Asien-Reise: Blog-Tipp

"Wann, wenn nicht jetzt?"

Die Journalistin Verena Schmuck reist für sechs Monate alleine durch Asien - und lässt Freunde und Interessierte auf einem Blog an ihrem Abenteuer teilhaben. fem.com hat mit der 27-Jährigen über ihre Erfahrungen und Pläne gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine halbjährige Asienreise zu machen?

 

Es war schon immer mein Traum, Reisejournalistin zu werden. Auch wenn mir mein neuer Job bei einer Kreativagentur riesigen Spaß machte, musste ich mir eingestehen, dass ich diesen Traum in den letzten Jahren völlig ausgeblendet hatte. An einem Sonntagabend fasste ich den Entschluss und sagte mir: Wenn nicht jetzt, dann werde ich es wohl nie wagen! Anschließend ging dann alles ganz schnell: Ich habe meinen Job gekündigt und einen Zwischenmieter für meine Wohnung gesucht. Das Erstaunliche war, dass mir das alles ziemlich leicht fiel. Ich glaube fest daran, dass man das Richtige tut, wenn man auf seine Intuition hört. Das habe ich in diesem Fall getan.

 

Sind Sie ganz alleine unterwegs?

 

Ja, da ich selbst nicht genau weiß, wie meine Route aussehen wird, wollte ich mir auch hier völlige Freiheit lassen. Natürlich reist man nie wirklich ganz alleine: Man trifft immer wieder Gleichgesinnte, die einen als Gefährten ein Stück auf der Reise begleiten. Trotzdem ist dies meine Reise, was für mich bedeutet, dass ich in erster Linie alleine unterwegs bin. 

Wo haben Sie Ihre Reise gestartet?

 

Am 6. Oktober bin ich in Nepal gelandet, wo ich für fünf Wochen in einer buddhistischen Klosterschule und an einer nepalesischen Schule Englisch unterrichtet habe. Ich wollte meine Reise mit einer konkreten Aufgabe beginnen, um mich auf diesem Wege in eine mir völlig fremde Kultur einzufühlen. Ich habe in meiner Rolle als Lehrerin nicht nur viel über eine neue Kultur gelernt, sondern in erster Linie über mich selbst.

 

Wie haben Sie sich auf die Reise vorbereitet?

 

So gut wie gar nicht. Das ist sicherlich untypisch, aber ich bin eben keine klassische Reisejournalistin und möchte es auch niemals werden. Ich habe mir zunächst verboten, mich mit Büchern oder Reiseführern über Nepal einzudecken. Allerdings wurde mein Drang nach Wissen über das Land kurz vor der Reise immer größer. So kaufte ich mir einen nepalesische Reiseführer sowie "Gebrauchsanweisungen" für Nepal. Das war eigentlich meine gesamte Vorbereitung. Ich bin froh, dass ich nicht mehr über das Land gelesen habe, denn ich glaube fest daran, dass die Offenheit für eine neue Kultur am besten funktioniert, wenn man nicht zu viele Thesen und Fakten in seinem Kopf verankert hat. In meiner Zeit hier habe ich natürlich so viel wie möglich Nepalesisch gelernt. Ich habe mich aber bewusst dagegen entschieden, vor meiner Reise die Sprache zu lernen.

 

Wie finanzieren Sie Ihre Reise?

 

Mit meinen Ersparnissen. Der Trip ist sozusagen ein Geschenk von mir an mich selbst. Ich bin daher nicht darauf angewiesen, zu jobben, allerdings schließe ich dies nicht aus. Wenn der richtige Job zur richtigen Zeit kommt, dann werde ich nicht Nein sagen.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem Reise-Blog gekommen?

Als leidenschaftliche Bloggerin stand es außer Frage, dass ich einen Reiseblog schreibe. Allerdings habe ich mich nach einigem Hin- und Herüberlegen bewusst gegen eine Medienkooperation bzw. ein Sponsoring meines Blogs entschieden. Ich wollte mir gerade am Anfang meiner Reise völlige Freiheit lassen, über welche Themen ich berichten und wie oft ich schreiben möchte. Schließlich wusste ich ja bis dato nicht, ob der Beruf der Reisejournalistin überhaupt etwas für mich ist. Jetzt kann ich klar für mich sagen, dass ich es liebe.

 

In manchen Ländern ist es sicher nicht so einfach, regelmäßig ins Internet zu kommen. Wie oft schaffen Sie es, Ihren Blog neu zu bestücken?

 

In Pharping, dem kleinen nepalesischen Ort in Kathmandu Valley, wo ich fünf Wochen lang gelebt habe, waren die Bedingungen, ins Internet zu kommen, tatsächlich nicht so einfach: Nachmittags hatten wir regelmäßig zwischen zwei bis vier Stunden Stromausfall. Genau dann hätte ich Zeit gehabt, online zu gehen. Ich habe es am Ende regelrecht zelebriert, wenn ich in meinem kleinen Zimmerchen bei Kerzenschein mein Gedankenbuch gefüllt habe. Später habe ich dann vieles daraus online gestellt.

 

Was war Ihr bisher tollstes, interessantestes Erlebnis auf der Reise?

 

Eine der beeindruckendsten Erfahrungen meiner Reise war ein zehntägiges Schweige- und Meditations-Retreat. In diesen zehn Tagen habe ich kein einziges Wort gesprochen und keinen direkten Augenkontakt mit anderen Menschen gehabt. Zehn Stunden am Tag haben wir meditiert: zehn Stunden voller Konzentration auf den eigenen Körper. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich erfahren, dass jedes Körpergefühl, jede Emotion, so wunderschön oder schrecklich sie auch sein mag, vergänglich ist. Das, was ich in diesen zehn Tagen erlebt habe, hat meine gesamte Vorstellungskraft übertroffen. Ich bin wirklich an meine physischen und psychischen Grenzen gestoßen. Der Blick in die Augen, der mich umgebenden Menschen nach dem Kurs, hat in mir so viel Liebe und Glück ausgelöst, wie selten zuvor. Es ist ein tiefes Gefühl von Liebe und Dankbarkeit für jeden Menschen, jedes Wesen, das einem im Leben begegnet.

Wie geht es nach der Reise für Sie weiter?

Eines habe ich in der Meditation gelernt. Jeder Moment, jede einzelne Empfindung ist vergänglich. Daher versuche ich, so wenig wie möglich zu planen, weil ich nicht weiß, was mich nach meiner Reise erwartet. Und ganz ehrlich: Ich möchte es auch noch gar nicht wissen. Ich lasse mich treiben und ich vertraue ins Leben. Wenn ich zurück in München bin, möchte ich mit einem klaren Blick um mich schauen, in mich hineinfühlen. Dann ist mir hoffentlich auch klar, welchen beruflichen Weg ich weiter verfolgen möchte. Ich habe keine Angst vor der Zukunft, im Gegenteil: Ich weiß, dass alles gut wird, aber ich weiß nicht, wie dieses Gute aussehen wird - und das ist auch gut so.

Interview: Carolin Axer

Mehr Infos:  veesworld.posterous.com

   
09.12.2009 - 11:31

 


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Tags:
Reise, Interview, Webseite
   
     

Kommentare

   
In ihrer Anfangszeit in Nepal unterrichtete Verena Schmuck an einer Schule. Zum Abschied schenkte sie ihren Kolleginnen diese roten Saris. Das Bild zeigt Verena mit ihrer Kollegin Anupa.

In ihrer Anfangszeit in Nepal unterrichtete Verena Schmuck an einer Schule. Zum Abschied schenkte sie ihren Kolleginnen diese roten Saris. Das Bild zeigt Verena mit ihrer Kollegin Anupa.
 Foto: veesworld.posterous.com

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