Andreas Kläne: Totgeliebt

Eindringliches Portrait einer Mörderin

Der Tatsachenroman "Totgeliebt" erzählt die Geschichte einer fürsorglichen Ehefrau, die ihren Mann umbringt.

Als der Cloppenburger Journalist Andreas Kläne Karin Krogmann (Name geändert) zum ersten Mal traf, dachte er, sie sei Gefängnispsychologin. Er war für eine Reportage in einem  Frauengefängnis, das von einem Freund geleitet wurde. Karin Krogmann kam auf die beiden zu und bat den Gefängnisdirektor um einen Gesprächstermin. Nach Klänes Worten sah sie aus "wie eine anständige Akademikerin". "Arbeitet sie hier als Psychologin?", fragte der Journalist seinen Freund nach der Begegnung. Und erfuhr, dass die feine Dame wegen Mordes an ihrem Ehemann saß.

Kläne wurde neugierig und initiierte eine anderthalb Jahre dauernde Recherche, in der er Karin Krogmann sehr gut kennenlernen und zahlreiche Interviews mit ihr führen konnte. Das Besondere daran: Anderen Gesprächspartnern verweigerte sich die Frau, nur Kläne schenkte sie ihr volles Vertrauen. Neben den Gesprächen mit Krogmann recherchierte der Journalist im Umfeld und in der Vergangenheit der Mörderin und verfolgte den gesamten Gerichtsprozess.

Sachlich erzeugte Spannung

"Totgeliebt" (Conbook, 17,90 Euro) ist der Titel des Buches, das nun, Jahre später, aus dieser Recherche entstanden ist. Ein Tatsachenbericht, der eine enorme Spannung aufbaut - und das, obwohl er dem Leser das Rätseln um Tat und Motiv vorenthält, indem er beides gleich auf den ersten Seiten offenbart. Und zwar ebenso sachlich, wie Karin Krogmann der Polizei ihre Tat gestand: An einem Junimorgen im Jahr 1994 ging sie, eine zierliche, gepflegte Frau Anfang 50, auf das Polizeirevier ihres Heimatstädtchens und sagte ruhig, sie habe soeben ihren Mann erschossen.

Während ihrer langen Ehe hatte sie nach Aussage von Freunden und Bekannten immer wieder betont, sie habe den "klügsten, schönsten und galantesten Mann" geheiratet, den sie kenne.

Klischees und die Frage nach dem Warum

Andreas Kläne zeichnet in seinem 352 Seiten starken Buch ein tiefgängiges Portrait einer Mörderin, wie sie eben nicht im Buche steht. Sein Motiv dabei: "Ich wollte den Menschen offenbar werden lassen, wie sehr jeder von Klischeevorstellungen geprägt ist. Jeder von uns kann in eine Situation geraten, in der er zum Verbrecher wird." Die Spannung des Tatsachenberichtes wird so auch nicht durch den Mord an sich erzeugt, sondern durch die Frage: "Wie kann eine solche Frau jemanden umbringen?"

Das Nachwort zu "Totgeliebt" hat einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger, Rolf Bossi, geschrieben. Darin behandelt der Jurist die Frage, warum Frauen in Deutschland für Tötungsdelikte in aller Regel härter bestraft werden als Männer. Krogmann wurde zunächst zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, in der Revision bekam sie sieben Jahre.



Mehr Infos:
http://verlag.conbook.de
www.totgeliebt.com

>> Andreas Kläne ist Redakteur und Initiator der fem-Partnerwebseite Liebe ART. Hier finden Sie Leserstimmen zu "Totgeliebt"

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26.09.08 - 16:40

 


Tags:
Psychologie, Liebe ART, Bücher

Kommentare

Warum erschießt eine "Dame" ihren Mann nach 29 Jahren Ehe? - Coverbild: Conbook Medien Verlag

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