Just do it?
365 Nights Sex
Was tun, wenn das Sexleben in einer langjährigen Beziehung eingeschlafen ist? Neue Ideen zur Wiederbelebung kommen jetzt in Buchform.
Das Problem ist bekannt: Nach einer gewissen Zeit stellt sich in Partnerschaften oft die viel beschriebene "Bettroutine" ein. Sicherlich auch, weil die Medien ein ganz anderes Bild von einer intakten Beziehung zeichnen (nämlich: gesunde Beziehung = gesundes Sexualleben), fängt man an, sich Sorgen zu machen wenn die Sex-Frequenz sinkt. Unterschwellig macht sich meist die Angst breit, das könnte der Anfang vom Ende der Beziehung sein. Oder der Beginn eines Lebens ohne Sex.
Wie brennend das Thema zu sein scheint, zeigen zwei Neuerscheinungen auf dem US-Buchmarkt. Die beiden Bücher, die Ende Juni erschienen sind, wurden von der Öffentlichkeit mit einer solchen Höchstspannung erwartet, dass sie im Vorfeld schon die Bestseller-Listen stürmten. Was sich die Amerikaner erhoffen, ist das Geheimrezept für guten Sex in einer langjährigen Partnerschaft. Ein Mann und eine Frau erzählen jeweils von ihrem Sexperiment: Kein Tag ohne Sex!
"356 Nights": Charla Muller (41) macht ihrem Mann zum 40. Geburtstag ein besonderes Geschenk: Jeden Tag Sex und das ein ganzes Jahr lang. Nach drei Monaten wird die PR-Referentin von einer befreundeten Kollegin überredet, ihr Experiment zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Ungewöhnlich, denn die Mullers gelten als bibeltreu und eher konservativ. Ihr Geheimrezept kommt deshalb auch etwas bieder und weniger überraschend daher: Mit viel Zuneigung, Verständnis, Sich-gegenseitig-Zeit-geben usw. seien Beziehungsprobleme zu meistern. Und im schlimmsten Fall muss das altbewährte Rollenspiel herhalten: Carla folgt ihrem Mann auf Geschäftsreise… Hat wohl alles nichts geholfen: Nach 26 bis 28 Mal Sex pro Monat - und das zehn Monate hintereinander - war dann doch die Luft raus. Und so schreibt die Autorin entnervt von ihrer "dämlichen Idee" und jammert über das "Kreuz", das sie zu tragen habe.
In "Just do it" berichtet Reporter Douglas Brown von einem ähnlichen Experiment: 101 Nächte hintereinander Sex mit seiner Frau. Hier geht es schon mehr zur Sache. Anschaulich und detailliert wird von Sex an unterschiedlichsten Orten, Sex mit Viagra, Sex mit Verkleidung und Spielzeugen berichtet - letztlich hatte Brown wohl aber große Probleme, gegen seine Müdigkeit anzukämpfen.
Das Resümee der beiden Bücher deckt sich zwar mit der neuesten Durex-Studie, die ergeben hat, dass mit der Häufigkeit auch die sexuelle Zufriedenheit steigt. Aber kann das die Lösung sein? Täglich Sex und das über mehrere Monate - klingt für mich nach absolutem Terror. Wenn bis dahin noch ein letzter Rest an gegenseitiger Anziehung existiert hat, dann wird er mit dieser Methode meines Erachtens zuverlässig ausgelöscht. Dann vielleicht doch lieber der Versuch, etwas Distanz zu schaffen, sich wieder etwas aus der Verschmelzungsfalle zu lösen - beispielsweise mit getrennten Schlafzimmern.
Der homöopathische Ansatz - Routine mit Routine bekämpfen - kann hier nicht funktionieren, wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass sexuelle Anziehung auch eine Anziehung des Fremden, Anderen ist. Vielleicht ist die Lage in den USA anders? Die Durex-Studie ergab nämlich auch, dass die Amerikaner in punkto Häufigkeit an viertletzter Stelle von insgesamt 26 Ländern stehen. Nur 36 Prozent der Amerikaner sind mit der Häufigkeit ihres Sex zufrieden. Zum Vergleich: Deutschland steht auf Platz 14 bei der Frequenz und auf Platz 16 bei der erwünschten Häufigkeit.
Mehr Infos: www.charlamuller.com
Tags:
Partnerschaft, Bücher, Sex, Erotik, BeziehungKommentare

Flaute im Bett: Was tun? - Foto: iStockphoto














