Nackt-Yoga: Hüllenlos zur Selbsterkenntnis

Mittwoch, 25.02.2009

Wirklich mutige Yogis praktizieren neuerdings nackt. Und das nicht etwa allein, sondern in der Gruppe.

Die Yoga-Welt wird immer bunter. Inzwischen wird auf dem Pferderücken praktiziert, auf verschneiten Gipfeln und mit dem Snowboard an den Füßen. Alles Pille-Palle im Vergleich zum neusten Yogatrend, der sich – kaum überraschend – in New York abzeichnet: Völlig ohne lautet die Devise im "Phoenix Temple",  New Yorks erstem Nacktyoga-Studio für Männer und Frauen. Gegründet von der 26-jährigen Isis Phoenix, die eines schönen Tages im vergangenen Jahr ihre Dusche verließ, und danach vergaß, sich anzuziehen.

Sinnlich, nicht sexuell

Glücklicherweise fiel ihr dies nicht an der Supermarktkasse auf, sondern inmitten ihrer morgendlichen Yogapraxis, die sich, wie sie fand, so völlig kleiderlos um einiges besser anfühlte als sonst. "Warum macht das eigentlich nicht jeder so?", fragte sie sich, und begab sich auf die Suche nach öffentlichen Nackt-Kursen - nur um feststellen zu müssen, dass sich das dünne Angebot ausschließlich an eine männliche und homosexuelle Zielgruppe wandte. Also gründete sie kurzerhand ihr eigenes Studio in Manhattan, wo sie seither Kurse für beide Geschlechter anbietet, die zwar mitunter sinnlichen aber nie sexuellen Charakter haben.

Allein unter Männern

Während die Mann-Frau-Ratio in traditionellen Yogaklassen bei etwa 1 zu 10 liegt, kann es im „Phoenix Temple“ durchaus vorkommen, dass Frau sich allein unter Männern wiederfindet. Klingt nach Alptraum, ist aber keiner, wie weibliche Teilnehmerinnen berichten. "Schon nach wenigen Minuten vergisst man die Bierbäuche und haarigen Hintern – und die wenigen gestählten Bauchmuskeln um sich herum", so die Journalistin Annemarie Conte, "Man ist sich zwar der eigenen Nacktheit bewusst, aber fühlt sich deswegen nicht unwohl, sondern befreit".

Nackt sind wir netter - zu uns selbst und anderen

Die Atmosphäre in den Klassen ist auffallend warm und respektvoll. Nacktheit lässt Fassaden bröckeln, macht verletzlich und nährt zugleich die Nachsichtigkeit mit sich und anderen. "Sobald wir nackt sind, werden wir nachsichtiger, gnädiger - uns selbst und auch anderen gegenüber," sagt Studio-Mitgründerin Brit McMurray. "Nacktheit macht uns alle gleich", ergänzt Isis. Und sie erinnert daran, dass wir nicht nur aus einem Kopf und den vielen Rollen bestehen, die wir Tag für Tag spielen. "Unsere Wahrnehmung beginnt im Alltag etwa auf Nackenhöhe, und wir haben weitgehend vergessen, den Körper und den Atem bewußt und ganzheitlich mit einzubeziehen. Sobald man die Fähigkeit dazu entwickelt hat, kann man alles schaffen."

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Wirklich mutige Yogis praktizieren neuerdings nackt. Und das nicht etwa allein, sondern in der Gruppe.
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25.02.2009 12:36
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