Coitus interruptus als Verhütung?

"Mit Coitus interruptus verhütet man sicher"

Paare, die keine Lust auf Kondome haben, praktizieren häufig den Coitus interruptus. Aber eignet der sich wirklich zur Schwangerschaftsverhütung?

Immer wieder wird darüber debattiert, ob der Coitus interruptus ("unterbrochener Geschlechtsverkehr") überhaupt als Verhütungsmethode bezeichnet werden kann. Das sagt eigentlich schon alles: Auch wenn der Mann seinen Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide zieht, gibt es eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Frau schwanger wird.

Der Lusttropfen reicht schon

Bereits vor dem männlichen Orgasmus treten nämlich so genannte Lusttropfen aus dem Penis aus, die Samenzellen enthalten. Der Pearl-Index des Coitus interruptus liegt - je nach Studie - zwischen vier und 30, ist also schwer definierbar. Heißt: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang ausschließlich mit dieser Methode verhüten, werden bis zu 30 schwanger. Der Pearl-Index ganz ohne Verhütung liegt etwa zwischen 60 und 85.

Verhütungsmethode mit langer Tradition

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Coitus interruptus die mit Abstand am weitesten verbreitete Verhütungsmethode - aus dem einfachen Grund, dass es kaum brauchbare Alternativen gab.

Schon in der Bibel wird der Coitus interruptus angedeutet: Im ersten Buch Mose lässt Onan seine Samen "auf die Erde fallen", weil er die Frau seines toten Bruders nicht schwängern möchte. Damals musste ein Mann, dessen kinderloser Bruder gestorben war, die Witwe heiraten und mit ihr Nachkommen zeugen. Das wollte Onan aber nicht - und musste sterben, weil er ungehorsam war. Für streng gläubige Katholiken ist der Coitus interruptus noch immer verpönt.

Mann braucht Körperbeherrschung

Onans Probleme dürfte niemand mehr haben, aber auch für den Mann von heute ist der Coitus interruptus keine allzu große Freude: Den Penis kurz vor dem Orgasmus aus der Scheide zu ziehen setzt eine gute Körperwahrnehmung und sehr viel Disziplin voraus - beides ist im Eifer des Gefechts nicht immer vorhanden, was die Methode zusätzlich unsicher macht.

Kann man sich sich tatsächlich "beherrschen" und will das Paar nach der Unterbrechung den Sex fortsetzen, sollte dies erst geschehen, nachdem der Mann Penis und Hände gründlich gewaschen und uriniert hat. Auch die Frau sollte sich von jeglicher Samenflüssigkeit befreien, bevor es weitergeht. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis B oder HIV schützt die Methode selbstverständlich nicht.

Halbherzige "Verhütungsmethode"

Fazit: Wer in einer festen Beziehung lebt und nichts gegen ein Baby hätte, kann das Glück mit einer fadenscheinigen Verhütungsmethode wie dem Coitus interruptus heraufbeschwören. Käme ein Kind hingegen einer mittleren Katastrophe gleich, so sollte man unbedingt auf zuverlässigere Kontrazeptiva zurückgreifen.

Sigmund Freud war übrigens der Ansicht, dass der Coitus interruptus bei Männern und Frauen zu Angstneurosen führen kann. Und auch wenn der Psychoanalytiker dafür als Grund die Verhinderung der vollen sexuellen Entfaltung nannte und dies bis heute nicht belegt ist: Ängste vor einer ungewollten Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten düften bei alleiniger Anwendung des Coitus interruptus häufig auftauchen... (ame)

>> Mehr Informationen zum Thema Verhütung finden Sie unter www.femaleaffairs.de

Außerdem erschienen in der Serie "Mythos Verhütung":
>> "Während der Tage wird man nicht schwanger"
>> "Stillen wirkt wie ein Verhütungsmittel"
>> "Coca Cola verhindert eine Schwangerschaft"
>> "Nach der Pille wird man nicht gleich schwanger"
>> "Die Pille macht dick"
>> "Ein Verhütungscomputer kann die Pille ersetzen"
>> "Hormone sind Lustkiller"

27.02.12 - 08:34

 


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Tags:
Verhütung, Sex, Serie: Mythos Verhütung, Orgasmus, schwanger werden, female affairs, HIV, Aids

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Der unterbrochene Geschlechtsverkehr (Coitus interruptus) verlangt dem Mann viel Körperbeherrschung ab.

Der unterbrochene Geschlechtsverkehr (Coitus interruptus) verlangt dem Mann viel Körperbeherrschung ab.Foto: Das Wunder der Liebe II/ddp Images

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