Mercedes Benz Fashion Week – Doppelter Ritterschlag

Montag, 21.07.2008

Vivienne Westwoods Erscheinen glich einem Ritterschlag - hat es Berlin endlich geschafft, sich zur Modestadt emporzuschwingen? Angelique Thamm hat sich umgesehen.

Schluss, vorbei - die dritte Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin hatte es in sich. Noch nie waren so viele Einkäufer in der Hauptstadt und auch die Prominenz ließ sich nicht lange bitten, sogar ein internationale war darunter: Kim Cattrall, Mischa Barton, Rupert Everett und Annie Lennox.

Den fulminanten Beginn der Fashion Week machte, und das scheint eine Tradition zu werden, Hugo Boss. Das Auftakt-Défilé war wieder an einem besonderen Ort: nahe dem Westhafen. Nach einer Ausnahmegenehmigung in der russischen Botschaft und einer einmaligen Genehmigung für den Flughafen Tempelhof, eine würdige Nachfolge. Reduziert und in Bauhaus-Manier dominierten die Farben Kobaltblau, Schwarz und Weiß. In der ersten Reihe: Rupert Everett, Kim Cattrall, Mischa Barton. Was will man mehr? Nach dem Catwalk ging es in die angesagte Panorama Bar.

Am zweiten Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin freute sich wirklich jeder auf die Präsentation des Labels Unrath & Strano. Klaus Unrath übernahm 1996 die Leitung des Schnittateliers von Vivienne Westwood. Dort traf er 1998 Ivan Strano, Ende 1999 mündete diese fruchtbare Zusammenarbeit in der Gründung eines neuen Labels: Unrath & Strano.

Zur Show nahm allerhand Prominenz auf den Rängen Platz. Gegenüber saß Barbara Schöneberger, rechts daneben Model-Booker Payman Amin, der sein I-Phone dazu nutzte, die Show aufzunehmen. Bunt ging es zu: Pink und Rot weit und breit. Als neue Idee stachen farblich passende Latex-Gamaschen über Juwelen-Pantoletten hervor, ein Trend der bestimmt seine Nachahmerinnen finden wird. Viel Applaus gab es vor allen bei den Seidentuniken mit floralen oder Reptilien-Mustern. Nach der Show ist vor der Show und so eilten fast alle zur After-Show-Party ins Weekend, wo es zu Champagner Mini-Burger, Mini-Schnitzel und andere schöne Köstlichkeiten gab.

Am dritten Tag ging es zur Show von Scherer & Gonzales. Das Duo ist bekannt für seine seidig fließenden Roben und seine messerscharfe Schneiderkunst. Die Models trugen Mega-Plateauschuhe und langstielige Blumen an ihren Knöcheln. Die Alltagsmode: ultrakurz und feminin. Die Roben atemberaubend schön, was zu lauter Ahhs und Ohhhs und anhaltendem Beifall führte. Krönender Abschluss war das Hochzeitskleid - der Traum einer jeden Frau, der für fassungsloses Raunen in den Rängen sorgte.

Kommt sie?

Kommt Vivienne Westwood oder kommt sie nicht? Das war die Frage bei der letzten Show. Mussten Fashionistas und die Journaille in der letzten Saison vergebens warten, schürte doch die riesige Menge vor dem Bebelplatz berechtigte Hoffnung auf das Erscheinen der Queen of Punk. Tumultartig bewegte sich die aufschreiende Menge. Hoheitsvoll schritt die Westwood auf Plateauschuhen vorbei.

Wem es noch nicht klar ist, weiß es nun: Das Erscheinen der Designerin wird als Gradmesser der Wichtigkeit gewertet. Ihre Anglomania-Show begeisterte mit gutgelaunten (und nicht extrem dünnen) Models, Streifen dominierten und als Handtasche trägt sich gut ein Schrumpfkopf.

Zum Abschluss gab es minutenlange Standing Ovations: Für Vivienne Westwood, für die Mercedes-Benz Fashion Week, für Berlin, für die Mode. Manch' einer hatte Tränen in den Augen, ein bewegender Moment: Berlin wird modetechnisch langsam wichtig.

So wichtig, dass Karl Lagerfeld seine Kollektion 2009 im Hotel de Rome zeigen will. Über die Bedeutung der Berliner Modewoche wollte sich der Modeschöpfer dann aber doch nicht auslassen: "Ist das nicht ein bisschen früh?" fragte er.

Von Angelique Thamm


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