Die Lonely-Planet-Gründer im Interview

Da müssen Sie hin!

Tony und Maureen Wheeler gründeten die legendären Lonely-Planet-Reiseführer. Im fem.com-Interview verraten sie ihre denkwürdigsten Ziele.

Vor 36 Jahren schrieb das Paar nach einer langen Reise, die sie unter anderem in die Türkei, den Iran, nach Afghanistan, Indien und Nepal führte,auf das Drängen von Freunden seinen ersten Reiseführer.
Er trug den Titel "Across Asia on the Cheap" und verkaufte sich innerhalb von nur einer Woche über 1.500 Mal. "Lonely Planet" war geboren und entwickelte sich im Laufe der kommenden Jahrzehnte zum wahren Reiseführer-Imperium. Heute vertreibt der Verlag rund 500 Titel, beschäftigt 500 Angestellte und 300 Autoren. Vor zwei Jahren verkauften die Wheelers 75 Prozent des Unternehmens an BBC Worldwide, um, wie sie erklärten "endlich mehr Zeit zum Reisen zu haben". Wohin diese Reisen sie unter anderem führten, erzählen sie im fem.com-Interview.

In wie vielen Ländern waren Sie bisher?


Tony: 143.
Maureen: Ich weigere mich, zu zählen.

Wo waren Sie zuletzt, und wohin geht es als nächstes?

Tony: Ich war zum ersten Mal in meinem Leben auf den Faröer Inseln. Mich faszinieren Orte, die in der Nähe der Pole liegen. Wie etwa auf der Südhalbkugel die Falkland Inseln – oder Island auf der Nordhalbkugel. Ich bin unter anderem auch deshalb hingeflogen, weil Maureen auf eigene Faust unterwegs war, und ich keine Lust hatte, alleine zuhause zu sitzen. Mein nächster Trip geht nach Alaska, wo ich an einem neuen TV-Format für den Sender LPTV arbeiten werde.
Maureen: Während Tony auf den Faröer Inseln war, habe ich mich in Marokko mit einer Gruppe amerikanischer Reisejournalistinnen getroffen. Wir kennen uns seit Jahren. Alle zwei Jahre mieten wir uns ein Haus und verbringen dort Zeit miteinander. In der Vergangenheit waren wir zusammen in Irland, Griechenland, Italien und Frankreich. Als nächstes geht es heim nach Australien. Die vergangenen drei Monate haben Tony und ich in London gewohnt, und wir sind von dort aus gereist.

Die Top-Destinationen der Lonely Planet-Gründer
Da müssen Sie hin!
Lonely Planet-Gründer Tony Wheeler liebt Orte in Polnähe. Wie etwa die Färöer-Inseln, die im Nordatlantik, zwischen den Britischen Inseln, Norwegen und Island liegen. Das Archipel besteht aus 18 Hauptinseln, 17 davon sind bewohnt.Nicht allzu weit entfernt liegt Island, nach Großbritannien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas. Die Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Welt und befindet sich knapp südlich des nördlichen Polarkreises.Zu Wheelers Favoriten gehören auch die Falklandinseln auf der Südhalbkugel. Hier herrscht subantarktisches Klima, die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei fünf Grad. Zwei Drittel der rund 2.500 Einwohner wohnen in der Hauptstadt Stanley,1.400 Kilometer von den Falkland Inseln entfernt liegt Südgeorgien. Die Inselgruppe im Südatlantik zählt zu Tony Wheelers Top Six der denkwürdigsten Orte der Welt. Hier leben neben einer Handvoll Forschern zehntausende Pinguine, Robben, Albatrosse undDie einstige Walfängerstation Grytviken, die seit 1965 verlassen ist. Noch heute erinnern die riesigen Walöltanks an die Walfang-Vergangenheit Südgeorgiens.

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Welchen Stellenwert nimmt Reisen in Ihrem Leben heute ein?

Tony: Reisen war immer meine Passion. Es gibt nichts, was ich lieber mache, und es langweilt mich nie. Die Orte, die ich sehen möchte gehen mir nicht aus.
Maureen: Reisen gehört zweifellos noch immer zu den größten Leidenschaften in meinem Leben. Allerdings bin ich nicht mehr so entspannt, wenn es um das Fliegen und all das Drumherum geht. Das Anstehen, das Warten… mir kommt es inzwischen so vor, als ob Flüge inzwischen so gut wie gar nicht mehr pünktlich starten.

Bedeutet Reisen für Sie eher Arbeit oder Vergnügen?

Tony: Ich kann das kaum trennen. Selbst wenn ich eine Urlaubsreise unternehme, bin ich ständig dabei, mir Notizen zu machen, oder darüber nachzudenken, wie ich das Erlebte nutzen kann. Aber auch reine Business-Trips sind immer interessant - ehrlich gesagt macht der Arbeitsaspekt das Reisen für mich noch interessanter.
Maureen: Für mich wird es mehr und mehr zum Vergnügen, da wir immer weniger davon abhängig sind, beruflich zu reisen.

Was geht Ihnen beim Reisen am meisten auf die Nerven?


Tony: Die Menschen jedenfalls nicht. Jede Nationalität hat ihre Eigenheiten, das ist genau das, was sie interessant macht. Was mich wirklich stört sind überzogene Sicherheitsmaßnahmen, und umständliche dämliche Beantragungs-Prozeduren für Visa.

Was ist das Schönste am gemeinsamen bzw. am Solo-Reisen?

Tony: Wir reisen hauptsächlich zusammen, oft auch mit gemeinsamen Freunden. Da wir aber zum Teil unterschiedliche Interessen haben, trennen sich unsere Wege hin und wieder auch. Das beste am Alleinreisen ist, voll und ganz den eigenen Interessen nachgehen zu können - in meinem Fall ist das zum Beispiel das Tauchen - damit kann Maureen nichts anfangen. Und man spart sich natürlich alle möglichen Diskussionen. Wenn man sich verirrt oder ein schlechtes Hotel ausgesucht hat, dann ist da niemand, der sich beschwert.
Maureen: Beim gemeinsamen Reisen die Erfahrungen zu teilen macht mir besonders viel Freude. Wenn man alleine unterwegs ist, ist man allerdings offener für neue und ungewohnte Erfahrungen.

Nehmen Sie Lonely Planet Guides mit auf Reisen?

Tony: Na klar. Allerdings nutze ich meistens auch andere Informationsquellen. Zum Beispiel einen Konkurrenzreiseführer, den ich einem Praxistest unterziehen will, Artikel und Berichte aus dem Internet, oder auch Reiseromane. Die liefern oft Informationen, die in keinem Reiseführer zu finden sind.

Stimmen Sie dem Statement zu: "If in trouble travel?"

Tony: Also in meinem Fall funktioniert das immer.

Welche drei Orte waren die schönsten, die Sie jemals besucht haben, welche die schrecklichsten, und warum?

Tony: Von diesen Einteilungen in "das Beste" und "das Schlechteste" halte ich nichts. Ich finde beispielsweise manchmal einen Ort gerade deshalb so besonders, weil er so "furchtbar" ist. Diese Ranglisten von wegen "tollste Stadt", "bestes Land" sind mir zuwider. Von daher nenne ich lieber sechs Destinationen, die ich am denkwürdigsten fand:

- Nord Korea - für mich das seltsamste Land, das ich je besucht habe. Ich hatte ständig das Gefühl, mich an einem Filmset zu befinden. Ich rechnete jeden Moment damit, dass ein Regisseur "Action" ruft, und die Menschen anfangen, ihre Rolle zu spielen.
- Südgeorgien - diese subantarktische Insel ist einfach spektakulär – schroffe Felsen, die aus dem Südatlantik ragen, verlassene norwegische Walfangstationen, Zehntausende Pinguine und Robben, Albatrosse, Wale… ein unvergessliches Erlebnis!
- Nepal - das Land, das wir wohl mit am häufigsten bereisen, weil die Trekking-Routen in den Himalaya die besten der Welt sind.
Indonesien - so viele Inseln, so eine Vielfalt, und ich würde sagen hier gibt es einige der bemerkenswertesten Hotels überhaupt.
- Italien - wer liebt dieses Land nicht? Die Lebensart, das entspannte Lebenstempo, das muss man einfach mögen.
-Iran - ein atemberaubendes Land mit unglaublichen Orten wie Isfahan und der antiken Stadt Persepolis und ausnehmend freundlichen, offenen und politisch interessierten Menschen.

Maureen: Meine Top Drei sind Nepal, die Mongolei und Mali. Keine Flops.

Hat Sie die Schönheit eines Ortes jemals zu Tränen gerührt?

Tony: Wir leben auf einem wunderschönen Planeten und neben schneebedeckten Bergen oder Koralleninseln gibt es unzählige Orte, die mir den Atem stocken lassen.
Maureen: Oft, und immer unerwartet.

Welche grundlegende Lektion hat das Reisen Sie gelehrt?

Tony: Dass Menschen überall im Grunde genommen das Selbe wollen. Und dass kein Ort jemals so schlecht ist, wie sein Ruf. Man sollte den Medien nicht alles glauben…

Was tun Sie, um das Reisen möglichst umweltverträglich zu gestalten?

Tony: Unser Leben dreht sich um das Reisen, von daher sind viele Dinge unumgänglich. Allerdings versuchen wir beispielsweise, Trips aneinanderzuhängen. Und weil Australien so entlegen ist, und von dort aus eigentlich alles weit ist, nutzen wir London als Ausgangspunkt für unsere europäischen Ziele. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man den Zug nehmen, anstatt zu fliegen.


01.07.09 - 10:12

 


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Reisen, Interview

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143 Länder hat Lonely Planet Mitgründer Tony Wheeler bisher bereist. Zu den Orten, die ihn am meisten beeindruckt haben gehört die subarktische Insel Südgeorgien. Hier leben keine Menschen, dafür Zentausende Pinguine.

143 Länder hat Lonely Planet Mitgründer Tony Wheeler bisher bereist. Zu den Orten, die ihn am meisten beeindruckt haben, gehört die subarktische Insel Südgeorgien. Hier leben keine Menschen, dafür Zehntausende Pinguine.
 Foto: iStockphoto

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