Personal Shopping in London – Stil? Sicher!

Samstag, 09.04.2011

Mit einer Shopping-Beraterin völlig neue Seiten an sich entdecken - und Londons geheime Modeschätze.
Text: Susanne Frömel
Fotos: Philipp Ebeling
Die gute Nachricht zuerst: Ich bin ein romantisch-natürlicher Typ. Die schlechte: Das habe ich bisher nicht gewusst. Wir stehen in der Boutique Matches in Wimbledon Village. Alles ist geschmackvoll, teuer - und ich bin wieder einmal falsch angezogen. Jeans und ein Leibchen in A-Linie mit einem wilden Muster aus Karos. Meine Theorie: Brünette können kräftige Farben gut tragen. "Prinzipiell schon", sagt Eva Pahi-Schneider, "aber du bist curvy-curvy gebaut, du musst Stoffe tragen, die genauso kurvig fallen. Jersey zum Beispiel. Nichts, was steif absteht wie ein Zelt." Irgendwie ist das eine Erleichterung. Curvy-curvy hört sich allemal besser an als "jemand, der zu viel Eiscreme isst".

Individualität statt Gleichmacherei

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Eva Pahi-Schneider ist das, was auf Englisch Image Consultant genannt wird. Sie berät Menschen, die keine Zeit oder kein Geschick haben, sich ihrem Typ entsprechend zu kleiden. Sie durchsucht den Kleiderschrank nach unschmeichelhaften Klamotten, gibt Tipps, was Farbe und Stoffe betrifft, und legt einem freundlich, aber bestimmt die Hand auf den Arm, wenn man nach etwas greift, was nicht zu einem passt. 150 Pfund nimmt sie für einen halben Tag, 250 für den ganzen (180 bzw. 300 Euro). Was den Stil betrifft, so hat Pahi-Schneider klare Vorstellungen: kleine Läden statt großer Ketten, Individualität statt Gleichmacherei. Deshalb sind wir hier in Wimbledon Village.

"Du hast Kurven, du musst sie zeigen"
Im Matches schlüpfe ich in allerhand Kleider, die ich mich nie anzuprobieren getraut hätte: eine Mischung aus African Queen und Bohemian Princess. Das Erschütternde: Die Kleider stehen mir besser als das meiste, was ich mir selbst aussuche. Nebenan bei Max Mara steckt mich Eva Pahi-Schneider in ein schulterfreies Kleid aus braunem Satin. Ich habe darin einen Hintern wie eine Jazz-Mama aus New Orleans nach zu viel Gumbo, aber irgendwie sieht es auch, nun ja, scharf aus. "Du hast Kurven, du musst sie zeigen", sagt Eva Pahi-Schneider. "Wenn du versuchst, deinen Körper zu verstecken, siehst du automatisch verkleidet aus. Das ist ein Fehler, den viele machen."

Kleine Gärten mit dicken Autos davor
Am nächsten Tag geht es zur Bond Street, wo das mächtige Kaufhaus Selfridges steht. Das ist das touristische London: laut, hektisch, Kleider von der Stange. "Dass Besucher immer hier landen, ist so schade", findet Eva Pahi-Schneider, "denn die Viertel, in denen es sich wirklich aufregend shoppen lässt, liegen abseits der üblichen Touristenfallen" In Notting Hill zum Beispiel. Fabelhaft schöne Häuser mit adrettem, kleinem Garten und dicken Autos davor. Shopping-Gegenden sehen anders aus.

"You look like a million dollar baby"
Ich habe versucht, bei meiner Garderobe alles zu beherzigen, was meine Beraterin mir beigebracht hat: große Frau, große Muster, große Accessoires. Das gilt übrigens auch umgekehrt und ebenso für Männer. Trotzdem wird mir niemand nachrufen: "You look like a million dollar baby!", wie es Pahi-Schneider passiert ist, als sie an der Supermarktkasse stand. Mir fehlen noch die letzten Kniffe, das Händchen für das richtige Accessoire, die passende Tasche. Und Budget. Dann wiederum: Andere bekommen das auch mit wenig Geld hin.

Die hübschesten handgemachten Lederstiefel
Wir bleiben vor einem niedrigen Häuschen in einer Seitenstraße stehen. "Hier?" Eva Pahi-Schneider nickt. "Die Innenstadt ist so beliebig geworden. Die interessanten Boutiquen sind alle abgewandert. Und hier haben wir auch schon einen Laden, in dem es Schuhe gibt, die genau zu dir passen." Sie öffnet die Tür zu einem Laden, Fiorentini + Baker, dunkel und holzig wie ein Nähkästchen, und dort stehen auf Brettern die hübschesten handgemachten Lederstiefel, die eine Frau sich vorstellen kann. Romantisch, und natürlich: Ich bin sofort verliebt. Es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als meine Kreditkarte hervorzuholen. Eva Pahi-Schneider lächelt. "Ich wusste es doch."

"Nie im Leben!"

Drüben, auf der anderen Straßenseite bei Question Air, zeigt mir Eva Pahi-Schneider ein Kleid. Königsblauer Jersey, dramatischer Look, figurbetont. "Nie im Leben", sage ich. "Nimm es", sagt sie, "zieh es an. Du wirst fabelhaft aussehen." Ich mag es nicht, wenn andere Leute immer recht haben. Aber Niederlagen müssen eingestanden werden. Das Fazit: Seit etwa 25 Jahren ziehe ich mich vollkommen falsch an. Aber ich bin auf einem guten Weg. Und London bietet tatsächlich unglaublich tolle Möglichkeiten. Sie liegen nur nicht dort, wo Touristen sie vermuten.
Den ungekürzten Text und viele Shoppingadressen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des ADAC-Reisemagazins "London". Erhältlich hier.

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09.04.2011 15:20
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