley vor dem Gesicht

Mit einem Lachen aufzustehen und am Tag nett zu sein, wird sich auszahlen!

Unsere Meinung

Auch wir mögen es, wenn Menschen nett zu uns sind. Freundliche Begegnungen erleichtern unseren Alltag, zaubern ein Lächeln auf die Lippen und geben und Energie, mit der wir Positives umsetzen können. Und ganz ehrlich: So ein bisschen Liebsein hat garantiert noch niemandem geschadet – vorausgesetzt, es wird keine gute Miene zum bösen Spiel gemacht, denn dann kann es durchaus schaden, nett zu sein. Sei ehrlich zu dir und behandle deine Mitmenschen gut – dann werden sie in schlechteren Zeiten auch immer ein offenes Ohr für dich haben.

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