Let's Talk About ... Lifestyle – Sven van Thom im Gespräch

Montag, 08.09.2008

Kleiner, melancholischer Mann aus Berlin: fem traf den Musiker Sven van Thom zum Talk über hässliche Krawatten und Eselsritte durch Berlin.

Deine Musik lässt sich beschreiben als Gitarren-Pop meets Country und Western. Hast du einen Lieblings-Western? 
Allein schon wegen der Musik ist "The Good, the Bad, and the Ugly" wohl DAS Highlight dieses Genres. Aber um ehrlich zu sein kenne ich mich kaum mit Western aus. Der einzige Western, den ich zu Hause habe, ist "Texas" von Helge Schneider - der ist schon mal großartig, aber eben "nur" eine Parodie. Das weist auch schon darauf hin, dass ich beim Filmschauen lieber lache als mir Blutvergießen anzusehen. Und der Bud Spencer & Terence Hill-Humor spricht mich da weniger an als zum Beispiel Monty Python oder Trash à la "Napoleon Dynamite".  

Als Kind spielt man ja gerne "Cowboy und Indianer" - welchen Part hast du da früher immer übernommen? 
Das war mir egal, ob Cowboy oder Indianer. Hauptsache ich war der Gute - und das war immer variabel.
Wer oder was hat dich musikalisch inspiriert? 
Diversen Liedern meines Albums hört man diverse Einflüsse an: Lee Hazlewood & Nancy Sinatra, Leonard Cohen, R.E.M., Eels, Adam Green, Neil Young... In einem Lied haben wir uns sogar schamlos bei Manu Chao bedient, was die Instrumentierung anbelangt, dabei höre ich den privat eigentlich gar nicht. Wir waren während der Aufnahme nur so von unserer eigenen Unverschämtheit fasziniert, dass wir es einfach mit einem breiten Grinsen im Gesicht durchgezogen haben. Privat höre ich fast alle Musikstile - von Folk bis Hip Hop, von Schlager bis Metal. Aber die Größten waren und bleiben: The Beatles. Na gut, Bob Dylan ist auch nicht ohne.

Du hast mal gesagt: "Es gibt nicht vieles, wovon ich Ahnung habe - eigentlich nur von Musik und Liebe." Kannst du uns dein Geheimrezept für eine glückliche Liebe verraten? 
Kein Problem: In einer Beziehung läuft alles super, wenn der eine alles falsch macht und der andere ihm alles verzeiht. Nee, jetzt mal ehrlich: Die meisten meiner Lieder handeln von Trennung, Abschied oder davon, dass zwei gar nicht erst zueinanderfinden. Das "Geheimrezept für die glückliche Liebe" sucht man bei mir sicherlich vergebens - zumindest für die dauerhaft glückliche Beziehung, ansonsten wäre ich wahrscheinlich längst verheiratet, hätte acht Kinder, und es wäre noch immer kein Ende in Sicht.
Ansonsten halte ich viel von zwei Sprichwörtern, die sich auf den ersten Blick gegenseitig widersprechen: 1. "Gleich und gleich gesellt sich gern" und 2. "Gegensätze ziehen sich an" Ich glaube, dass beides stimmt - jedoch in verschiedenen Bereichen. Gleiche Interessen sind zum Beispiel prima, um gleiche Ziele verfolgen zu können - so etwas schweißt ja ungemein zusammen. Andererseits sollten zwei immer so unterschiedlich sein, dass sie füreinander interessant bleiben. Ich bin zum Beispiel nicht der große Redenschwinger, begrüße es dagegen sehr, wenn die Dame meines Herzens eher von der sprudelnden Sorte ist. Das hat natürlich auch seine Grenzen, versteht sich.  

Glaubst du, dass du als Musiker mehr Erfolg bei den Frauen hast? 
Ich glaube, dass ich diesbezüglich als Profi-Fußballer bessere Chancen gehabt hätte. 

Ein Song auf deinem Album trägt den Titel "Schatz, halt’s Maul" – wie oft hast du das schon zu einer Frau gesagt? 
Einmal - jedoch ohne die Anrede "Schatz". Und es tat mir sofort sehr leid. So etwas macht man einfach nicht. Höchstens im Scherz.

Du sammelst hässliche Krawatten aus den 70ern – wie kam es zu dieser skurrilen Leidenschaft? 
Meine erste Krawatte hatte ich mir für die Bühne zugelegt. Die war ungefähr so breit wie eine Katze auf der Autobahn - ein Monstrum. Über die Jahre habe ich versucht, mir einen guten Ersatz für mein erstes Stück zuzulegen. Und nur selten bin ich fündig geworden. Es ist ein echtes Kunststück, eine hässliche Krawatte zu finden, die man trotzdem mit Würde tragen kann. Es ist ein Sport, eine Herausforderung, und es unterstreicht meinen Hang zu hässlichen oder skurrilen Dingen. Schade, dass ich oft zu feige bin, die wirklich schlimmen Exemplare anzulegen. Ich könnte viel mehr Situationen erleben, in denen ich angelächelt werde - wüsste allerdings nie, ob aus Sympathie oder aus Mitleid.  

Wie würdest du deinen persönlichen Kleidungsstil beschreiben? 
Steif und zugeknöpft. Aber mit einem inneren Lächeln.


Was ist deine Vorstellung von einem coolen Date? 
Erst italienisch essen gehen und etwas Undefinierbares auf dem Teller entdecken, das man isst, ohne vorher den Kellner zu fragen, worum es sich dabei handelt. Danach ins Kino, und mitten im Film rausrennen und kotzen, weil das undefinierbare Etwas vom Italiener doch nicht das Gelbe vom Ei war. Ist mir genau so passiert.
War vielleicht nur streckenweise romantisch, und das mit dem Küssen hatte sich an dem Abend auch erst mal erledigt, aber auch viele Jahre später erinnere ich mich noch gerne daran. Was haben wir gelacht! Ich glaube, danach habe ich die einzigen zwei Zigaretten meines Lebens geraucht. Ein ereignisreicher Tag - ich könnte stundenlang davon schwärmen.

Du lebst angeblich ohne Radio, ohne Fernseher - und Zeitung liest du auch nicht. Hast du was gegen die Medien? 
Die Medien an sich sind großartige Erfindungen. Nur die Organisation des Inhaltes stört mich meistens. Das ist bei mir so eine Ambivalenz: Ich bin zwar froh, dass meine Platte im Fernsehen beworben wird, weil ich hoffe, dass Menschen darauf aufmerksam werden und sie kaufen. Aber ich weiß auch, dass mich das als Zuschauer relativ bald nerven würde.
Ein Großteil der Informationen in Funk, Fernsehen und Presse deprimiert mich, und so lasse ich lieber meine Finger davon. Mit der Entwicklung des Internets haben die alten Medien sowieso auf lange Sicht ausgedient. Da kann man sich ja schon mal langsam daran gewöhnen, ohne sie auszukommen. Ich weiß, ich weiß, das ist natürlich nur eine Symptomverschiebung. 

Im Video zu "Trauriges Mädchen" reitest du auf einem Esel durch Berlin – was war das für eine Erfahrung für dich? 
Neulich sagte mir ein Freund, ihm wäre das viel zu peinlich, durch die Stadt zu reiten und ständig dabei von Passanten beobachtet zu werden. Da bin ich Gott sei Dank autistisch genug, dass mir das nichts ausmacht. Einem Freund oder meinen Eltern ein neues Lied vorzusingen ist mit sehr viel mehr innerem Stress verbunden, als durch die anonyme Stadt Berlin zu reiten und dabei gefilmt zu werden.
Das Reiten an sich war natürlich putzig. Ich habe zwar schon auf Pferden gesessen, vom Reiten allerdings fast keine Ahnung. Es erforderte einen Haufen Konzentration, die richtigen Befehle zu geben - losgehen, lenken, anhalten. Ist ja eigentlich nicht viel, aber wenn man's nicht gewohnt ist, auch nicht ohne. Das Schwerste war wohl, dabei noch halbwegs cool auszusehen. Und ich finde, das ist mir hier und da ganz gut gelungen ist. Im Gegensatz zu den Bildern, in denen ich singe und Gitarre spiele - da bin ich mir irgendwie selber suspekt.

Wenn du in deinem nächsten Leben als Tier wiedergeboren werden würdest - welches Tier wärst du dann? 
Hausstaubmilbe. Stell dir das vor: ein komplettes Leben im Bett. Das Paradies!

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Sven van Thom im Gespräch
Kleiner, melancholischer Mann aus Berlin: fem traf den Musiker Sven van Thom zum Talk über hässliche Krawatten und Eselsritte durch Berlin.
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08.09.2008 16:58
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