Was die Krise mit der Mode macht – Krise, welche Krise?

Samstag, 28.02.2009

Die Finanzkrise ist in der Modewelt angekommen: Es wird an Einladungskarten gespart, Schauen werden abgesagt und billigere Models gebucht.

Lange Zeit waren die Modehäuser vor größeren Finanzproblemen verschont geblieben - neue Märkte in Asien und Russland sorgten für das nötige Kleingeld. Dort gab es schließlich noch genug Frauen, die sich ein Haute Couture-Kleid für 200.000 Euro leisteten. Jetzt ist auch damit langsam Schluss.

Die Schauen der letzten Wochen waren ein Desaster: Bei der Haute Couture Woche Ende Januar in Paris wurde ein ganzer Veranstaltungstag eingespart, da fünf Modehäuser auf die kostspielige Präsentation ihrer Kollektionen verzichteten. Die französische Modeschöpferin Anne Valérie Hash, die erst seit vergangener Saison Mitglied der Haute Couture ist, sagte ebenfalls ab: "Es wäre rücksichtslos, eine Modenschau zu veranstalten, wo es doch meine Aufgabe ist, die Gehälter meiner Angestellten zu sichern." Vernünftig oder sollte man lieber gerade jetzt investieren?

Schauen nur noch im Internet

Auch die populären Schauen in New York traf es letzte Woche hart: Zahlreiche Designer wollten nicht mehr im Zelt am Bryant Park zeigen. Eine Stunde kostet hier nämlich zwischen 28.000 und 58.000 Dollar. Viele Designer zeigten an einer billigeren Location, im Internet oder gar nicht. Sogar der Branchenriese Gap übte sich in New Yorker Abstinenz. Das Label Halston zeigte seine Show nur im Internet - ein Trend, den das holländische Designer-Duo Victor & Rolf im letzten Jahr begannen. Jetzt machen viele Labels aus der Not eine Tugend.

Das hat zwar den Vorteil, dass die Eintrittskarten nicht so exklusiv vergeben werden wie zum Beispiel bei Chanel, wo eine Einladung ja einem modischen Ritterschlag gleich kommt und Fashionistas weltweit gespannt die neuesten Kreationen bewundern dürfen. Allerdings darf man nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, Stoffe und Schnitte live am Model zu sehen. Viele Einkäufer dürften das genauso bewerten und ihre Bestellungen gleich nochmal reduzieren. Auch hier gilt: Wären nicht gerade jetzt Investitionen angebracht?

Außerdem geht natürlich der Front-Row-Gossip verloren - die Frage, welches Outfit Victoria Beckham bei Marc Jacobs‘ Show trug, beschäftigte schließlich einschlägige Magazine tagelang. Marc Jacobs sparte übrigens auch und verschickte zu seiner New Yorker Show nur noch langweilige 700 Einladungen statt der früheren 2000.

Chanel hält zwar an seinen teuren Laufsteg-Shows fest, musste aber Leute entlassen und ein Prestige-trächtiges Kunst-Event absagen. Die Tour des Chanel Contemporary Art Containers wurde gecancelt. Die aufwändig geplante weltweite Tour endete schon nach der ersten Station in New York.

 

Topmodels sind zu teuer

Was in der Krise auch neu ist: Die Modehäuser sparen an bekannten Gesichtern. Internationale Topmodels kosten viel. Aidan Jean-Marie, Chef der Londoner Agentur Premier Model Management bestätigt, dass nur noch Models mit einer günstigeren Tagespauschale gebucht werden. Kunden, die früher bereit waren, für Agyness Deyn oder Coco Rocha 2300 Euro oder mehr hinzulegen, buchen nun lieber Katalogmodels für die Hälfte. Auf den Laufstegen der vergangenen Schauen waren Topmodels Mangelware.

In Mailand gab es dann letzte Woche eine neue Hiobsbotschaft. Neben vielen kleinen Modehäusern wird auch ein italienisches Urgestein seine neue Kollektion nicht zeigen: Robert Cavallis Mutterkonzern, die IT-Holding, wurde vor zwei Wochen wegen Verschuldung unter Insolvenzverwaltung gestellt. Ob für Herbst-/Winter überhaupt produziert werden kann, ist fraglich. Gianfranco Ferré gehört ebenfalls zur IT-Holding - was auf das Traditionshaus noch zukommt ist ebenfalls unklar.

Renzo Rosso von Diesel macht sich hingegen keine Sorgen. In einem Interview mit dem SZ-Magazin sagte er: "Ich hoffe, dass 15 Prozent aller Firmen pleitegehen. Das wäre gut für uns alle, denn es gibt viel zu viel von allem da draußen. Zu viel, das keinen Sinn macht, das von gestern ist. Wir aber müssen eine neue Generation aufbauen. Krise ist gut. Wie ein großer Regen, wie eine Revolution." Na dann...

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28.02.2009 14:42
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