Teilzeit-Arbeit hat Nachteile – Gerechtigkeit durch mehr Kinderbetreuung

Dienstag, 24.02.2009

Wie steht es um die Gleichberechtigung im Job? Eine neue Studie bringt Erschreckendes ans Licht.
Gestern verkündete EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in der Zeitung "Die Welt", der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen habe 2008 hierzulande um 23 Prozent unter dem von Männern gelegen. Damit gehöre Deutschland zu denjenigen EU-Staaten, in denen eine eklatante Ungleichheit bei der Bezahlung von Frauen und Männern existiere.
Ein Drittel der Frauen arbeiten teilzeit
Spidlas Analysen zufolge liegt das vor allem daran, dass deutsche Frauen häufig teilzeit arbeiten und (deshalb) selten Führungspositionen inne haben. Während rund 31 Prozent von ihnen nur einer stundenweisen Beschäftigung nachgehen, tun dies weniger als acht Prozent der Männer.
Das größte Problem dabei: In vielen Fällen wählen die Teilzeit-Arbeitnehmerinnen diesen Weg nicht freiwillig. Laut einer aktuellen Studie der Zeitschrift "Cosmopolitan" zusammen mit dem Business-Netzwerk "Xing" hat jede dritte Betroffene (ca. 33%) nur deshalb keine Vollzeitstelle, weil die Kinderbetreuungszeiten es nicht anders zulassen.
Ausbau der Kinderbetreuung extrem wichtig
Lediglich drei Prozent der Frauen meinen, mit ihrer Teilzeit-Tätigkeit dieselben Aufstiegschancen zu haben wie Vollzeit-Arbeitnehmerinnen. Kein Wunder also, dass 39 Prozent der insgesamt 1.000 Befragten den Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung als geeignetes Mittel sehen, mehr Gleichberechtigung durchzusetzen.
Eine gerechtere Entlohnung steht auf Platz zwei des Frauen-Wunschzettels: Jede fünfte Berufstätige (20%) gibt an, eine angemessene Bezahlung zu vermissen. Allerdings scheint das Selbstbewusstsein vieler Frauen nicht groß genug zu sein, diese aktiv einzufordern: 40 Prozent haben nach eigener Aussage noch nie nach einer Gehaltserhöhung gefragt.
Deutschland hinter Sambia und Tansania
"Es gibt noch eine Menge aufzuholen für Frauen in Deutschland. International sind wir in punkto Gleichheit in der Bezahlung, Pro-Kopf-Einkommen von Frauen im Vergleich zu Männern, dem Anteil der Frauen auf dem Arbeitsmarkt und erst recht in Führungspositionen abgeschlagen - hinter den skandinavischen Ländern, aber auch hinter Sambia, Tansania und Singapur", kommentiert Silvana Koch-Mehrin, FDP-Abgeordnete im Europäischen Parlament, die Ergebnisse der Studie.
Frauen müssten ihr Recht einfordern und selbstbewusster auftreten, denn ein Arbeitsplatz und eine gerechte Entlohnung seien keine Geschenke, sondern ein Anrecht. "Frauenarbeit hat genauso viel oder so wenig mit Selbstverwirklichung zu tun wie Männerarbeit", meint die erfolgreiche Politikerin, die selbst Mutter von drei kleinen Töchtern ist.

Kinderbetreuung ist noch immer vor allem Frauensache - das schlägt sich in den Jobchancen von Müttern nieder

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