Organspende: Aufklärung ist alles – I give you my Heart

Freitag, 05.12.2008

Tausende Deutsche warten auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Trotzdem besitzen nur 14 Prozent der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Woran liegt's?

Vielen Menschen fällt es schwer, sich gedanklich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Aber ist das wirklich der Hauptgrund für die Zurückhaltung der Deutschen in punkto Organspende?

Informationen fehlen

Eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Techniker Krankenkasse bringt Licht ins Dunkel: Gefragt nach dem Grund, warum sie keinen Organspendeausweis besitzen, geben 32 Prozent an, sie fühlten sich noch nicht ausreichend über das Thema informiert. 14 Prozent glauben, sie seien zu jung oder zu alt, um ein Organ spenden zu können, elf Prozent stehen dem Thema positiv gegenüber, haben aber schlicht noch keinen Ausweis ausgefüllt.

Die restlichen Befragten geben entweder gesundheitliche, ethische oder religiöse Gründe an oder meinen, keine Zeit zu haben, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Einige haben auch Angst, vorzeitig für tot erklärt zu werden (3%). Doch lediglich ein Prozent der Deutschen lehnt Organspende grundsätzlich ab!

Organe als letzte Hoffnung

Ein hoffnungsvolles Ergebnis, denn Deutschland fehlen akut Spenderorgane. 12.000 Menschen warten zurzeit auf ein lebensrettendes Organ, etwa 800 von ihnen brauchen ein neues Herz.

In diesem Jahr konnte bisher nur 267 Patienten mit einer Herz-Transplantation geholfen werden. Jeden Tag sterben drei Patienten, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten. Nach Angaben der "Deutschen Stiftung Organtrans-plantation" (DSO) ist die Zahl der Organspenden sogar rückläufig. Im ersten Halbjahr 2008 standen 1.923 zur Verfügung, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 151 mehr.

Transplantationsgesetz in Deutschland

Gesetzlich ist geregelt, dass nach dem Tod eines Menschen die Angehörigen entscheiden müssen, ob Organe gespendet werden sollen. Dabei sollen sie im Sinne des Verstorbenen handeln. Ein Organspende-ausweis, der im Portemonnaie mitgetragen oder bei nahestenden Menschen hinterlegt wird, ist dabei sehr hilfreich.

Kritiker des Transplantationsgesetzes fordern eine so genannte Widerspruchs-Lösung, wie sie in anderen Ländern wie zum Beispiel Spanien angewandt wird: Dort ist jeder Staatsbürger potentieller Spender - es sei denn, er widerspricht schriftlich.

Björn Nashan, Leiter des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, glaubt allerdings, dass eine Änderung des Transplantations-gesetzes nicht zu mehr Organspendern führen würde: "Ob wir eine Zustimmungs- oder eine Widerspruchslösung haben, spielt keine Rolle. Denn ohne die Zustimmung der Angehörigen werden nirgendwo Organe entnommen. Nicht das Gesetz muss sich ändern, sondern die Strukturen. Wir müssen das Verfahren transparent machen, über Lösungsmöglichkeiten informieren und diese auf einer breiten gesellschaftlichen Basis diskutieren."

Eine Sache von wenigen Stunden

Bei einer Organtransplantation ist vor allem Schnelligkeit gefragt. Vier Stunden darf ein Herz maximal außerhalb des Körpers ohne Sauerstoffzufuhr sein, damit es in einem anderen Menschen wieder seinen Dienst aufnehmen kann. Bei einer Leber sind es maximal zwölf Stunden, bei einer Niere bis zu 30 Stunden. Das minimiert die Auswahl der Spender.

Ihre Zahl ist aber vor allem deshalb so gering, weil dafür nur Menschen in Frage kommen, die durch einen Hirntod gestorben sind. Das passiert aber nur in etwa einem Prozent aller Todesfälle - meist tritt zuerst der Herzstillstand ein.

Von den 400.000 Patienten, die jährlich in deutschen Krankenhäusern sterben, kommen so nur 4.000 überhaupt als Spender in Frage. Umso wichtiger ist es, dass diese 4.000 Personen sich zu Lebzeiten mit dem Thema Organspende beschäftigt und eine klare Entscheidung dafür oder dagegen getroffen haben.

Betreuung der Angehörigen

Dank der modernen Medizin kann ein Spender heute mit seinen verschiedenen Organen bis zu sieben anderen Menschen das Leben retten. Ist sein Hirntod eingetreten, wird geklärt, ob es eine Zustimmung zur Organspende gibt. Für die Gespräche mit den Angehörigen nehmen sich die Transplantationsbeauftragten der Kliniken viel Zeit. Bei Bedarf können sie Kollegen der DSO hinzuziehen, die speziell für diese Gespräche geschult sind und sich, falls gewünscht, auch nach der Transplantation weiter um sie kümmern.

Sind die Angehörigen mit einer Organspende einverstanden, entsendet die DSO ein so genanntes "Explantationsteam" in das Krankenhaus, in dem sich der Spender befindet. Mittels einer Datenbank bei "Eurotransplant", einer Organisation im holländischen Leiden, die die Spenderorgane für Deutschland, Österreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Kroatien koordiniert, wird ermittelt, welche Patienten die jeweiligen Organe erhalten.

>> Die sieben größen Mythen zum Thema Organspende und was wirklich dahinter steckt. Hier geht's weiter!

Mehr Infos: www.organspende-info.de

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05.12.2008 10:47
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