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03.01.09 · 09:58

Interview: Poker-Star Katja Thater

„Machos sind für mich eine Goldgrube“ „Machos sind für mich eine Goldgrube“

Katja Thater ist Deutschlands erfolgreichste Pokerspielerin. Ihre Gegner: fast ausschließlich Männer. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sie gegen sie gewinnt.

Frau Thater, gibt es Geschlechterkampf auch am Pokertisch?

Poker funktioniert wie das richtige Leben. Da geht es ja auch um die Frage: Wie hat man seinen Kerl im Griff, wie hat man die Männer oder seinen Chef im Griff. Als Frau kann man einfach ein paar Dinge mehr einsetzen.

Zum Beispiel mit weiblichen Reizen spielen?

Absolut. Ich hab zum Beispiel auch mal eine Bluse an, die vielleicht nicht gerade bis zum Bauchnabel auf ist, aber zumindest so, dass der Nachbar schon mal reinspicken kann. Ich will deren Geld. Mit welchen Mitteln, ist mir ganz egal.

Anders als die meisten Männer tragen Sie keine Sonnenbrille beim Pokern.

Ich bevorzuge es, meinen Gegnern wirklich in die Augen zu kucken. Viele Männer haben die Hosen nämlich gestrichen voll, wenn eine Frau ihnen gerade und direkt sehr lange intensiv in die Augen sieht.

Wie reagieren Männer auf Sie, wenn Sie gegen sie spielen?

Es gibt ganz unterschiedliche Typen. Zum Beispiel die Sugar-Daddys. Das sind die grauhaarigen Mittfünfziger, die dann gönnerhaft sagen: "Mädchen, leg mal weg, ich hab Asse." Dann gibt es welche, die unbedingt sehen wollen, was ich für Karten habe. Als würden sie einem in den Büstenhalter kucken wollen. Die zahlen bis zum Ende, nur damit ich meine Karten zeigen muss. Andere wollen mich unbedingt aus dem Turnier rausschmeißen. So diese Macho-Nummer: Der zeig ich’s jetzt mal.

Welche Typen sind Ihnen am liebsten?

Machos sind für mich wie eine Goldgrube. Da kann ich im Grunde genommen meine Handtasche hinhalten und sagen: Komm, überweis es doch einfach. Sie können gegen eine Frau nicht ihre Karten weglegen. Denn für diese Kategorie von Männern heißt das, sie legen sich auf den Rücken und ergeben sich einer Frau - und alle kucken zu.

Ihr Mann ist ja auch Pokerspieler. Gibt es privaten Stress, wenn Sie auf einem Turnier gegeneinander spielen müssen?

Nein. Wir haben eine Abmachung und versuchen dann klares ABC-Poker zu spielen - also keine Tricks, nicht rumbluffen oder so einen Quatsch, den man mit anderen macht.

Wie erkennen Sie, ob jemand blufft?

Das sehe ich. Das ist Körpersprache und Instinkt. Klar, fällt man auch mal rein auf einen Bluff, das gehört zum Tagesgeschäft. Ich vergleiche es immer gerne damit: Wie sieht es eine Mutter ihrem Kind an, dass es schwindelt. Sie weiß es einfach.

Wie macht man ein Pokerface?

Es gibt eigentlich keins. Pokerface heißt, man guckt so, als ob einen das alles nicht interessiert. Profis verbinden außerdem keine Emotionen mit dem Spiel. Das ist wichtig. Nicht ständig einem Verlust hinterherweinen oder aufgeregt sein, wenn man zwei Asse kriegt.

Auch nicht aufgeregt sein, wenn man viel Geld gewinnt?

Auf keinen Fall. Die Chips, die man vor sich auf dem Tisch hat, sind kein Geld - egal was für eine Nummer draufsteht. Das ist Munition, um alles einzusammeln. Zählen tue ich den Gewinn, wenn ich im Fahrstuhl bin oder zu Hause.

Kann man vom Pokern reich werden?

Vom Tellerwäscher zum Millionär - das ist möglich. Aber andersherum geht das natürlich auch - sechs Millionen haben und zehn verbrennen.

Ist Ihnen das schon einmal passiert?

Sechs Millionen natürlich nicht. Aber Verlieren gehört dazu. Deshalb sollte man niemals mit Geld spielen, das man nicht entbehren kann. Niemals mit der Miete oder Omas Erbschaft losziehen.

Warum spielen Sie Poker? Sie haben ja vorher auch einen schönen Beruf gehabt, Pferde gezüchtet.

Meine Pferde habe ich noch immer. Aber die Faszination am Poker ist einfach, dass ich gemerkt habe, dass ich es kann. Und es macht natürlich noch ein bisschen mehr Spaß, wenn man auch Erfolg hat. Ich mache das jetzt schon seit ein paar Jahren und warte eigentlich jeden Morgen darauf, dass ich keine Lust mehr habe. Bis jetzt ist der Tag noch nicht gekommen.

Interview: Christiane Strobel

Mehr Infos: www.katja-thater.de

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· 11.10.08 · 10:11