Potenzsteigerung & Co.

Blaues Wunder: Was Viagra alles kann

Vor zehn Jahren, am 15. September 1998, wurde Viagra in der EU zugelassen. Zehn skurrile Fakten rund um das Potenzmittel.

1. Zufallsprodukt: Wussten Sie, dass das Medikament mit dem Wirkstoff Sildenafil eigentlich das Herz therapieren sollte? Nur wirkte es im klinischen Testlauf nicht über, sondern unter der Gürtellinie. Die männlichen Versuchspersonen wollten das Wundermittel gar nicht mehr zurückgeben, so angenehm waren sie von seinem unvorhergesehenen Effekt überrascht. Die Pharmafirma Pfizer wurde hellhörig - nach knapp einem halben Jahr wurde Viagra gegen Potenzstörungen bei der US-amerikanischen Zulassungsbehörde für Medikamente zugelassen. Danach dauerte es weitere sechs Monate, bis das Mittel auch in Europa erlaubt wurde. 2002 und 2003 bekam Pfizers Viagra Konkurrenz von zwei ähnlichen Präparaten: Cialis (Lilly Pharma, Wirkstoff Tadalafil) und Levitra (Bayer, Wirkstoff Vardenafil).

2. Anti-Jetlag: Das blaue Wundermittel soll auch gegen Jetlag helfen. Forscher an der Universität Buenos Aires verfütterten Viagra an Hamster. Anschließend simulierten sie durch Beleuchtung einen "Jetlag", indem sie die Ruhephase der Nager um sechs Stunden verkürzten. Ergebnis: Die Hamster verhielten sich, als seien sie wunderbar ausgeruht. Sildenafil bewirkt also offenbar den Abbau einer Substanz im Gehirn, die an der Steuerung der inneren Uhr beteiligt ist.

3. Blumen-Wunder: Steht eine Pflanze länger aufrecht, wenn sie Viagra bekommt? Was wie ein Witz klingt, wurde an der israelischen Bar-Ilan-Universität tatsächlich getestet. Bahnbrechendes Ergebnis: Schon ein halbes Milligramm Sildenafil (ein Hundertstel einer Tabletten-Dosis) in der Vase verhilft Blumen eine Woche länger zu strammen Stängeln...

4. Gedächtnis-Pusher: Einige Studien legen den Schluss nahe, dass Viagra gegen Alzheimer und Gedächtnisstörungen helfen könnte. So vertreten Wissenschaftler der Auburn University in Alabama die These, dass das Mittel nicht nur den Blutfluss zwischen den Beinen, sondern auch im Gehirn erhöht. Vielleicht wird Viagra ja bald in Altersheimen ausgegeben?

5. Tödliches Risiko: "Wie merkt man dass ein Mann an Viagra gestorben ist? Der Sargdeckel geht nicht mehr zu." Makabere Witze wie diesen gibt es mittlerweile genug. Nicht ganz ohne Grund: Bald nach der Einführung von Viagra kam das Mittel in Verruf, weil einige Männer nach seiner Einnahme starben. Mittlerweile steht fest: Viagra kann die blutdrucksenkende Wirkung mancher Medikamenten so verstärken, dass das Gehirn nicht mehr genug durchblutet wird. Eine lebensbedrohliche Ohnmacht kann die Folge sein. Manchmal wird auch das Herz mit zu wenig Blut versorgt, weil der Blutdruck des Patienten stark abfällt. Bei Patienten, die wegen Bluthochdruck mehrere Medikamente einnehmen müssen, kann Viagra zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Und: Die blaue Pille ist nicht geeignet für Männer, für die bereits normaler Sex zu anstrengend wäre.

6. Lust für die Frau: Die moderne Gynäkologie setzt Viagra immer häufiger auch bei Frauen mit Orgasmusproblemen ein. Forscher fanden nämlich heraus, dass beim weiblichen Geschlecht häufig die gleichen Faktoren (Diabetes, Bluthochdruck, schlechte Cholesterinwerte, Arteriosklerose) zu Sex-Problemen führen wie bei Männern. Ist also eine mangelnde Durchblutung der Grund, dass Frau nicht kann oder nicht will, kann das Potenzmittel durchaus etwas bringen.

7. Schwanger werden: Schon vor Jahren entdeckte der Arzt Geoffrey Sher aus Las Vegas bei einem Experiment mit Mäusen, dass Viagra dabei helfen kann, die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen. Eine solide Schleimhaut ist wichtig, damit sich eine befruchtet Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Insgesamt gab Sher vier als "unfruchtbar" diagnostizierten Frauen Viagra - drei wurden schwanger. Bei werdenden Müttern, die eine verengte Gebärmutter haben, soll Viagra dank seiner durchblutungsfördernden Wirkung einer Frühgeburt vorbeugen können. Eine größere Studie zu diesem Thema gibt es bislang aber nicht.

8. Sehstörungen: Überdosen des Präparats können angeblich sehr unangenehme Sehstörungen verursachen. Im Frühjahr machte eine Zeitungsmeldung über den 58-jährigen Briten John Pettigrew die Runde, der zu viel Viagra genommen hatte und nun nach eigenen Angaben alles in Blautönen sieht. "Ich hatte einfach zu viel Spaß", so der Klempner, "aber wie gerne würde ich auf allen Sex der Welt verzichten, wenn ich dafür wieder einen roten Briefkasten erkennen würde."

9. Zerrüttete Ehen: Niemand weiß genau, wie viele Ehen Viagra gerettet hat. Wie viele Beziehungen die blaue Pille auf dem Gewissen hat, ist allerdings genauso unklar: Laut einer neuseeländischen Studie leiden immer mehr ältere Frauen darunter, dass ihre Männer durch Viagra extrem viel Sex haben möchten. Fremdgehen wegen Viagra? US-amerikanische Eheberater wollen in dem Medikament gar den Grund für immer mehr Scheidungen entdeckt haben: Die Männer fühlten sich durch die erkaufte Potenz verstärkt zu jüngeren Frauen hingezogen, so die These.

10. Spam-Pille: Mehr als 35 Millionen Menschen weltweit haben schon legal Viagra genommen - über eine Millionen alleine in Deutschland. Allerdings macht mit dem Potenzmittel nicht nur die Pharmaindustrie viel Geld. Dubiose Internet-Shops, die in Spam-Mails Viagra-Plagiate bewerben, lachen sich ebenfalls ins Fäustchen: Kein Tag vergeht, in dem nicht die Mailpostfächer verstopft sind von Nachrichten mit Betreffzeilen à la  "Erection strengthening made easy" - und verzweifelte Männer auf "kaufen" klicken.

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15.09.08 - 16:25

 


Tags:
Sex, Liebe ART, Orgasmus, Medizin, Gesundheit, Männer

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War da Viagra am Werk? - Foto: iStockphoto

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