LaChapelle-Ausstellung in Paris

Albträume mit Zuckerguss

Seit 20 Jahren kreiert David LaChapelle grelle Albträume rund um Stars, Sternchen und Popkultur - in Paris ist jetzt eine umfassende Retrospektive des Fotokünstlers zu sehen.

David LaChapelle liebt die Inszenierung. Das hat er von seiner Mutter. Die fand es toll, den kleinen David am Wochenende richtig fein herauszuputzen. Nicht für den Kirchgang oder dergleichen. Nein, Mama Helga pilgerte mit dem Sohnemann in schnieke Wohngegenden, um ihn vor schicken Autos und protzigen Häusern abzulichten. Gerne mit leicht surrealem Touch - eines der ersten Fotos aus der gemeinsamen Schaffensperiode zeigt LaChapelle mit aufgeschnallten Engelsflügelchen. "Und dann grinsten wir, als lebten wir wirklich da", erinnert sich der inzwischen 45-jährige LaChapelle.

"Depressive Schübe in Bonbonpapier"

Es dauerte nicht lange, bis er die Kamera in die Hand nahm, und selbst andere in Szene setzte. "Depressive Schübe in Bonbonpapier", nannte die taz einst seine Kreationen. Die nicht nur Fotos sind, sondern komplett durchgeplante, und digital perfektionierte Tableaus voller Abgründe. Albträume mit Zuckerguss. Inspiriert von seinem zweiten großen Lehrer - nach Mutter Helga - Andy Warhol. Er riet LaChapelle, als der noch Tische im legendären Club 54 abwischte, lieber Model als Fotograf zu werden. Aber wenn er unbedingt darauf bestehe, dann solle er dafür sorgen, dass seine Bilder wenigstens gut aussähen.

Ein Rat, den LaChapelle offensichtlich beherzigt hat. Seine scharfgezeichnete, grelle Bildsprache ist Popkultur in Reinform. Nährte sich aus ihr, und nährte sie. Pop- und Hollywoodstars der ersten Garde erlagen LaChapelles verführerischer, übernatürlicher Ästhetik. So wunderbar hübsch anzuschauen rückte er sie in abgründiges Licht. Persiflierte sie, unterminierte ihren Glanz. Immer im Einverständnis, wie La Chapelle betont. Gerade die Tatsache, dass seine Inszenierungen eine Welt attackieren, von der und in der sie leben, scheint wie ein Magnet zu wirken. Als ob insgeheim jeder, der eine Rolle in ihr spielt, genau darum weiß: ein Darsteller zu sein in einer fragwürdigen Szenerie. Manche Kritiker werfen LaChapelle vor, er kritisiere, was ihn groß gemacht hat, ein gesellschaftliches Phänomen, dessen Teil er ist und aktiv selbst mitgestaltet. Stimmt. Nur vorhalten kann man ihm dies kaum. Schließlich ist genau das der Kern seines Schaffens.

Das Museum La Monnaie de Paris zeigt derzeit die bisher größte LaChapelle-Retrospektive Frankreichs. Sie umfasst mehr als 200 Werke des Künstlers, darunter auch eine bisher unveröffentlichte Serie aus dem Jahre 2008, sowie seine selten gezeigten 3-D Motive. Die Ausstellung dauert noch bis zum 31. Mai. Weitere Informationen unter:www.monnaiedeparis.fr

>> Klicken Sie sich durch einen Auszug in der Gallery.

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17.02.09 - 14:23

 


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Tags:
Kunst, Kultur, Ausstellung, Fotografie, Frauenfahrgemeinschaft.de

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