Männer und Kinderbetreuung

Mutige Väter braucht das Land!

Auf deutschen Spielplätzen sind immer mehr Papas unterwegs. Grund dafür ist das Elterngeld, das Anfang 2007 eingeführt wurde. Aber wie weit gehen Männer in punkto Kinderbetreuung wirklich?

103.000 deutsche Männer haben bisher Elterngeld beantragt. Die Regelung sieht vor, dass die Zahlung der Förderung von zwölf auf 14 Monate verlängert wird, wenn auch der Kindsvater mindestens zwei Monate das Kind betreut. Derjenige, der komplett zu Hause bleibt, bekommt vom Staat in dieser Zeit 67 Prozent seines Nettoeinkommens.

14 Prozent beantragen "Vaterzeit"

Insgesamt liegt der Anteil der Männer, die Elternzeit nehmen, laut "Elterngeldbericht 2008" bei knappen 14 Prozent. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch weniger als fünf Prozent. Die Nachricht ist also auf den ersten Blick richtig positiv: Es geht bergauf mit der Gleichberechtigung in Deutschland - auch, wenn es dafür finanzieller Lockmittel bedarf!

Männer bleiben nur kurz zuhause

Analysiert man die Datenberge allerdings etwas genauer, so relativiert sich das Bild: Weit über die Hälfte der engagierten Väter beantragen das Elterngeld nur für ein bis zwei Monate (67%), lediglich 13 Prozent widmen sich ein ganzes Jahr lang Baby statt Job. Bei den Müttern ist es umgekehrt: 89 Prozent von ihnen beanspruchen Elterngeld für mindestens zwölf Monate, ein Prozent bleiben nur ein bis zwei Monate zuhause beim Nachwuchs.

Teilzeit-Daddys

Zusätzlich ernüchternd: Mehr als ein Fünftel der Väter arbeiten während ihres Elterngeldbezugs in Teilzeit weiter. Das ist möglich, bedeutet aber weniger Geld vom Staat. Bei den Frauen wagen weniger als vier Prozent die stundenweise Weiterbeschäftigung während der Elterngeld-Monate.

Gute Vorsätze

All das bedeutet aber nicht, dass Väter keine Lust auf Kinderbetreuung haben. Männer sind heute nämlich grundsätzlich sehr familienorientiert: Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung geben 44 Prozent aller noch kinderlosen Männer zwischen 15 und 42 Jahren an, ihre eigene Karriere zugunsten des Nachwuchses zurückstellen zu wollen.

Schwieriger als gedacht

Doch ist erstmal ein Baby unterwegs, scheint die Umsetzung dieses Vorsatzes schwierig zu sein. 38 Prozent aller Väter meinen, es im Berufsleben aufgrund ihrer Familienverpflichtungen schwerer zu haben als kinderlose Kollegen. Je höher der Bildungsabschluss und das berufliche Engagement, desto größer die Sorgen um die Karriere.

Viele ignorante Unternehmen

Und die Realität gibt den Pessimisten leider öfter recht, als das gut wäre. Es soll Fälle geben, in denen Männern die Bitte um Elternzeit mit einer Kündigung beantwortet wurde. Viele deutsche Unternehmen sind einfach noch nicht bereit für die neuen Väter - eine Umfrage der "Deutschen Gesellschaft für Personalführung" unter 142 Personalmanagern ergab, dass 35 Prozent der Unternehmen bislang keinerlei familienfreundliche Konzepte bezüglich der neu geregelten Elternzeit angedacht haben.

Nur mutig sein hilft

Verständlich also, dass sich viele Männer nicht trauen, überhaupt Elternzeit zu beantragen - und selbst die Mutigen fragen offenbar selten nach mehr als zwei Monaten.

Glücklicher gleichberechtigt

Da hilft nur eins, werdende Papas: Geht geschlossen und selbstbewusst voran - denn nur, wenn auch die konservativen Branchen unter Modernisierungsdruck geraten, ändert sich wirklich etwas. Für eure Tapferkeit werdet ihr auch mit einer glücklicheren Partnerschaft belohnt: Eine Studie der "London School of Economics" fand heraus, dass sich Elternpaare, die sich die Kinderbetreuung gerecht aufteilen, seltener trennen.

Mehr Infos: www.vaeter-und-karriere.de

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20.11.08 - 17:32

 


Tags:
Baby, Familie, Kinderbetreuung, Karriere, Väter, Studie

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Gleichberechtigung ist, wenn der Vater genauso lange zuhause beim Kind bleibt, wie die Mutter - Foto: iStockphoto

Gleichberechtigung ist, wenn der Vater genauso lange zuhause beim Kind bleibt, wie die Mutter - Foto: iStockphoto

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