Postpartale Depression – Wenn das eigene Baby fremd bleibt

Dienstag, 21.10.2008

Es gibt eine Krankheit, die kaum bekannt, aber unter jungen Müttern sehr verbreitet ist: Postpartale Depression. Was werdende Eltern wissen sollten.
Die Zahlen sind alarmierend: Zwischen zehn und 20 Prozent aller Erstgebärenden - das sind allein in Deutschland pro Jahr rund 80.000 Frauen - können sich nicht über ihr Baby freuen. Anstatt liebevolle Muttergefühle zu entwickeln, versinken Sie in Depressionen.

Nicht verwechseln darf man dieses schwere Krankheitsbild mit dem so genannten "Baby Blues", der durch Hormonschwankungen ausgelöst wird, häufig kurz nach der Geburt für Weinattacken und Gefühls-Auf-und-Abs sorgt, aber bereits nach wenigen Tagen wieder verschwindet.

Langwieriges Leiden
Postpartale Depressionen (PPD) hingegen dauern an, bei manchen Frauen setzt die Krankheit auch erst Wochen, manchmal sogar Monate nach der Geburt ein. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie "Depressionen nach der Entbindung" (partus = Trennung, Entbindung). Manchmal ist auch von "Postnataler Depression" die Rede.

Klassische Symptome sind - wie auch bei anders ausgelösten Depressionen - Freud- und Lustlosigkeit, das Gefühl, dass alles keinen Sinn mehr hat, Gereiztheit, körperliche Erschöpfung, Angst, nichts mehr leisten zu können, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit oder Frustessen sowie Schlafstörungen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Kind versorgt werden muss, die betroffenen Frauen nicht verstehen, warum sie keine glückliche Mama sein können und Ängste entwickeln, sich oder ihrem Baby aus lauter Überforderung etwas anzutun.

Drohende Abwärtsspirale
Häufig verschweigen Postpartal Depressive aus Scham ihre düsteren Gefühle oder werden von ihrer Umwelt nicht ernst genommen. Das ist gefährlich, denn so begeben sie sich in eine Abwärtsspirale, aus der sie allein nicht hinausfinden. Wird die Krankheit hingegen medikamentös und therapeutisch behandelt, so liegen ihre Heilungschancen bei annähernd 100 Prozent. Meist werden gegen PDD Psychopharmaka wie zum Beispiel Antidepressiva eingesetzt sowie Psychotherapien verordnet. In besonders schweren Fällen kann eine stationäre Behandlung in speziellen Mutter-Kind-Zentren sinnvoll sein - allerdings existieren dafür in ganz Deutschland nur rund 140 Plätze. Viel zu wenige für die hohe Zahl erkrankter Frauen.
Wodurch PDD ausgelöst wird, ist noch nicht genau erforscht. Man geht davon aus, dass zum Teil biochemische Voraussetzungen im Gehirn verantwortlich sind. Fest steht, dass Frauen, die schon einmal vor der Schwangerschaft an Depressionen gelitten haben, ein erhöhtes PDD-Risiko aufweisen. Auch traumatische Erfahrungen im bisherigen Leben, wie etwa der frühe Verlust eines Elternteils, schwerwiegende Trennungen oder mangelnde soziale Unterstützung können die Krankheit begünstigen. Eine Mutter, die beim ersten Kind an PDD litt, hat beim nächsten Kind ein Rückfallrisiko zwischen 30 bis 50 Prozent.

Verein "Licht und Schatten"
Oft erkranken aber auch völlig unvorbelastete Frauen mit mit komplett konfliktfreiem Lebensumfeld an Postpartaler Depression. Dann ist das Risiko besonders hoch, dass die Symptome fehlgedeutet werden. In Deutschland hat der Verein "Schatten und Licht" es sich zur Aufgabe gemacht, über die noch unbekannte Krankheit aufzuklären. Aktuell wird dieses Anliegen durch den Kinofilm "Das Fremde in mir" unterstützt, der die tragische Geschichte einer jungen Frau erzählt, die mitten im Leben steht, sich wahnsinnig auf ihr erstes Baby freut - und dann an PDD erkrankt.

Interview zu "Das Fremde in mir"
Ein ausführliches Interview mit Emily Atef, Regisseurin des Kinofilms "Das Fremde in mir", finden Sie auf der fem-Partnerwebseite Miss Tilly

Mehr Infos:
www.schatten-und-licht.de
www.ventura-film.de

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21.10.2008 18:02
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