"Twilight"-Phänomen: Interview – Bestseller mit Biss

Mittwoch, 23.12.2009

Robert Pattinson liest gerade "Bestseller mit Biss." Grund genug für fem.com-Autorin Bente Mattes, beim Autoren Nicola Bardola anzurufen.

Da lag es. Das Buch zum "Twilight"-Hype. Während der Pressekonferenz zum Filmstart von "New Moon" in München ruhte die englische Version von "Bestseller mit Biss" direkt vor Hauptdarsteller Robert Pattinson auf dem Tisch. Offenbar gehört das Buch zu seiner Lieblingslektüre. Neugierig geworden, rief fem.com-Autorin Bente Mattes gleich bei Autor Nicola Bardola an, der in seinem Buch das "Twilight"-Phänom untersucht. Der gebürtige Schweizer und Vater einer 18-jährigen Tochter, lebt und arbeitet als Kinder- und Jugendbuchkritiker in München. Weiß er, wie gut sein Buch bei Robert Pattinson ankommt?

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In seinem Buch "Bestseller mit Biss" erklärt Nicola Bardola, warum die Vampirsaga "Twilight" so viele Menschen fasziniert. Das Buch bietet Hintergrund- informationen und eine umfangreiche Sammlung an Lesermeinungen.

7,95 Euro, Heyne Verlag. Bestellbar z.B. über amazon.de.

Herr Bardola, bei der Pressekonferenz in München lag Ihr Buch "Bestseller mit Biss" in der englischen Version auf Roberts Tisch. Wie kam es denn dahin?

Durch Zauberhand.

Sie geben sich also ähnlich geheimnisvoll wie Edward im ersten Buch. Dann kommen wir zu etwas nicht so Geheimen: Wie kam es dazu, dass Sie über "Twilight" ein Buch schrieben?

Anlass war ein Interview mit Stephenie Meyer im Frühjahr 2008, das ich für das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels führte. Dabei habe ich die Autorin gut kennengelernt. Mir wurde schnell klar, wie groß "Twilight" international wird und ich habe mich gefragt, warum die Bücher so einen Erfolg haben. Im Interview hat mich Stephenie Meyer dann als Person sehr beeindruckt. Außerdem haben mich die scharfen Angriffe mancher Literatur-Kritiker, vor allem auch in Bezug auf Meyers Religiosität, im Zusammenhang mit ihren Büchern verwundert. Auch da war es für mich interessant herauszufinden, was da wirklich dran ist.

Worüber soll ihr Buch also konkret Auskunft geben?

Ich will zum einen erklären, woher Stephenie Meyers Erfolg kommt. Zum anderen möchte ich aufzeigen, was das Besondere an den Büchern ist und warum so viele Mädchen, erwachsene Frauen und inzwischen auch Jungen und Männer diese Bücher gern lesen. Mein Buch ist eine Art interessantes Handbuch oder Interpretationsbuch, das Blicke hinter die Kulissen erlaubt.

In Ihrem Buch zeigen sie auf, dass Sie ein umfangreiches Hintergrundwissen haben. Wie haben Sie recherchiert, mit wem haben Sie noch gesprochen?

Wesentlich war für mich zuerst einmal das Interview mit Stephenie Meyer. Dann waren die Bücher selbst meine wichtigste Informationsquelle. Niemand außer mir hat zuvor die Widmungen genauer analysiert. Denn wenn man Stephenie Meyers Widmungen der vier Bücher genau durchliest, wird man zum Beispiel überraschenderweise feststellen, dass sie die Bücher allen möglichen widmet, nur nicht ihrer Mutter. Diese hat sie ausgespart. In jetzigen Interviews fällt mir auf, dass sie ihre Mutter nun häufiger erwähnt und sich auch bei ihr bedankt, was sie früher tatsächlich nie gemacht hat. Möglicherweise hat sie mein Buch bereits gelesen. (lacht) Es wäre mir eine große Freude, wenn dem so wäre und sie durch mein Buch Dinge bemerkt, die sie zum Nachdenken bringen und sie auf Dinge an sich aufmerksam wird, die ihr vorher nicht so bewusst waren. Es ist tatsächlich bei Autoren oft so, dass ihre Bücher mehr über sie sagen, als ihnen selbst bewusst ist.

Hatten Sie auch Kontakt zu Lesern und Fans?

Ja, nach dem Interview habe ich eng mit der aktiven deutschen Fan-Website www.team-edward.net zusammen gearbeitet. Unter anderem habe ich einen Fragebogen zusammengestellt und Team Edward hat diesen veröffentlicht. Über hundert Antwortbögen habe ich von Leserinnen im Alter von acht bis über vierzig Jahre zurückbekommen. 

Gallery: Damals und heute – Die Twilight-Stars damals


Haben Sie im Rahmen Ihrer Recherchen auch Gelegenheit gehabt, mit den Schauspielern zu sprechen?

Nein. Mit den Schauspielern habe ich nicht gesprochen. Denn die Filme nehmen in meinem Buch einen relativ kleinen Teil ein. In "Bestseller mit Biss" geht es hauptsächlich um die Romane als Basis dafür, dass Mädchen zweieinhalbtausend Seiten lesen. Stephenie Meyers Schreibe und ihre Ideen sind Ausgangspunkt für das Phänomen. Der Twilight-Hype ist nämlich gar nicht zu verstehen, wenn man die Bücher nicht gelesen hat und demnach die Magie des Textes nicht kennt. Das, was im Kino passiert, ist eigentlich nur eine Erinnerung an ein großartiges Leseerlebnis. Das wird mir in meinen Erfahrungen auch immer wieder bestätigt. Denn wenn Filmkritiker die Filme unvorbereitet, also ohne etwas gelesen zu haben, anschauen, sind sie meistens recht enttäuscht und können den Hype nicht nachvollziehen.



Bleiben wir beim Kino. Was halten Sie von den Verfilmungen? Haben Sie den zweiten Teil schon gesehen?

Ich muss gestehen, ich war unterwegs und konnte bisher nur Ausschnitte von New Moon sehen. Ich kenne aber den ersten Film und ich muss sagen, dass ich ihn für eine Literaturverfilmung sehr gelungen finde. Auf der Homepage von Stephenie Meyer nimmt sie Stellung zu den Fragen der Fans. Und da habe ich gelesen, dass es im zweiten Film einige Abweichungen gegeben hat, die sie aber rechtfertigt. Ich bin gespannt.



Was spricht sie als ein erwachsener und literaturerfahrener Mann an den Büchern an? Und hat sich Ihr Interesse vor und nach dem Interview mit Stephenie Meyer verändert?

Ja, definitiv. Nach dem Interview habe ich die Bücher schon etwas anders wahr genommen. Das heißt, ich habe die Bücher zuerst einmal aus professioneller Sicht als Journalist und Literaturkritiker gelesen. Durch die berufliche Auseinandersetzung mit den Büchern war ich auch emotional stärker eingebunden, fand es spannend, was ich las und habe mich schließlich einmal tiefer in die Materie hineingearbeitet.

Glauben Sie selber an Vampire?

Ganz klar: nein. Ich selbst glaube nicht an Vampire. Und auch Stephenie Meyer glaubt nicht, dass es sie wirklich gibt. Aber meine Erfahrungen und auch die Auswertungen der Fragebögen zeigen, dass es viele junge Mädchen gibt, die tatsächlich die Existenz der Vampire für möglich halten und hoffen, dass ihnen eines nachts auch einmal ein Vampir durchs Fenster steigt.

Und ihre Tochter, findet sie Twilight auch so gut wie ihr Papa?

Meine Tochter hat die Bücher gelesen, den ersten Film geguckt und sie hat auch schon Karten für "New Moon". Sie mag "Twilight", wenngleich sie dem Hype allerdings nicht verfallen ist.



Das Buch lebt von seiner Liebesgeschichte und der Unmöglichkeit sie auszuleben. Edward ist schließlich ein Vampir. Glauben Sie, dass die Liebesgeschichte an sich allein den Reiz des Buches ausmacht? Oder denken Sie, dass auch die Tatsache des unendlichen Lebens und einer ewigen Liebe den Reiz ausmachen?

Ich denke, zu allererst ist es die Liebesgeschichte, die den Erfolg ausmacht. Ich habe auch in meinem Fragebogen die Frage gestellt, ob die Leserinnen und Leser ewig leben wollen, und habe mehrheitlich Nein als Antwort bekommen. Und auch Stephenie Meyer hat mir im Interview gesagt, dass sie es furchtbar finden würde, auf dieser Welt ewig zu leben. Als Mormonin glaubt sie zwar an ein Leben nach dem Tod und stellt sich das schön vor. Aber eben im Nirwana und nicht auf der Erde. Ich denke, allen voran diese leidenschaftliche Liebe, die durch die Widrigkeiten der Beziehung zwischen einem Teenager und einem Vampir großen Schwierigkeiten unterworfen ist, und auch noch die mystische Welt, in der auch Werwölfe eine zentrale Rolle spielen, macht in der Gesamtheit die Faszination aus.



Apropos Liebe. Glauben Sie denn selbst auch an diese aufopfernde und selbstlose Art von Liebe?

Nein, allein schon deswegen nicht, weil es keine Vampire gibt, und auch keine Werwölfe. (lacht) Ich lese es aber sehr gerne, weil man es gern glauben möchte. Dementsprechend lese ich auch gern von dieser Leidenschaft. Ganz klar. Mit allen positiven wie negativen Aspekten. Und nach oben sind da keine Grenzen gesetzt.

Der Fantasy- und Jugendbuch-Hype im Allgemeinen ist sehr groß, was ja auch das von den Verlagen neu erfundene Genre All Ages zeigt. Wie schätzen Sie die Lage ein? Wird es noch mehr solche tollen Bücher wie Twilight geben?

Das wird sicher in ähnlicher Form passieren. Fan-Fiction, also wenn Fans Bücher schreiben, ist stark im Kommen. Viele veröffentlichen ihre Geschichten im Internet. Da gibt es sicher das ein oder andere Talent. Zum anderen sind die Verlage nach "Harry Potter" und "Twilight" stark animiert worden, nach Stoffen und Talenten zu suchen, die ein ähnliches Potential haben könnten.

 

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23.12.2009 15:46
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