Kunsthaus Graz, Graz
Kunst im Ufo
Das Kunsthaus Graz ist ein avantgardistisches Architektur-Highlight und Österreichs Vorzeigeprojekt in Sachen zeitgenössische Kunst.
Die Londoner Architekten Peter Cook und Colin Fournier haben sich durchaus mit ihrem Entwurf für das neue Kunsthaus in Graz: Dank ihnen wölbt sich nun ein blasenförmiger Acrylglas-Körper in der historischen Murvorstadt. Die sogenannte "Bubble" ist der futuristische Blickfang der Stadt und das darin beheimatete Kunsthaus avancierte im Nu zum kulturellen Hotspot. Highlight der 3,9 Millionen Kilogramm schweren Konstruktion ist die BIX-Medienfassade: Ein 900 Quadratmeter großer Bildschirm überträgt künstlerische Produktionen direkt auf die Außenwand - gut sichtbar für Jedermann.
High Art und Publikumsmagneten
Das Besondere: Im Kunsthaus wird nicht gesammelt. Das Ziel ist die Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Künstlergespräche und ausstellungsrelevante Symposien stehen ganz oben auf der Programmliste. Die Ausstellungen konzentrieren sich nicht nur auf Publikumsmagneten wie Andy Warhol und Salvador Dalí, sondern thematisieren auch zeitgenössische Künstler wie den abstrakten Maler Christopher Wool. Herausforderung für Kuratoren und Künstler: der Spagat zwischen räumlicher Umsetzung, inhaltlicher Vorstellung und technischer Realisierung.
Rüsselartige Öffnungen auf der Oberfläche
Die Innenräume sind futuristisch, wie die gesamte Architektur des "Friendly Alien". Das gläserne Erdgeschoss mit Museumsshop, Medienkunstlabor, Lese- und Medienlounge, Cafeteria und einem Eventspace dient vor allem der Begegnung zwischen Kunst und Publikum. Für Interior und Co. waren die kreativen Köpfe der angesagten Schweizer Marke Vitra Design verantwortlich: Schlichte Formen, klare Linien und die dominierende Farbe Weiß lassen der Kunst den großen Auftritt - das Mobiliar hält sich stilvoll zurück. Drei Ausstellungsebenen sind durch ein mechanisches Laufband miteinander verbunden. Am eindrucksvollsten: der Space 01 der sich stellenweise acht Meter nach oben wölbt. Die Nozzles, rüsselartige Öffnungen auf der Oberfläche der Bubble, liefern Tages- und Kunstlicht aus spiralförmigen Leuchtstoffröhren – da fühlt man sich als Besucher schnell wie auf einem Flug durch fremde Galaxien.
Moment der völligen Stille
Aushängeschild des Hauses ist die akustische Installation "Time Piece Graz" des amerikanischen Klangkünstlers Max Neuhaus. Zehn Minuten vor jeder vollen Stunde breitet sich ein anschwellender Klang im und um das Kunsthaus aus und bricht an der Pegelspitze abrupt ab. Der Moment der Stille soll den Fokus ganz auf die Kunst richten. Faktoren wie dieser ziehen nicht nur junge Künstler an, auch der Grazer Kunstverein und das Haus der Architektur haben sich in der Nachbarschaft angesiedelt und das Viertel endgültig zum Anziehungspunkt für Kunstfans gemacht.
Text: Andrea Schlager
Mehr Infos: www.museum-joanneum.at/de/kunsthaus
Weitere Artikel:
- Eröffnung Museum Brandhorst: Alles im Kasten!
- Pixelhotel, Linz: Die kleinste (Schlaf-)Einheit
- Web-Tipp: Virtual Shoe Museum: "Ich liebe Schuhe mit Sinn für Humor"
- Ausstellung: Fenomen IKEA: Mehr als eine Marke
- Kunst-Tipp: Edward Hopper in Mailand: Der große Melancholiker
Tags:
Kunst, KulturKommentare

Begeistert Architektur- und Kunstfans gleichermaßen: Das Kunsthaus Graz in der historischen Murvorstadt.
Foto: Universalmuseum Joanneum, Eduardo Marti












