Sex in China: Hintergrundgeschichte

Sex made in China

China ist im Umbruch, nicht nur, was die Gesellschaftordnung anbelangt. Auch in den chinesischen Schlafzimmern ist einiges im Wandel.

Zu Beginn der Olympischen Spiele haben wir von fem.com uns gefragt: Wie machen es eigentlich die Chinesen? Was läuft ab in den Schlafzimmern der 1,3 Milliarden Volksgenossen? Prüderie oder tabuloser Sex? Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise!

Zu Zeiten des imperialistischen Chinas war Sex durchaus ein Thema - allerdings nur für die Oberschicht. Antike Beischlafstühle, naturgetreu nachgebildete Sexualwerkzeuge und unzählige "Kopfkissenbücher" mit eindeutigen Illustrationen, wie auch pittoreske Porzellanfiguren kopulierender Paare zeugen von einer geradezu zügellosen Sexualität der Mandarine, den hohen Beamten im Kaiserreich, der Millitärs und der kaiserlichen Hoheiten. Bekannt sind auch bis heute noch Sexpraktiken, deren lyrische Umschreibungen nicht viel von dem akrobatischen Geschick verrieten, derer man hierfür bedurfte.

Der Appetit der Aristokraten auf fleischliche Gelüste war zu jener Zeit auch leicht zu stillen: Neben den obligatorischen Zweitfrauen, hatte man auch noch einige Kurtisanen an der Hand. Auch die Prostitution florierte im China der Kaiserzeit. "Blumenmädchen" hießen die käuflichen Damen - Profiteure waren zumeist die Väter, die ihre eigenen Töchter an Bordelle verkauften.

So waren Frauen im feudalistischen China in erster Linie dazu da, dem Manne Lust zu schenken. Die Frauen selber hatten nichts zu melden. Denn die konfuzianische Moral unterwarf die Frau dem Manne. Vor der Ehe war es  der Vater, in der Ehe der Mann und nach dessen Tod der eigene, älteste Sohn, dem die Frau Untertan war. Tradition war es bekanntlich auch, die Füße der kleinen Chinesinnen so zu bandagieren, bis sie teilweise abstarben und verkrüppelten. Der daraus resultierende Trippel-Gang galt als Schönheitsideal, wirkte erotisierend auf die Männer und man versprach sich davon eine Stärkung der Vaginalmuskulatur.

Mit der bürgerlichen Revolution 1911 wurde den Frauen etwas versprochen, was sie mit der kommunistischen Revolution 1949 dann auch wirklich bekamen: "Die Hälfte des Himmels" versprach Mao Tse-tung den weiblichen Volksgenossen und meinte damit ihre Gleichberechtigung. Doch anstelle der sexuellen Befreiung für jedermann, verordneten die Polit-Kommissare sozialistische Prüderie. Die Umtriebigkeiten im Kaiserreich China galten nun als Beweis für die feudalistischen Unsitten. Sex wurde zum Tabu, Prostitution illegal, Lust wurde Laster und der Akt an sich nur ein Mittel zur Bereitstellung von Nachwuchs - getreu dem Motto: Je mehr Chinesen umso besser.
Nur der große Vorsitzende selbst genoss weiterhin die zügellose Lust. Auf Inspektionsreisen durch die einzelnen Provinzen trieb er es mit Bauernmädchen und Tänzerinnen - manchmal auch mit mehreren gleichzeitig. Dabei verkniff er sich des Öfteren die Ejakulation: Mao war Anhänger der taoistischen Sexpraktiken, die ein längeres Leben versprachen.

In den 70er Jahren wurde der Parteiführung bewusst, dass das ungezügelte Bevölkerungswachstum ein Problem für den Fortschritt des Landes bedeutet. Die Ein-Kind-Familie wurde verordnet und das Intimleben der Genossen kam unter staatliche Kontrolle. Auf einmal gab es Sexualaufklärung –allerdings nicht, wie man sich das im Westen vorstellen würde. Der erste Grundsatz war Enthaltsamkeit, Babys kamen jetzt nurmehr nach Plan, ehrenamtliche Mitarbeiter verteilten Verhütungsmittel, Broschüren und Fachbücher zum Thema.

Erst nach Maos Tod, unter der Führung von Deng Xiaopings, dessen Ziel die Modernisierung und Öffnung Chinas war, durften die Chinesen die sexuellen Freuden für sich wiederentdecken. Nach und nach wurden die staatlichen Reglementierungen gelockert. Mittlerweile gibt es sogar staatliche Sexshops, ein Staatssender berät Hörer bei Problemen in der Partnerschaft, Parteiblätter haben Ratgeberkolumnen. Das Angebot im erotischen Bereich lässt zumindest in den Großstädten keine Wünsche offen.

Dennoch fällt es den meisten Chinesen bis heute nicht leicht, freimütig und offen mit ihrer Sexualität umzugehen. Äußerlich wird die rigide Sex-Moral aufrechterhalten.  Zu verwurzelt ist die Prüderie in den Köpfen der Menschen; wird auf der einen Seite ein Schritt in Richtung sexuelle Befreiung getan, geht man auf der anderen Seite zwei Schritte zurück:

So wurden 40.000 Exemplare des als extrem skandalös empfundenen Romans "Shanghai Baby" von Wie Hui Den öffentlich verbrannt und ist bis heute verboten. Das Buch, das vom freizügigen Sexleben einer Frau aus Shanghai erzählt,  wurde übrigens 2006 verfilmt und zwar mit der Erotik-Ikone Bai Ling in der Hauptrolle.

Außerdem wurde der Studentin Mu Zimen untersagt, ihren Blog weiter zu führen - darin schrieb sie nämlich offenherzig über ihr Intimleben -  und sie wurde kurzerhand zur Staatsfeindin erklärt. Bai Ling wiederum durfte bereits 1992 für zwei Jahre ihre chinesische Heimat nicht betreten, da sie an der Seite Richard Geres in dem Film "Red Corner" mitgespielt hatte, der eine Kritik am chinesischen Regime beinhaltet.

In Sachen befreite Sexualität ruhen nun alle Hoffnungen auf der jungen Generation: Die pflegt nämlich einen recht hedonistischen Lebensstil und will sich dementsprechend auch nicht den Spaß am Sex verderben lassen. Laut den neuesten Durex-Sexstudien haben die Chinesen trotzdem immer noch Orgasmusprobleme: Nur dreißig Prozent der Männer und dreizehn der Frauen kommen regelmäßig zum Höhepunkt und sind somit auf dem vorletzten Platz. Das gleiche Ergebnis erzielen sie, wenn es um die Frage geht, ob sie sooft Sex haben, wie sie sich das auch wünschen - dies beantworten nur 30 Prozent mit ja. Immerhin haben die Chinesen im Schnitt 4,3 Sexpraktiken auf Lager - gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass der Tabellenerste Griechenland dem sechs Sexpraktiken entgegenhält.

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10.08.08 - 08:22

 


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Chinas neue Freizügigkeit: Schauspielerin Bai Ling lebt sie aus. - Foto: AFP

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