Geografie des Glücks

Wo wohnt das Glück?

Immer nur aus Elendsgebieten zu berichten, schlug Journalist Eric Weiner aufs Gemüt. Also machte er sich auf die Suche nach den glücklichsten Ländern - und schrieb ein Buch darüber. Dessen Lektüre glücklich macht.

Eric Weiner ist ein Griesgram. Nur selten glücklich. Das sagt er selbst. Jahrelang aus Kriegsgebieten zu berichten und Dinge zu tun, wie Extremisten zu interviewen machte die Situation nicht unbedingt besser. Warum also nicht solcherlei Horrortrips eintauschen gegen Reisen in glücklichere Gefilde, fragte er sich, in "Gegenden, die unzweifelhaft über einen oder mehrere jener Bestandteile verfügen, die wir als wesentlich für den gesunden Eintopf Glück betrachten: etwa Geld, Vergnügen, Spiritualität, Familie und Schokolade?"

Zehn Nationen auf dem Glücksprüfstand

"Wären wir glücklicher", überlegte er, "wenn wir in einem sagenhaft reichen Land lebten, in dem niemand Steuern zahlen muss?" Oder in einem Land, wo Scheitern akzeptiert wird, sieben Mal pro Jahr gewählt wird, oder in einem Land, in dem übermäßiges Denken als wenig erstrebenswert gilt? Auf der Suche nach Antworten unterzog Weiner zehn Nationen einer ganz persönlichen Glücksprüfung. Seine Erfahrungen sind in "Geografie des Glücks" nachzulesen. Einer Reisereportage voller Humor, Ironie und locker-leichter Lebensweisheiten, deren Lektüre für Endorphinausschüttung sorgt.

Legal kiffen im Alpha Blondie Coffee-Shop

In den Niederlanden testete er den Effekt eines besonders liberal eingestellten Umfelds - Selbstexperiment im Alpha Blondie Coffee-Shop inklusive. Fazit: "In Rotterdam ganz legal Haschisch zu rauchen ist nicht annähernd so amüsant, wie es unerlaubterweise im College-Wohnheim mit Rusty Fishkind zu tun, wo man jeden Moment erwischt werden kann."

Schweizer Glücks-Must: Saubere Toiletten

Den Niederlanden folgt die zufriedene, dafür humorlose, wenngleich hin und wieder unfreiwillig komische Schweiz. "Was ist die Ursache des Schweizer Glücks?" will Weiner von einem gewissen Dieter wissen. "Die Reinlichkeit", meint der, "haben Sie unsere öffentlichen Toiletten gesehen? Sie sind sehr sauber." Nein, Dieter macht keine Witze. Abgesehen davon basiert das Glück der Schweizer, wie Weiner dann doch noch herausfindet, auf ihrer engen Bindung zur Natur und ihrem Hang zu Neid verhinderndem Understatement. Und auf dem exorbitant hohen Verzehr von Schokolade, wie Weiner mutmaßt.

Schlechter Kaffee beim Bruder des reinkarnierten Dalai Lama

Im Zwergstaat Bhutan, in dem das Bruttosozialglück wichtiger ist als das Bruttosozialprodukt, findet er zwar keinen guten Kaffee, dafür Lebensweisheiten und Spiritualität satt. Weiner steigt in der Pension eines reinkarnierten Bruders des Dalai Lama ab, rettet einen Käfer, und lernt neben unzähligen Lebenslektionen auch, dass "persönliches Glück" hier einen äußerst geringen Stellenwert hat. "Jegliches Glück gründet sich auf die Beziehung zu anderen", lehrt ihn ein weiser Mann.

Vom Prasserstaat Katar ins depressive Moldawien

Dass Reichtum nicht glücklich macht, eröffnet sich im Prasserstaat Katar. Im winterlichen Reykjavik erfährt Weiner, dass man zum glücklich sein nicht einmal die Sonne braucht - dafür aber moderaten Alkoholgenuss, und große Toleranz gegenüber dem Scheitern. Als Gegengewicht schiebt er anschließend einen Besuch in Moldawien ein - Europas depressivstem Staat, ehe es ins wenig tiefgründige Thailand geht, gefolgt vom sarkastischen Großbritannien und dem chaotischen Indien. Bis er schließlich in seine Heimat zurückkehrt - die USA, der Glückssuchernation par Excellence.

Ein Leben am Meer:
für das Glücksniveau zweitrangig

"Auf Geld kommt es an, doch in geringerem Maße als wir glauben, und nicht so, wie wir annehmen", resümiert er nach zehntausenden zurückgelegten Kilometern. "Die Familie ist wichtig. Genau wie Freunde. Neid ist schädlich. Genau wie übermäßiges Nachdenken. Strände sind optional. Vertrauen ist es nicht, genauso wenig wie Dankbarkeit..."

Das Glücksniveau des Autors blieb von der Expedition nicht unberührt: "Ich bin weniger unglücklich, als vor den Reisen. Und ich habe an den Orten, die ich besucht habe, wichtige Lektionen gelernt. Darüber, wie man sein Leben leben soll - wie in den Kleinstaaten Bhutan oder Island. Und wie man es nich tun sollte - wie in Moldawien oder Katar."

Eric Weiners "Geographie des Glücks" ist im Verlag Rogner & Bernhard erschienen und kostet ca. 17 Euro.

Weitere Informationen:
www.rogner-bernhard.de
www.ericweinerbooks.com


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28.11.08 - 16:46

 


Tags:
Bücher, Reise, Humor, Schweiz, Thailand, Glück

Kommentare

In Island traf Eric Weiner ziemlich viele ziemlich glückliche Menschen. Und das, obwohl er im Winter dort war, und es den ganzen Tag dunkel war - Foto: Istockphoto

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