Trauerreisen: Interview mit Fritz Roth

"Reisen ins Leben"

Nach dem Tod eines lieben Menschen ist der Weg zurück ins Leben oft steinig. Spezielle Reisen für Trauernde sollen dabei helfen, neue Kraft zu schöpfen. fem.com hat mit einem Veranstalter gesprochen.

Fritz Roth ist Bestatter und Inhaber der "Privaten Trauer Akademie" in Bergisch Gladbach. Ab September 2010 veranstaltet er in Kooperation mit dem Reiseveranstalter TUI spezielle Reisen für Trauernde.

fem.com wollte wissen, was dahinter steckt und hat den 61-Jährigen zum Interview getroffen.

Herr Roth, was unterscheidet eine "Trauerreise" von einer normalen Gruppenreise?

Die von uns angebotenen Reisen sind keine "Trauerreisen", sondern ganz bewusst "Reisen ins Leben". Sie sind konkret für Personen zusammengestellt, die einen nahestehenden Menschen verloren haben und unterscheiden sich insofern von einem normalen Gruppenurlaub, als dass den Reisenden viel Raum für ihre Verluste gegeben wird. Wenn ein Trauernder mit einer normalen Gruppe reist, kann es zu schwierigen Situationen kommen. Zum Beispiel, wenn irgendwo ein Lied spielt, das Erinnerungen an den Verstorbenen wach werden lässt. Wenn dann Tränen kullern und so etwas öfter vorkommt, kann es Unverständnis auf Seiten der Mitreisenden geben. Mit unseren "Reisen ins Leben" möchten wir Trauernden unter Gleichgesinnten eine Chance geben, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen und das Leben neu zu entdecken.

Wohin führen Ihre Reisen?

Wir haben momentan sechs verschiedene Reisen im Angebot. Sie führen in den Süden, nach Portugal, Spanien und Griechenland. Für Menschen, die ungern fliegen, haben wir aber auch eine Reise an die Mecklenburger Seenplatte im Angebot. Alle Unterkünfte sind Premiumhäuser unseres Kooperationspartners TUI und werden von Privatleuten geführt. Ein überschaubares Ambiente ist uns wichtig. Und es liegt ja auch nicht jedem Hotelier, eine Gruppe trauernder Menschen zu beherbergen.

Wodurch helfen die "Reisen ins Leben" Trauernden noch, wieder ins "normale" Leben zurückzufinden?

Das Reiseprogramm ist genau darauf abgestimmt. Der Tag ist in einen Dreiklang geteilt: Der Morgen ist dem Verlustgedanken gewimet. Man kann sich einen schönen Ort aussuchen, an dem man sich selbst klar darüber wird, wo man steht und was schon wieder möglich ist. Den Trauernden steht immer ein schön gestalteter Aufenthaltsraum zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen können. Am Nachmittag wagen sie sich dann hinein ins Leben, gehen vielleicht auf einen schönen Markt, an den Strand, in ein Museum oder einkaufen. Und der Abend ist der Lebenslust gewidmet: Man findet zum Beispiel Freude an einem schönen Essen, trinkt ein Glas Wein mit den anderen, hört Musik, tanzt... Dieser Dreiklang aus Lebenssinn, Lebenskultur und Lebenslust wird von Mitarbeitern meines Hauses, der "Privaten Trauer Akademie", begleitet. Die TUI stellt die Infrastruktur zur Verfügung und behebt organisatorische Probleme.

Das heißt, der Urlaub ist ziemlich durchgeplant...

Ja, es gibt ein Programm vom ersten bis zum letzten Tag. Die Reisenden werden individuell begleitet und können an zahlreichen Angeboten teilnehmen. Der vorletzte Tag steht aber zur freien Verfügung, damit man auch einmal alleine losziehen und das neue Leben entdecken kann. Am letzten Tag der Trauerreisen gibt es dann ein Abschiedsfest und Zeit zur Reflektion.

Sie bieten diese Reisen nun zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit TUI an...

Ja, TUI ist im vergangenen Jahr an uns herangetreten und hat eine Kooperation vorgeschlagen. Meine Trauerakademie bietet schon jahrelang solche Reisen an, das Vertriebsnetz hat sich jetzt aber stark verbessert. Angst vor einer zu starken Kommerzialisierung muss man nicht haben - für die TUI ist das eine Nische in der Nische in der Nische. Ich finde es toll, dass so ein Konzern dazu beiträgt, den Themen Sterben, Tod und Trauer mehr Raum in der Gesellschaft zu geben. Bei Ereignissen wie dem Selbstmord von Robert Enke oder der tödlichen Massenpanik auf der Love Parade in Duisburg sieht man ja, dass das nötig ist.

Für wen sind Ihre Reisen geeignet?

Mit unseren Reisen versuchen wir, Trauernden Mut zu machen und ihnen dabei zu helfen, dem Leben wieder Vertrauen zu schenken. Sie sind gedacht für Menschen, bei denen der Verlust nicht mehr ganz aktuell ist, sondern schon mindestens sechs Monate zurückliegt. Die Teilnehmer sollten schon wieder ein bisschen zu sich gefunden haben, in ihren Beruf zurückgekehrt sein und vor allem den ausdrücklichen Wunsch haben, wieder am Leben teilnehmen zu wollen. Ist jemand noch in therapeutischer Behandlung, ist es unserer Meinung nach oft zu früh für solch eine Reise.

Sind die angebotenen Reisen auch für mehrere trauernde Angehörige zusammen buchbar?

Theoretisch schon, praktisch würden wir davon abraten, denn unsere Reisen sind eine gute Gelegenheit, auch mal nur an sich selbst zu denken.

Mit wie vielen Buchungen rechnen Sie ungefähr?

Wenn sich für dieses Jahr 200 Menschen anmelden, wäre das ein großer Erfolg.

Mehr Infos:
www.reiseinsleben.de
www.puetz-roth.de

Annika Mengersen, 04.08.10 - 14:25

 


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Tags:
Reise, Tod, Urlaub, Interview

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Zurück ins Leben finden: Der Bestatter und Trauerbegleiter Fritz Roth organisiert Reisen für Trauernde. Die meisten führen ans Meer.
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