Sieben Organspende-Mythen – Auf dem Prüfstand

Mittwoch, 26.11.2008

Noch immer kursieren zum Thema Organspende Gruselmärchen und viele falsche Annahmen. fem klärt die sieben größten Mythen auf.

1. "Es ist schon passiert, dass jemand vorzeitig für tot erklärt wurde, weil dringend Organe gebraucht wurden"
Das ist nur ein böses Gerücht. Voraussetzung für jede Organspende ist der vollständige und irreversible Hirntod des Patienten. Er muss unabhängig voneinander von zwei Ärzten im Abstand von mindestens zwölf Stunden festgestellt werden. Der tote Patient wird so lange künstlich beatmet, bis die benötigten Organe herausgenommen (explantiert) werden. Das muss sein, um die Sauerstoffversorgung der Organe zu gewährleisten.

2. "Wer einen Organspendeausweis bei sich trägt, ist Organspender."
Stimmt nicht: Auf dem Organspendeausweis kann man auch ankreuzen, dass man einer Organspende widerspricht. Außerdem ist es möglich, die Auswahl der Organe einzugrenzen oder bestimmte Organe auszuschließen. Die Entscheidung kann auch auf eine andere Person übertragen werden, die im Ausweis aufgeführt wird. Der Ausweis ist aus Papier, das bei Meinungsänderung jederzeit zerrissen werden und durch ein neues Exemplar ersetzt werden kann.

3. "Manchmal erkennen Angehörige einen Toten nicht wieder, weil ihm Organe entnommen wurden."
Der operative Eingriff der Organentnahme erfolgt mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt wie jede andere Operation auch. Nach der Explantation wird der Leichnam in würdigem Zustand zur Bestattung überführt. Tote Menschen sehen natürlich auch ohne Organentnahme anders aus, als in lebendigem Zustand.

4. "Ist ja gruselig, wenn die Angehörigen eines Toten wissen, wer mit seinen Organen herumläuft..."
Das passiert nicht, denn eine Organspende ist für beide Seiten anonym. Auf Wunsch wird den Angehörigen des Spenders lediglich mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

5. "Sehr junge und sehr alte Menschen können keine Organe spenden."
Das ist nicht wahr. Für die Organspende existiert kein Mindest- oder Höchstalter. Schließlich gibt es auch Patienten in jedem Alter, die auf ein Spenderorgan warten. Laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organspende ab dem 16. und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig.

6. "Das mit dem Organspendeausweis ist so kompliziert"
Das Gegenteil ist der Fall: Der Organspendeausweis ist ein simples Papierdokument. Die handschriftlich eingetragenen Informationen werden nirgends registriert. Viele Krankenkassen verschicken die Blanko-Ausweise kostenlos, häufig liegen sie auch in Arztpraxen oder Ämtern aus. Außerdem kann man den Ausweis kostenlos im Internet bestellen, zum Beispiel unter www.organspende-info.de. Das Ausfüllen dauert nicht länger als zwei Minuten.

7. "Wer krank ist, kommt als Organspender nicht in Frage"
Das gilt nur für wirklich schwere Erkrankungen wie Krebs, AIDS oder Tuberkulose. Ob eine Organspende medizinisch möglich ist, prüfen die Ärzte nach dem Hirntod, wenn eine Organspende tatsächlich geplant ist.

Mehr Infos:
www.organspende-info.de
www.tk.de

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26.11.2008 09:13
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