Weltmeisterschaft 2010: Partnerschaft – Toleranz & Kompromisse

Freitag, 11.06.2010

Mit der Fußball-WM beginnt für viele Fans ein vierwöchiger Ausnahmezustand. Schwierig, wenn der Partner Fußball liebt und man selber nicht - oder umgekehrt. Ein Diplom-Psychologe gibt Tipps.

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Für eingefleischte Anhänger des runden Leders beginnt jetzt das Highlight des Jahres. Das hat bei manchen die Folge, dass alles andere - oft auch die eigene Partnerschaft - bis zum Finale am 11. Juli in den Hintergrund tritt.

Der Diplom-Psychologe und Parship.de-Coach Markus Ernst gibt im fem.com-Interview Ratschläge, die Paaren mit unterschiedlichen Fußball-Ambitionen helfen, die Weltmeisterschaft heil zu überstehen.
Das Szenario: Er ist großer Fußball-Fan und tut während vier Wochen WM kaum was anderes als arbeiten und fernsehgucken, ihr Interesse an Sport ist dagegen so gering, dass sie es als Zeitverschwendung betrachtet, auch nur ein Spiel komplett zu schauen.

Wie geht frau am besten mit der Fußballleidenschaft des Partners um, wenn sie der WM gar nichts abgewinnen kann?

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Schon zu Beginn der Weltmeisterschaft sollten beide Partner über die kommende Zeit sprechen und ihre Vorstellungen und Erwartungen teilen. So haben beide die Möglichkeit, sich auf die kommende Zeit einzustellen und müssen nicht ständig neue Kompromisse aushandeln. Beide Partner sollten zu einem gewissen Maß Toleranz üben und die vier Wochen WM nicht als Konkurrenzveranstaltung zur eigenen Beziehung sehen. Sie kann sich mit anderen treffen, die in einer ähnlichen Situation sind. Beispielsweise mit Freundinnen ein Wellness-Wochenende einlegen, während er die Spiele mit Kumpels verfolgt.
Geht es bei Konflikten im Spannungsfeld "Fußballbegeisterung und Beziehungspflege" wirklich immer nur um den Fußball - oder steckt mehr dahinter?

Die Tatsache, dass Psychotherapeuten Nottelefone geschaltet haben und die Zahl der Partnerschaftskrisen und -trennungen während Fußballgroßereignissen sprunghaft ansteigt, macht deutlich, dass es hier in einigen Fällen um wesentlich mehr geht, als nur um unterschiedliche Interessenslagen.

Häufig ist es ein sogenannter Stellvertreterstreit: Es geht nicht um die legendäre Zahnpasta-Tube und eben auch nicht um den Fußball an sich, sondern um den Wunsch nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Begeisterung und gemeinsamer Zeit. Die Partnerschaftskrise ist da, wenn ich das Gefühl habe, dass der andere all dies einem Sportereignis gegenüber zeigen kann, mir aber nicht.

Rückblick – Sexy Fußballer bei der WM 2010

Warum mögen viele Frauen es nicht, wenn der Partner begeisterter Fußballanhänger ist?

Da kann es verschiedene Gründe geben: Generell fällt es uns meist schwer, die Begeisterung, Leidenschaft und aufgebrachte Zeit für eine bestimmte Sache nachzuvollziehen, wenn wir diese nicht teilen können. Je nachdem, wie intensiv die "Liebe" des Partners zum Fußball ist, kann es sich auch um eine Form der Eifersucht handeln. "Dafür hast du Zeit, für mich aber nicht...". Die Partnerin erlebt eventuell die Leidenschaft und Begeisterung ihres Partners für den Fußball, die sie gerne auf ihre eigene Person bezogen wahrnehmen würde.

Fußballanhängern eilt ein anderer Ruf voraus als leidenschaftlichen Opernfans. Alkohol, Gegröle und Gewalt werden schnell in Verbindung mit dem Umfeld des Fußballs gebracht. Möglicherweise wäre es der einen oder anderen Frau doch lieber, wenn ihr Partner damit nicht in Kontakt käme.

– Weltmeisterschaft 2014: Wir lieben Fußball!

Gibt es vergleichbare Situationen auch umgekehrt?

Sicherlich gibt es auch vergleichbare Situationen bei Frauen, aber sie leben ihren Fanatismus für eine bestimmte Sache meist weniger exzessiv und egoistisch aus, als viele Männer dies tun. Vergleichbar, allerdings dann meist auf einen Abend beschränkt, sind "Sex and the City"-Frauenabende oder die Begeisterung für eine bestimmte Band, mit der er so gar nichts anfangen kann.

Wie kann man sich als Paar mit unterschiedlichem Fußball-Interesse auf eine beiderseits glückliche WM-Zeit vorbereiten?

Am besten trifft man bereits im Vorfeld Absprachen - welche Spiele für den Fußballfan in der Partnerschaft absolutes Pflichtprogramm sind und welche man nicht unbedingt gesehen haben muss. Hilfreich ist die konkrete Verabredung gemeinsamer Aktivitäten, bei denen der Fußball keine Rolle spielt und die Partnerschaft im Vordergrund steht. Beide Partner müssen versuchen, Toleranz gegenüber der Einstellung des anderen zu üben. Dazu gehört auch Rücksichtnahme: Er darf nicht die ganze Wohnung in Beschlag nehmen und überall Fahnen aufhängen, sie muss nicht gerade beim Elfmeterschießen im Finale lautstark ihre Freundin anrufen.

Für die "Nicht-Fußballfans" besteht auch die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu verabreden und viel Spaß zu haben. Oder man einigt sich auf einen Deal: Er hat in den vier WM-Wochen Narrenfreiheit, danach sie.

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