Seychellen: Schildkröten-Adoption

Schildkröte sucht Eltern

Adoptiv-Kids der gepanzerten Art: Der Riesenschildkröten-Nachwuchs auf der weitgehend ursprünglichen Seychellen-Insel Silhouette sucht neue Eltern.

Es ist Liebe auf den ersten Blick, zumindest meinerseits. Ich stehe inmitten eines Geheges, an dessen Zaun ein Schild darum ersucht, man möge bitte draußen bleiben. Tut mir leid, ich kann nicht anders - "18" hat mich verzaubert, ich muss mich dringend vorstellen, und das geht nicht auf Distanz.

Wunsch-Schildkrötenkind Nummer 18

Ich befinde mich auf Silhouette, einer Seychellen-Insel wie aus dem Reisekatalog geklaut, und möchte adoptieren. Allerdings kein Menschenkind, das überlasse ich lieber Profis wie Angelina oder Madonna, sondern ein Schildkrötenkind. Ein Riesenschildkrötenkind, um genau zu sein. Nummer 18 (das steht in weißer Schrift auf dem Panzer) ist so ein Schildkrötenkind in der Altersklasse um die zwanzig Jahre. Ein sehr lebhaftes Exemplar und aktuell weitaus weniger interessiert an meinem freundlich dargebotenen Blatt, als an der Suche nach einem Loch im Zaun.

Schildkröten-Adoption auf Silhouette
Schildkröte sucht Eltern
Die Seychellen-Insel Silhouette gehört zu den ursprünglichsten der Granitinseln. Hier gibt es keine Autos, nur ein Hotel - und eine Riesenschildkröten-Aufzuchtstation. Diese liegt in der Nähe der Bootsanlegestelledirekt hinter den weißen Häuschen...Das Seychelles Giant Tortoise Conservation Project widmet sich der Nachzucht einer beinahe ausgestorbenen Riesenschildkröten-Spezies.Der auf etwa 120 Lenze geschätzte Riesenschildkröten-Mann ist der Vater aller Nachkommen, die auf der Aufzuchtstation heranwachsen.Gründer des Projekts ist der Wissenschaftler Ron Gerlach, der seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau Jill auf Silhouette lebt. Einmal im Jahr kommenn Studenten der Eliteuni Oxford zur Feldforschung zu Besuch.Zur Finanzierung des Projekts stellt Gerlach die Kröten-Kids zur Adoption frei. Die neuen Eltern dürfen ihrem gepanzerten Zögling einen Namen verpassen, und erhalten ein Geburtszertifikat und Foto

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Ein Leben für die Riesenschildkröte

Direkt ums Eck vom Landesteg für Schnellboote, die einmal am Tag die Gäste des einzigen Resorts auf der Insel von der Hauptinsel Mahé an- oder abtransportieren, liegt die Aufzuchtstation des Seychelles Giant Tortoise Conservation Projekts. Seit mittlerweile zwölf Jahren widmet sich der Gründer und Präsident der Organisation Ron Gerlach gemeinsam mit seiner Frau Gill der Nachzucht zweier nahezu ausgestorbener Riesenschildkrötenarten.

Perfekter Seefahrer-Proviant

Noch vor gut 200 Jahren war der Großteil der Seychelleninseln von mehreren Hunderttausend Riesenschildkröten bevölkert. Dann entdeckten Piraten und Siedler sie als Proviant für lange Schiffrsreisen und rotteten die Population innerhalb kurzer Zeit beinahe aus. Heute leben lediglich auf dem entlegenen Seychellen-Atoll Aldabra 150.000 der gleichnamigen Schildkröten. Noch vor kurzem wurde angenommen, dass diese Spezies die einzige überlebende Seychellen-Schildkrötenrasse sei.

150 Kinder in zwölf Jahren

Bis vor wenigen Jahren zwei andere in Gefangenschaft lebende Landschildkröten auf den Seychellen entdeckt wurden. Eine davon war Adam, ein Schildkrötenmann im sportlichen Alter von geschätzten 120 Jahren. Er ist der Stammhalter in Ron Gerlachs Nachzuchtstation, wo sich inzwischen rund 150 seiner Kinder tummeln. 2006 wurden erstmals fünf ausgewachsene Nachkommen der Arnold's Riesenschildkröte in einer unzugänglichen Bucht von Silhouette in die Freiheit entlassen. "Wir wählten ganz bewusst einen Ort auf der Insel aus, der schwer zugänglich ist. Schildkröten sind als exotisches Haustier begehrt, und wir wollen nicht riskieren, dass jemand eine Schildkröte im Rucksack von der Insel schmuggelt", sagt Ron Gerlach.

Geburtstagskarten für die Schildkröten-Kinder

Gerlachs Projekt ist momentan die einzige Hoffnung für das Überleben der beiden ausgestorben geglaubten Riesenschildkröten-Arten. Die Finanzierung der Aufzuchtstation ist auf Spenden und Patenschaften angewiesen. 300 Euro kostet die Adoption eines Kröten-Kindes. Dafür darf dem kleinen Schützling ein Name nach Wunsch verliehen werden, der im Geburtszertifikat für die neuen Eltern vermerkt wird. Für den Bilderrahmen zuhause gibt's ein Foto (denn natürlich bleibt der Familienzuwachs auf der Insel), über aktuelle Befindlichkeiten unterrichtet der unregelmäßig erscheinende Newsletter "Tortoise News". "Manche Eltern schicken ihren Schützlingen sogar Geburtstagskarten", freut sich Ron Gerlach.

Auch Panzer haben Gefühle

"Ich hätte gerne die Nummer 18", informiere ich Ron, der gerade den Panzer von Schildkröten-Mama "Eve" streichelt. "Das spüren sie", sagt er, "viele Leute glauben, dass Schildkröten kein Gefühl im Panzer haben. Das stimmt nicht." Dann sagt er: "Die Nummer 18 ist schon vergeben. Und mit dem neuen Nachwuchs dauert es noch ein wenig." Schade, denke ich, während sich Nummer 18 unbeeindruckt zeigt, und sich stattdessen weiterhin konzentriert der Suche nach einem Fluchtloch im Zaun widmet. Ich eile hinterher und kraule ihr zum Abschied noch einmal ausführlich den Panzer - diesmal mit ganz speziellem Feingefühl.

Melanie Vogel

Adoptionsanfragen an Ron Gerlach unter: npts@seychelles.net
Informationen zum Projekt unter: http://islandbiodiversity.com

Die Insel Silhouette liegt eine Stunde mit dem Speedboat von der Hauptinsel Mahé entfernt. Air Seychelles fliegt einmal wöchentlich direkt von Frankfurt nach Mahé. Weitere Informationen unter: www.airseychelles.de.

fem.com bedankt sich für die freundliche Unterstützung des Fünf-Sterne-Resorts Labriz Silhouette. Weitere Informationen unter: www.labriz-seychelles.com.

30.06.09 - 08:40

 


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Erste Annäherung im Gehege des Nature Protection Trust of Seychelles auf der Insel Silhouette. Zur Finanzierung des Nachzucht-Programms werden die Kröten- Kids zur Adoption freigegeben. Die neuen Eltern dürfen ihrem gepanzerten Schützling einen hübsc

fem.com-Redakteurin Melanie Vogel bei ersten Annäherungsversuchen im Gehege des Nature Protection Trust of Seychelles auf der Insel Silhouette. Zur Finanzierung des Nachzucht-Programms werden die Kröten-Kids zur Adoption freigegeben. Die neuen Eltern dürfen ihrem gepanzerten Schützling einen hübschen Namen verpassen, mitnehmen geht allerdings nicht.
 Foto: Christina Feser

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