Welt-AIDS-Tag – Heimtückisches HIV

Donnerstag, 09.12.2010

Auch ein Vierteljahrhundert nach ihrer Entdeckung ist die Immunschwäche-Krankheit AIDS nicht besiegt. Fünf Dinge, die jeder wissen sollte.

1. Verbreitung weltweit
Weltweit sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Die Dunkelziffer ist hoch.

Allein im Jahr 2007 starben zwei Millionen Menschen an AIDS, darunter 420.000 Kinder unter 15 Jahren. 2,5 Millionen Menschen infizierten sich allein vergangenes Jahr - pro Minute fast fünf Menschen.

Am höchsten ist die Verbreitung des gefährlichen Virus im südlichen Afrika, doch auch die immer weiter steigende Zahl der Infektionszahlen in Osteuropa und Asien sind besorgniserregend.


2. Infektionen in Deutschland
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) leben in Deutschland aktuell rund 63.500 Menschen mit HIV und AIDS. Geschätzte 3.000 Menschen haben sich im Jahr 2008 angesteckt.

"Diese Neuinfektionszahlen in Deutschland liegen zwar im internationalen Vergleich auf einem niedrigen Niveau. Trotzdem dürfen wir im Engagement gegen AIDS nicht nachlassen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung, Christoph Uleer, auf einer Pressekonferenz zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember.

Seit Beginn der Epidemie im Jahr 1981 sind rund 34.000 Deutsche an AIDS erkrankt, gut 27.000 sind daran gestorben. 72 Prozent der Neuinfektionen entstehen nach Schätzungen des RKI, wenn Männer mit Männern Sex haben, etwa 20 Prozent bei heterosexuellen Kontakten. Durch infizierte Spritzen stecken sich sieben Prozent an, in einem Prozent der Fälle wird das Virus bei der Geburt von der Mutter aufs Kind übertragen.
3. Was tun im Notfall?
Nur Safer-Sex mit einem Qualitäts-Kondom - Aufdruck: "geprüft nach EN 600" - kann vor einer Infektion mit HIV schützen. Ist es trotzdem zu ungeschütztem Geschlechts- oder Oralverkehr gekommen, können möglicherweise einige Maßnahmen das Infektionsrisiko reduzieren: Der (eindringende) Mann sollte seinen Penis waschen, durch Urinieren kann versucht werden, Reste von Körperflüssigkeiten des Sex-Partners auszuscheiden.

Von Scheiden- oder Darmspülungen ist abzuraten, weil bisher nicht geklärt ist, ob sie das Infektionsrisiko nicht sogar noch erhöhen. Sperma in Mund oder Augen möglichst schnell ausspülen.

Bei einem erhöhten Infektionsrisiko - zum Beispiel, wenn bekannt ist, das der Sex-Partner HIV positiv ist - kann eine so genannte "Post-Expositions-Prophylaxe" (HIV-PEP) sinnvoll sein. Das ist eine vierwöchige Chemotherapie mit Medikamenten, die gegen die HI-Viren gerichtet sind. Die HIV-PEP kann allerdings nur dann wirken, wenn sie möglichst schnell nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr begonnen wird, am besten innerhalb von zwei Stunden nach dem Risikokontakt.

Der Erfolg dieser Behandlung ist bislang nicht genau geklärt. Es können starke Nebenwirkungen auftreten. Wichtig: Die HIV-PEP ist eine Behandlungsmöglichkeit für extreme Ausnahmesituationen und auf keinen Fall ein "Kondom für danach"!
4. Der HIV-Test
Die Entscheidung, einen HIV-Test machen zu lassen, ist frei: In Deutschland ist es untersagt, die Untersuchung ohne Wissen und Einverständnis des Patienten durchzuführen.

Wer befürchtet, sich mit dem HI-Virus infiziert zu haben, sollte sich zunächst über mögliche Konsequenzen eines positiven Testergebnisses informieren. Aidshilfen (www.aidshilfe.de), Gesundheitsämter und die Telefonberatung der "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" (www.bzga.de) bieten entsprechende Beratungen an - auf Wunsch auch anonym.

Besteht wirklich ein Infektionsrisiko, kann nur ein Bluttest Gewissheit verschaffen. Dabei wird überprüft, ob der Körper Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Diese bilden sich normalerweise innerhalb von drei bis zwölf Wochen nach einer Infektion, weshalb die Untersuchung frühestens drei Monate nach der letzten Risiko-Situation durchgeführt werden kann.
Wo man sich testen lassen kann, erfährt man beispielsweise telefonisch bei einer Aidshilfe. Viele Gesundheitsämter bieten den Test kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr an. Vorteil im Vergleich zu einer Arztpraxis: Die Untersuchung wird anonym durchgeführt, das Ergebnis wird nicht "aktenkundig".

Schnell-Tests sind in Deutschland nur für wenige Notfallsituationen zugelassen, von "Tests für zu Hause" - die zum Teil im Internet vertrieben werden, in Deutschland aber nicht zugelassen sind - ist dringend abzuraten, da sie kein verlässliches Ergebnis bieten.


5. Leben mit HIV und AIDS
HIV und AIDS können bis heute nicht geheilt werden. Trotzdem geht seit 1987 die Zahl der Personen, die die Krankheit als Bedrohung ansehen, ständig zurück. Das ist extrem gefährlich!

Zwar ermöglichen heute bessere Therapien ein längeres Leben mit dem Virus - die dauerhafte Einnahme der Medikamente führt jedoch zu Nebenwirkungen, die Gesundheit und Psyche stark belasten können. Noch immer erleben viele Infizierte soziale Ausgrenzung. AIDS-Kranke, die nicht mehr arbeiten können, geraten häufig in finanzielle Not.

Mehr Infos:
www.aidshilfe.de
www.aids-stiftung.de






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09.12.2010 13:36
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