William Eggleston im Haus der Kunst – Der Zauber des Alltäglichen

Mittwoch, 25.02.2009

Er erkannte das Besondere im Banalen. Jetzt sind Egglestons leise Meisterwerke in München zu sehen.
Für Geld arbeiten musste William Eggleston nie. Er entstammte einer Südstaatenfamilie, die mit Baumwollplantagen zu Wohlstand gelangt war. Unbeeinflusst von kommerziellem Gewinnstreben widmete er sich von jungen Jahren an künstlerischen Interessen rund um Fotografie, Musik, Film und Audiotechnik. An der Universität von Mississippi belegte er Kunstkurse und versuchte sich vorübergehend  in abstrakt-expressionistischer Malerei. Nach Abbruch des Studiums zog es ihn kurzzeitig – mit Anfang zwanzig und frisch verheiratet – nach Paris, in der Annahme, er könne nur dort bedeutungsvoll fotografieren. Er schoss kein einziges Bild.

Schnappschussästhetik statt technisch perfektier Inszenierung

Auch zurück in seiner Heimatstadt Memphis vermochte er zunächst nichts zu entdecken, was sich des Festhaltens lohnte. Als er sich einem Freund gegenüber beklagte, dass ihn nichts in seiner Umgebung sonderlich ansprach, befand dieser, dass genau das ein guter Grund zum Fotografieren sei. Dieser Ansatz gefiel Eggleston, auch, oder vielleicht gerade weil er völlig der damals zeitgenössischen Fotografie entgegenlief. Während sich die zu jener Zeit tonangebenden Fotografen – wie etwa Ansel Adams und Edward Weston - mit durchgeplanter Akribie und technischer Perfektion der Ablichtung majestätischer Landschaften, idealisierender Portraits und Akten widmeten, wandte sich Eggleston mit seiner ganz eigenen Schnappschussästhetik dem ihn unmittelbar umgebenden Alltag zu.

Detailverliebter Blick für das scheinbar Banale

Supermärkte, die damals in den Vorstädten wie Pilze aus dem Boden schossen, die erwachenden Consumer Culture, Gehsteige, Einfahrten, Terrassen, blankpolierte Straßenkreuzer… Egglestons detailverliebter Blick erkennt das Besondere im scheinbar Banalen, Gewöhnlichen. Er fotografiert Kinderspielzeug genauso wie einen zum Dinner gedeckten Tisch, Interieurs von Südstaatenresidenzen, Supermarktangestellte bei der Arbeit, Bars und ihre Stammgäste, Nippes, Kleinigkeiten.

Leise Meisterwerke, die sich unaufdringlich offenbaren

Fast scheint es, als hatte Eggleston schon damals mit den Augen des zukünftigen Betrachters seine Motive gewählt. Gerade im Abstand der Jahre zeigt sich der Zauber des einst Alltäglichen. Egglestons Bilder sind leise Meisterwerke, die sich unaufdringlich offenbaren. Sie laden ein, innezuhalten, auf Entdeckungsreise zu gehen, wachsam zu werden für sein Spiel mit ungewöhnlichen Perspektiven, Licht und Schatten, Kontrasten und Details…
Die Ausstellung "William Eggleston – Democratic Camera – Fotografie und Video 1961-2008" im Münchner Haus der Kunst dauert noch bis zum 17.Mai 2009. Weitere Informationen unter: www.hausderkunst.de
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