Teil 3: Berlins Nachtleben

Willkommen im Club!

Auch zu Ninas Gruppe gehört seit geraumer Zeit ein Easyjet-Raver, ein fadenbeiniger Däne, der aussieht wie ein angehender Architekt und jemanden kennt, der jemanden der Gruppe kannte, und irgendwie hängen geblieben ist. Macht nichts. "Jeder sollte einen dünnen Dänen mit Strumpfhosenjeans dabeihaben", meint Nina. Allerdings will er sich die ganze Zeit über Berlin oder Aki Kaurismäki unterhalten, was auf Dauer nicht nur Nina nervt. Irgendwann ist er betrunken und schläft in einer Ecke ein, sodass Yvonne und Nina überlegen, ob sie ihm seine Hose ausziehen könnten, denn Yvonne, die einen Minirock trägt, ist es an den Beinen ein wenig frisch geworden. Was würde der Däne wohl denken, wenn er aufwacht? Er würde sich einbilden, einen wichtigen Teil des Abends, den sexuellen nämlich, verpasst zu haben.

Ganz easy, Jetsetter

Um den sensiblen Baumeister nicht zu verstören, entscheiden Nina und Yvonne, dass er seine Hose anbehalten darf. Außerdem ist es Yvonne dann ohnehin nicht mehr so kalt. Die Sonne ist inzwischen aufgegangen, und die Musik pumpt so schön, dass man durchaus wieder ein bisschen herumwippen kann. Im Vergleich zu früher klingt Techno langsamer, reduzierter und feiner. "Minimal Techno" nennt sich der Stil, der in den hiesigen Clubs geprägt wurde. Verglichen mit den bombastischen, fetten Stücken der Gründerzeit, nimmt sich der heutige Stil aus wie ein Erbsenschaumsüppchen neben einer Currywurst. Doch diese Musik hat noch immer die Kraft, das Publikum zum Schreien zu bringen. Die Techniker feilen an den Soundsystemen, damit die Bässe die Tänzer noch wattiger einhüllen. Und wenn der Club Berghain neue Lautsprecher installiert, schicken die örtlichen Zeitungen ihren Kulturkorrespondenten vorbei.

Keine Namen, bitte

Und privater ist die Szene auch geworden. Früher freuten sich die Raver, in den Medien zappeln zu dürfen. Heute heißt es in vielen Clubs: Fotografierverbot. Und: Keine Namen, bitte. Das gilt besonders für die illegalen Clubs, die es auch noch gibt, deren Adresse aber nur Eingeweihte kennen. "Man sollte nicht über die Nacht schreiben", sagt Nina, "die Nacht ist zum Vergessen da, zum Sich-selbst-Vergessen." Vielen sei das zu privat, die Nacht einigen sogar heilig. Etwa den Gästen in der Bar 25. Der Club liegt hinter einem Bauzaun versteckt, direkt an der Spree, und ist für Menschen gedacht, die sich für unentdeckte Zirkus-Artisten halten.

Mädchen wie Elfen


Im Garten dreht sich eine metergroße Spiegelkugel, daneben hängt eine Schaukel, auf der oft Mädchen sitzen, die wie Elfen aussehen und Glitzersterne im Gesicht tragen. Die Bar 25 hat eigentlich immer auf. Entscheidend ist daher, wann man kommt. Entweder ist Tag der offenen Tür, oder man steht vor der härtesten Tür im Großraum Berlin. Samstagabends um neun, zu völlig falscher Zeit, erlebt man eine Überraschung: Man kann hier tatsächlich essen. Und zwar exzellent! Kurz vor dem Hauptgang klingelt Ninas Telefon: Es meldet sich Claudia, die alle seit der Bar Tausend vermissen und verzweifelt suchen. "Wo seid ihr?", fragt Claudia. "In der Bar 25, beim Essen", antwortet Nina. "Unmöglich. Da waren wir doch auch gerade." - "Nein!" Es stellt sich heraus: Claudia saß bis 20:30 Uhr beim Essen in der Bar 25, dann wurde sie mit ihrer Gesellschaft aufgescheucht, weil eine andere Gruppe den Tisch reserviert hatte. Und diese andere Gruppe war: Nina & Co! Wie klein die Welt doch ist. Manchmal sogar zu klein, um sich zu begegnen.

Lässt Du uns raus?

Beim Rausgehen trifft Nina ihre alte Freundin Angela. Deren Job ist es, an der Tür der Bar 25 zu sortieren. Angela genießt Respekt in Berlin. Zehntausende hat sie im Laufe der Jahre an der Tür abgewiesen: "Du, stell dich dahin." - "Warum?", fragt der Raver. "Weil ich es sage." Diesmal dreht Nina den Spieß um: "Angela, bist du so lieb und lässt uns raus?" Angela schaut Nina gespielt kritisch an und sagt: "Na, weil ihr et seid. Aber wiederkommen, wa?" Im Taxi zum nächsten Ziel sitzt ein gewisser Markus. Er zieht seinen Schlüsselbund heraus und sagt, dass dieser locker 10.000 Euro wert sei. Markus hat von allen relevanten Clubs die Metallanhänger gesammelt, die ihm kostenlosen und schnellen Eintritt garantieren. Er arbeitet als Trendscout für eine Zigarettenfirma und sagt, dass er den Betreibern des Berghain Geld geboten habe, viel Geld, damit die auch so einen Anhänger machen lassen. Das Berghain, bekannt für seine kurze Gästeliste und seine überaus basisdemokratische Tür (alle, alle müssen hier warten), lehnte ab. Man sei nicht bestechlich.

Reinlassen? denkt der Reporter sich


Und diese Geschichte macht das nächste Ziel der Gruppe gleich noch viel interessanter. Das Berghain, ein Kraftwerk, das nie in Betrieb gegangen ist, ragt wie ein Solitär zwischen Möbelhäusern, Getränkelagern und Baumärkten heraus. Die auf sechs Köpfe dezimierte Gruppe steht plötzlich vier Türstehern gegenüber. Ihr Chef, der schreckliche Sven, das Gesicht voller Tattoos und Piercings, ist im zwielichtigen Hintergrund zu erahnen. "So, was machen wir jetzt mit euch?", fragt einer der vier. Reinlassen?, denkt der Reporter sich, und das machen die Herren dann auch, dankenswerterweise.


>> Teil 2: Lesen Sie hier weiter.

>> Teil 3: Lesen Sie hier weiter.
>> Teil 4: Lesen Sie hier weiter.
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>> Extra-Service: Berlins beste Adressen zum essen, tanzen, sitzen.

Text: Christian Gottwalt für das ADAC Reisemagazin

Den Originaltext finden Sie in der aktuellen Ausgabe des ADAC-Reisemagazins "Verliebt in Berlin". Weitere Informationen: www.adac.de/reisemagazin


24.09.09 - 11:00

 


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Der Club Weekend belegt gleich drei Etagen eines alten Bürogebäudes am Alexanderplatz. In den Stockwerken 12 und 15 spielt die Musik, auf der Dachterrasse nur der Wind. Der schönste Moment: wenn morgens die Sonne aufgeht.

Der Club Weekend belegt gleich drei Etagen eines alten Bürogebäudes amAlexanderplatz. In den Stockwerken 12 und 15 spielt die Musik, auf derDachterrasse nur der Wind. Der schönste Moment: wenn morgens die Sonne aufgeht.
 Foto: © ADAC Reisemagazin

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