Ökostrom-Anbieter: Polarstern

Power Up!

Drei Jungs aus München bieten 100 Prozent Öko-Energie - mit ihrem eigenen Versorgungsunternehmen Polarstern. fem.com hat sie getroffen.

Etwas tun, das sinnvoll ist, und die Welt besser macht, war der Wunsch von Jakob Assmann, Florian Henle und Simon Stadler. Also gründeten die drei (Wahl-) Münchner Polarstern Energie. Ihr eigenes von allen großen Energiekonzernen unabhängiges Energieversorgungsunternehmen. Im Angebot: 100 Prozent Ökoenergie aus kleinen Wasserkraftwerken und einer Biogasanlage. Darüberhinaus unterstützt das Trio auch noch den Bau kleiner Biogasanlagen in Kambodscha. Wie das alles genau funktioniert erklärt Florian Henle im fem.com-Interview.

Wie kamt ihr auf die Idee, ausgerechnet ein Ökostrom-Versorgungsunternehmen zu gründen?

Wir wollten uns alle drei beruflich verändern und uns selbständig machen. Und wir teilten alle ein Ziel: unsere Arbeitskraft und Energie für etwas Sinnvolles zu nutzen. Für etwas, das die Welt besser macht. Mit Blick auf unsere Erfahrungen und Interessen war schnell klar, dass wir das Thema Energie aufgreifen. Die Entscheidung, gemeinsam einen Ökoenergieanbieter zu gründen, fiel letztlich auf einer gemeinsamen Wanderung.

Wie finanziert Ihr euch?

Unterstützt wurden wir anfangs vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Inzwischen stehen wir auf eigenen Beinen - finanziert über Investoren.

Welche Planung und Logistik steckt dahinter, wer finanziert euch?

Wir arbeiten eng mit einer Reihe erfahrener und vertrauenswürdiger Partner zusammen. Sie übernehmen beispielsweise die Energieproduktion, die Energielogistik und die Steuerung der Entwicklungshilfe in Kambodscha, die wir unterstützen. Dort wissen wir beispielsweise durch ein detailliertes Reporting genau, welche Familien unterstützt werden. Oder wie weit der Bau der jeweiligen Biogasanlage fortgeschritten ist.
 
Ihr sagt, dass ihr unabhängig von allen großen Energiekonzernen operiert. Wie kann so etwas funktionieren?

Unsere Energie basiert auf direkten Lieferverträgen mit den Betreibern der Ökokraftwerke. Das heißt, wir kennen die Betreiber der Kleinwasserkraftwerke und der Biogasanlagen. Wir stehen absolut auf eigenen Beinen. Kein großer Energiekonzern ist bei uns beteiligt und wir beziehen auch keine Subventionen. Das ist uns sehr wichtig. Deshalb gibt es bei uns auch ausschließlich 100 Prozent Ökostrom und 100 Prozent Ökogas. Im Gegensatz zu uns machen die großen Energiekonzerne die Mehrheit ihres Geschäftes nach wie vor mit "schmutziger" fossiler Energie.

Was sind die Vorteile dieser Unabhängigkeit?   

Die Unabhängigkeit von großen Energiekonzernen lässt uns freier und vor allem transparenter handeln. Indem wir unseren Ökostrom und unser Ökogas direkt vom Kraftwerk kaufen können wir viel besser auf eine nachhaltige Energieproduktion achten. So können wir unseren Kunden genau sagen, was wir machen. Welche Kraftwerke unsere Partner sind oder auch wen wir in Kambodscha unterstützen. Wir machen den Energiebezug zu einem persönlichen Engagement - aus Überzeugung.

Ihr bezieht Strom aus Wasserkraftwerken in Österreich und Gas aus einer Biogasfabrik in Ungarn. Wie viele Haushalte können mit dem momentan verfügbaren Volumen an Strom und Gas versorgt werden?

Aktuell können wir viele Tausend Haushalte beliefern. Unsere Lieferverträge sind außerdem flexibel ausbaubar. Energiekapazität unserer Partner ist dazu ausreichend vorhanden. Auch führen wir kontinuierlich Gespräche mit weiteren Ökokraftwerken und sorgen für den zusätzlichen Ausbau von Ökokraftwerken. Die Energieversorgung unserer Kunden ist in jedem Fall zu jeder Zeit sichergestellt. Das ist gesetzlich geregelt.

Wie entsteht das Biogas genau?

Das Biogas beziehen wir aus einer ungarischen Zuckerrübenfabrik. Dort werden die organischen Abfälle der Zuckerproduktion in eine Biogasanlage eingebracht. Die Zuckerrübenschnitzel werden vergoren und zu Biogas aufbereitet.

Ein Teil der Einnahmen soll in den Bau von Mikro-Biogasanlagen in Kambodscha fließen. Wäre es nicht auch sinnvoll, hierzulande entsprechende Anlagen zu  fördern?

Jeder Kunde, der von uns Ökostrom und Ökogas bezieht, unterstützt den Ausbau der erneuerbaren Energien sowohl hier, als auch in Entwicklungsländern. Je verbrauchter Kilowattstunde fließen beim Strom 1,25 Cent und beim Gas 0,25 Cent in den Bau neuer Kraftwerke bei uns. Zusätzlich gehen jedes Jahr 40 Euro pro Kunde direkt an Familien in Entwicklungsländer wie Kambodscha. Als "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten die Polarstern-Kunden damit eine Anschubfinanzierung für den Bau eigener Mikro-Biogasanlagen. Wir investieren also in den Ausbau der erneuerbaren Energien auf mehreren Ebenen. Denn die Energiewende ist eine weltweite Aufgabe. Ein sauberes Europa ist gut, aber es reicht nicht. Weltweit muss der Umstieg erfolgen. Klima und Umwelt kennen keine Landesgrenzen.

Warum ausgerechnet Kambodscha?

Bei der Entwicklungshilfe arbeitet Polarstern mit Partnern in Regionen, wo die Energieversorgung in den Kinderschuhen steckt. Aktuell ist es ein Projekt in Kambodscha; Laos und Nepal folgen als nächstes. Wir wollen helfen, dass diese Länder sofort den erneuerbaren Weg einschlagen und nicht den Umweg über Kohle und Atom gehen müssen. Und mit einer kleinen Starthilfe können wir dort sehr viel bewirken. Wir haben uns dazu ein Projekt ausgesucht, das bereits seit einigen Jahren erfolgreich läuft. Es ist das renommierte National Biodigester Programme (NBP).

Weitere Infos unter: www.polarstern-energie.de


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Melanie Vogel, 02.09.11 - 09:22

 


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Tags:
Umwelt, Energie, Trend, Interview

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Saubere Energie verspricht der unabhängige Ökostromanbieter Polarstern aus München. Dessen Strom stammt aus Wasserkraft, das Gas wird in einer Biogasanlage erzeugt.

Saubere Energie verspricht der unabhängige Ökostromanbieter Polarstern aus München. Dessen Strom stammt aus Wasserkraft, das Gas wird in einer Biogasanlage erzeugt.
 Foto: iStockphoto

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