"Krasse Abstürze" - Teil zwei – Der Tag danach II

Donnerstag, 10.12.2009

Die 24-jährige Politik-Studentin Natascha Sagorski hat in ihrem Buch "Krasse Abstürze" 33 ebensolche zu Papier gebracht. fem.com präsentiert eine der Geschichten - hier der zweite Teil.

Der Tag danach, 2. Teil
Es musste ja wirklich ein spannender Abend gewesen sein, ich bedauerte fast schon, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. Dann hätte ich wenigstens eine Vorstellung davon gehabt, wie groß das Chaos genau war, das ich da wieder fabriziert hatte. Ob ich vielleicht einmal meinen Ex anrufen sollte, überlegte ich unsicher.

"Ich kann mich an nix mehr erinnern!"

In diesem Moment vibrierte mein Handy. Vor Schreck hätte ich es beinahe fallen gelassen. Etwas zögerlich und mit klopfendem Herzen öffnete ich den Posteingang, aber es war nur eine SMS von Inga. "Na, kannst du schon wieder gerade stehen?:-) Mach dir keinen Kopf wegen Dennis, der kommt schon drüber weg und das mit Carsten hätte sowieso nie geklappt! Ruf mich heut Abend mal an, bin jetzt beim Training! Kussi!" Na toll, das klang ja nicht besonders mitfühlend, ärgerte ich mich leicht. Und wirklich weitergebracht hatte die Nachricht meiner Freundin mich auch nicht. Also schrieb ich: "Was zum Teufel ist gestern passiert??? Ich kann mich an nix mehr erinnern!!! Hilf mir mal!" Die nächsten zwei Minuten verbrachte ich mit Fingernägelkauen.

Da vibrierte es wieder. Hektisch las ich: "Lol! Du hast Carsten gefragt, ob er ins Backside kommt, ihn dann gnadenlos angebaggert und in dem Moment geküsst, als Dennis kam. Dennis ist ausgeflippt und abgehauen, Carsten hinterher und du kichernd auf dem Boden. War echt lustig. Dann bin ich nach Hause. Weißt du echt nix mehr?"

Hatte ich mich so zum Idioten gemacht?
Langsam ließ ich meine Stirn auf den klebrigen Tisch vor mir fallen. Nein, nein, nein, schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Der letzte Hoffnungsschimmer in mir war erloschen. Hatte ich mich wirklich so zum Idioten gemacht? Ich konnte es kaum fassen. Ein anderer - noch erschreckenderer - Gedanke drängte sich in mein angeschlagenes Bewusstsein: Besuchte Carsten nicht gerade die gleiche Vorlesung wie ich? Ich meinte, mich erinnern zu können, dass er da mal was erzählt hatte. Aber bei meinem Erinnerungsvermögen hieß das natürlich nicht viel. Ich wollte trotzdem auf Nummer sicher gehen und packte hektisch meine Sachen zusammen. Die Vorstellung, einem der Hauptakteure des gestrigen Abends über den Weg zu laufen, löste Panik in mir aus. So rücksichtsvoll wie möglich quetschte ich mich durch die Reihen sitzender und schlafender Studenten nach außen.

Krasse Konsequenzen

Trotz meiner Bemühungen leise zu sein, drehte sich der halbe Saal nach mir um. Kurz war es mir, als ob ich in der Masse der herumwirbelnden Köpfe Carstens blonden Schopf gesehen hätte. Schlagartig bekam ich einen kochend heißen Kopf und stolperte die letzten Meter sehr unelegant nach draußen. Als ich die Tür zum Auditorium hinter mir zugeknallt hatte, lehnte ich mich kurz an dieselbige an und versuchte, meinen Atem zu regulieren. Ich konnte mich zwar nach wie vor nicht an die Ereignisse der letzten Nacht erinnern, aber ich ahnte langsam, welche Konsequenzen mein Ausfall zur Folge hatte. Ich beschloss, dass es am sinnvollsten wäre, wieder nach Hause zu gehen und mich ins Bett zu legen. Den ganzen Schlamassel einfach auszuschlafen, erschien mir einen Versuch wert.

SMS von Kati
Ein unheilvolles Vibrieren in meiner Hosentasche ließ mich kurz vor der Haustür stehen bleiben. Mein Display zeigte eine SMS von Kati, einer Kommilitonin, mit der ich mal eine Seminararbeit geschrieben hatte, an. "Stimmt es, dass du letzte Nacht im Backside gestrippt hast???", las ich mit wachsendem Entsetzen. Was um Himmels willen hätte ich darauf antworten sollen, ich hatte doch keine Ahnung! Stattdessen klappte ich mein Handy geräuschvoll zu und beschloss, diese Nachricht einfach zu ignorieren. Ich wollte gar nicht wissen, was letzte Nacht noch alles passiert war - ich konnte das, was ich wusste, schon nicht verkraften. Aber vor meinem inneren Auge sah ich meinen roten Spitzen-BH auf der Tanzfläche liegen. Ich löschte das Bild aus meinem Gehirn und versuchte, alle weiteren aufkommenden Bilder an meiner inneren Firewall abprallen zu lassen.

Was war letzte Nacht noch geschehen?

Die letzten Treppenstufen zu meiner Wohnung rannte ich hoch. Ich wollte nur noch den rettenden Hafen meiner vier Wände erreichen und hoffte, dass meine Wohnungstür sämtliche Horrornachrichten von mir fernhalten würde. Als ich die vermeintlich sichere Grenze erreicht hatte, schwand diese Hoffnung aber dahin. An meiner Wohnungstür klebte ein knallorangefarbener Zettel, auf dem in großen schwarzen Lettern "DANKE, DU GEILE SAU!" prangte. Ich riss vor lauter Entsetzen meine Augen so weit auf, dass sie zu tränen begannen. Ohne lange zu überlegen, riss ich den Zettel herunter, stürmte in meine Wohnung, stöpselte das Telefon aus und zog mir die Bettdecke über den Kopf. Was zum Teufel war letzte Nacht noch alles geschehen? Und wieder drang das Vibrationsgeräusch an meine Ohren. Wie ferngesteuert griff ich nach meinem Handy. Es war meine Mutter. Ich nahm mein Mobiltelefon und drückte den roten Knopf, bis es ausgeschaltet war. Mehr konnte ich heute einfach nicht ertragen.

Endgültig versaut

Fast alle Geschichten über diese Nacht stellten sich im Nachhinein als wahr heraus. Nur bei der Strip-Nummer hatte ich mich lediglich meines Tops entledigt und war nicht splitternackt durchs Backside gehüpft. Das hatte meinen Nachbarn (der seine Nächte ebenfalls im Backside verbrachte) dennoch so beeindruckt, dass er mir das hübsche orangefarbene Zettelchen an die Tür gepinnt hatte. Er fand das lustig. Meine Vermieterin, die im selben Haus wohnte, nicht. Ein paar Wochen lang war ich eines der Gesprächsthemen an der Uni, dann lösten mich andere arme Würstchen mit ihren Absturzgeschichten ab. Mit den zwei Jungs hatte ich es mir endgültig versaut, aber das war nicht so schlimm. Schon beim nächsten Besuch im Backside habe ich einen süßen Ersatz kennengelernt. Nur an seinen Namen erinnere ich mich leider nicht mehr …

Natascha Sargorski

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Das Buch "Krasse Abstürze. 33 fabelhafte Berichte über heftige Filmrisse, verrückte Totalausfälle und peinliche sexuelle Ausrutscher" von Natascha Sagorski ist im Verlag "Schwarzkopf & Schwarzkopf" erschienen, kostet 9,90 Euro und ist z.B. bei www.amazon.de bestellbar.

In ihrem Buch "Krasse Abstürze" hat die 24-jährige Politikwissenschafts-Studentin Natascha Sagorski diverse peinliche "Absturz"-Situationen niedergeschrieben.

In ihrem Buch "Krasse Abstürze" hat die Münchner Studentin Natascha Sagorski diverse peinliche Situationen niedergeschrieben. Um das Buch direkt im Online-Shop zu bestellen, klicken Sie auf das Cover!

 

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10.12.2009 17:39
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