Langlaufparadies St. Moritz – Langlauf Deluxe

Samstag, 02.01.2010

Ein Netz von 190 Loipenkilometern, das die Ebenen und gefrorenen Seen des Engadins umspannt, macht St. Moritz zu den besten Langlaufgebieten der Welt.

Am späten Nachmittag tauchen auf der Via Serlas in St. Moritz zwei seltsame Gestalten auf, die zwischen den Limousinen und den Luxus-Shops aussehen wie Außerirdische. Die beiden Langläufer bahnen sich mit rotem Kopf und außer Atem ihren Weg durch die Fußgängerzone des Schweizer Skiorts. Anders als die anderen Passanten tragen sie keine Gucci-Taschen unter dem Arm, sondern ein Paar Ski, sie stecken auch nicht in einer Pelzjacke, sondern in einer Kunststoffpelle.

Skilehrer mit Prada-Uniformen
St. Moritz ist als Beverly Hills der Berge bekannt, in dem ein Kaviar-Trüffel-Champagner-Menü im Grand Hotel des Bains auch mal 3700 Euro kostet und Skilehrer mit Prada-Uniformen unterwegs sind. Dabei ist das Oberengadin auch eines der besten Langlaufreviere der Welt - die Nummer eins im ADAC SkiGuide 2010. Am Ende des Langlauftages mischen sich in dem Ort duftende Pelz-Ladys und schwitzende Athleten. Und die Plastiksohlen der Langlaufstiefel klacken auf dem Kopfsteinpflaster wie die Stöckelschuhe der shoppenden Damen. Vielleicht ist dieser Gleichklang ja ein Zeichen dafür, dass sowohl die Langläufer als auch die High Society in St. Moritz zu Hause sind.

190 Pistenkilometer für alle Schwierigkeitsstufen
190 Kilometer lang ist das Langlaufnetz in dem 1.800 Meter hoch gelegenen Tal insgesamt, sodass manch abgelegener Ort besser per Ski zu erreichen ist als mit dem Auto. Petra Behle, die Olympiamedaillen-Gewinnerin und Weltmeisterin im Biathlon, hat während ihrer Karriere die besten Loipen auf allen Kontinenten getestet und kommt immer wieder gerne nach St. Moritz. Hier gebe es alle Zutaten für ein Langlaufparadies: ein weitläufiges Streckennetz, verschiedene Schwierigkeitsstufen sowie eine moderne Infrastruktur.

Über gefrorene Seen gleiten

In St. Moritz findet jeder Sportlertyp seine Idealroute: Athleten, die im zackigen Skate-Stil über die Bahnen flitzen, Traditionalisten, die im klassischen Stil in kleine Seitentäler wie das Val Fex und das Val Spinas vordringen, und Flaneure, die auf langen Latten durch die Winterlandschaften gleiten. Petra Behle freut sich besonders über die 75 Kilometer Loipen, die mit einem blauen Schild versehen und mit geringer Neigung auch für Anfänger geeignet sind. "Anfänger überschätzen sich oft und stellen dann frustriert die Ski in die Ecke", sagt sie. In St. Moritz passiert das selten. Eine berühmte Strecke führt zwölf Kilometer über den zugefrorenen Silsersee und den Silvaplanersee.

Umrahmt von Dreitausendern
Die schmalen Spuren sehen aus, als seien sie in die Eisdecke der Seen gemeißelt. Auf der ebenen Strecke müssen die Langläufer keinen Millimeter aufsteigen. Ein perfektes Anfänger-Revier. Petra Behle schwärmt vor allem für das "landschaftliche Erlebnis". Der Blick bleibt hier nicht an vereisten Büschen und Bäumen hängen, sondern kann schweifen, steigen und in dem weiten Tal auf die Reise gehen. Darüber recken sich die weiß polierten Flanken unzähliger Dreitausender - überragt vom 4049 Meter hohen Piz Bernina.

Der Engadin Skimarathon: 12.000 Teilnehmer, 12 Millionen Franken Umsatz

In St. Moritz mag es eine "Juwelenwoche" und Polo-Spiele geben, ein "Gourmet-Festival" und die "St. Moritz Art Masters". Das wichtigste Event aber ist der "Engadin Skimarathon". Seit 1969 führt die 42 Kilometer lange Strecke vom Startort Maloja über St. Moritz, Samedan, Pontresina und Chamues-ch. Bis zu 12.000 Sportler sind auf der bis zu 50 Meter breiten Loipe unterwegs. Aus der Entfernung sieht die Sportler-Masse aus wie eine dunkle Ameisenkolonie, die sich über ein weißes Tischtuch bewegt. Der Langlauf-Marathon ist ein Ereignis, die Stimmung an der Strecke gewaltig, und, in St. Moritz immer wichtig, auch der Umsatz stimmt: 12 Millionen Franken.

Langlauf auf dem Weg zur Trendsportart
Während des "Engadin Skimarathons" werden auch überzeugte Alpinisten zu Langlauffreunden und vergessen, dass sie ja eigentlich für die Varianten der Diavolezza und die steilen Eishänge des Piz Lagalb gekommen waren. Langlaufsport ist schon lange keine Sportart mehr für Flachlandtiroler, die mit Bommelmütze und Strickjacke einen Spaziergang auf Schnee unternehmen wollen. "Das Fernsehen hat den Langlauf in den letzten Jahren gut in Szene gesetzt", sagt Petra Behle, die den Wandel der nordischen Disziplin zur Trendsportart als Sport-Expertin beim ZDF genau beobachten konnte.

Funktionskleidung statt Bommelmütze
 
Nordic-Athleten wie Magdalena Neuner oder Tobias Angerer gelten gerade unter Jugendlichen als Stars und locken sie auf die Loipe. Auch auf den Schneebahnen um St. Moritz sieht man viele junge Gesichter. Langlaufen kann Action bieten, denn St. Moritz weist neben den Panorama-Loipen auch Strecken mit echten Schikanen auf. Die Loipe Palüd Lungia zum Beispiel, die sich auf fünf Kilometern zwischen St. Moritz und Silvaplana /Surlej erstreckt, beinhaltet kurze Anstiege sowie knifflige Abfahrten. Eine Bommelmütze trägt hier niemand, sondern Sportbrille, Funktionskleidung und Carbon-Stecken.

Wettlauf mit dem langsamsten Zug der Welt

Ein Juwel ist die höchste Loipe im Gebiet, die auf 2095 Metern an der Talstation der Diavolezza startet. Auf der 14 Kilometer langen Strecke können die nordischen Sportler sogar mit dem langsamsten Schnellzug der Welt, dem Bernina-Express, um die Wette laufen. Umnebelt von dichten Schneefahnen, zuckelt er parallel zu der Langlaufstrecke Richtung Berninapass. Und auch die Langläufer gleiten in den gespurten Loipen wie auf Schienen dahin und stoßen im Rhythmus ihrer raumgreifenden Schritte weiße Atemwölkchen in die Luft. "Sst, sss", zischt es unter den Skiern. "Tscht, tscht", macht der Zug. In so einem Moment sind die Via Serlas und der Cartier-Flagshipstore weit entfernt, und man ist wirklich in St. Moritz angekommen, diesem von Sonne und Schnee gesegneten Ort.

Text: Rita Balon

Diese Reportage wurde mit freundlicher Genehmigung dem aktuellen ADAC Skimagazin "Winter 2010 - Pistenglück" entnommen. Darin finden Sie auch wertvolle Reisetipps rund um St. Moritz und Langlaufen im Engadin.
Weitere Informationen unter:
www.adac.de/reisemagazin.

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St. Moritz gilt als das Beverly Hills der Berge, hat aber mehr zu bieten als Schickimicki-Szene. Und zwar eines der weltweit besten Langlaufskigebiete der Welt.

 

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02.01.2010 10:31
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