Shopping-Sucht – Kaufen, Zahlen, Schämen

Freitag, 25.07.2008

Fast jeder achte Bundesbürger gilt als stark kaufsuchtgefährdet. Für die oftmals jungen, weiblichen Betroffenen gibt es jetzt Hilfe: Das Uniklinikum Erlangen bietet eine ambulante Therapie.

Wer belohnt sich nicht gerne hin und wieder mit einer ausgedehnten Shopping-Tour? Doch wer immer wieder mit Herzklopfen und wie ferngesteuert in Läden geht und während des Gesprächs mit netten Verkäufern unzählige Dinge aussucht, die niemand braucht; wer mit den Händen voll bunter Papiertüten wieder rausmarschiert, um dann vom schlechten Gewissen gebeutelt zu werden - bei dem besteht die Wahrscheinlichkeit, dass er an Oniomanie leiden, das ist der Fachbegriff für Kaufsucht, die im schlimmsten Fall in der privaten Insolvenz enden kann.
Pathologisches Kaufen ist eine Störung der Impulskontrolle, vergleichbar mit der Spielsucht. Betroffen sind vermehrt jüngere Frauen aus allen Bevölkerungs- und Einkommensschichten, so die Wissenschaftler der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen. Die haben nun ihr eigenes Therapieangebot - übrigens das einzige seiner Art in ganz Deutschland - auf seine Wirksamkeit untersucht: Fast 50 Prozent der Teilnehmer konnten durch die ambulante Gruppentherapie ihr rauschhaftes Verhalten nachweisbar in den Griff kriegen.
12 Wochen hintereinander trafen sich die Teilnehmer jeweils 90 Minuten pro Woche gemeinsam mit einem Psychologen, um ihr Kaufverhalten bis ins Detail zu analysieren und zu besprechen.
Kern der Therapie ist es, ein Bewusstsein darüber zu erlangen, in welchen Momenten ein Shopping-Rausch naht. Hierfür werden Kaufprotokolle geführt. Wenn man das eigene Muster erkannt hat, werden Gegenstrategien gefunden, wie Radfahren oder kreative Tätigkeiten.
Ab Herbst 2008 wird eine neue Therapiegruppe am Uni-Klinikum Erlangen angeboten. Weiterbildungsangebote für ambulante Therapeuten sind ebenfalls in Planung. Außerdem wurde eine Selbsthilfegruppe in Fürth gegründet.
Kleiner Tipp für nicht-pathologische Fälle: Gehen Sie einfach in die Edelboutiquen von Gucci, Prada und Co. beispielsweise in der Münchener Maximilianstraße, dort sind die Stücke nicht nur unbezahlbar, sondern die Verkäuferinnen auch so unfreundlich, dass einem jede Lust auf Shoppen vergeht!
Mehr Infos:

www.psychosomatik.uk-erlangen.de

www.kaufsuchthilfe.de

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