"Krasse Abstürze" - Buch-Auszug – Der Tag danach

Donnerstag, 31.12.2009

Die 24-jährige Politik-Studentin Natascha Sagorski hat in ihrem Buch "Krasse Abstürze" 33 ebensolche zu Papier gebracht. fem.com präsentiert eine der Geschichten - exklusiv online.

Der Tag danach
Nina ist eine Feierbekanntschaft meiner besten Freundin und studiert BWL. In Augsburg nennt man sie Gerüchten zufolge auch Wodka-Woman. Wer genau diesen Spitznamen eingeführt hat, weiß ich zwar nicht, aber sagen wir es mal so: Die folgende Geschichte erklärt einiges.
Langsam entfaltete sich die Wirkung der vier Aspirin und meine Kopfschmerzen wurden etwas erträglicher. Der Professor schrieb vorne irgendwelche Gleichungen an die Tafel, doch von meinem Platz hinten konnte ich kaum eine Zahl erkennen. Ich hatte es gerade noch so zur Vorlesung geschafft.

Am Abend zuvor war ich mit meiner besten Freundin Inga unterwegs gewesen und der harmlose Abend beim Italiener artete ein wenig aus. Aber inzwischen ging es mir schon wieder einigermaßen gut. Nur etwas müde war ich.

Handy-Speicher leeren

Vorsichtig nippte ich an meinem Kaffee und kramte nebenbei mein Handy aus der Tasche. Dem Gelaber vom Prof konnte ich in meinem Zustand dann doch noch nicht ganz folgen. Gähnend tippte ich auf meiner Tastatur rum und drückte so lange eine bestimmte Tastenkombination, bis ein Ausrufezeichen nach dem anderen auftauchte. Als ich das halbe Display voll hatte, faselte der Prof immer noch von irgendwelchen Gammaverteilungen. Ich löschte die Ausrufezeichenkolonie und tippte mich in den Posteingang, um die Zeit zu nutzen und alte SMS zu löschen, bevor mein Speicher mal wieder komplett voll war.

SMS von 3 Uhr 23

Als ich die Namen der Absender bei den gelesenen Nachrichten überflog, um zu schauen, welche ich löschen könnte, zuckte ich unwillkürlich zusammen. Warum in aller Welt hatte mir Carsten letzte Nacht um 3 Uhr 23 eine SMS geschrieben? In mir meldete sich eine böse Vorahnung. "Es tut mir echt leid, ich finde dich wahnsinnig süß, aber ich fange nichts mit den Exfreundinnen meiner besten Freunde an. Schon gar nicht, wenn sie erst zwei Wochen getrennt sind. Sorry." Beim Lesen zog sich mein Magen zusammen. Ich zog so scharf Luft ein, dass sich die Kommilitonen in den Reihen vor mir irritiert umdrehten. Ungläubig fixierte ich meinen Handybildschirm.

Beliebte Fettnäpfchen – Oops! I said it again

Dieser Hammer hatte mich völlig unvorbereitet getroffen. Ich konnte mich an keinen SMS- oder sonstigen Verkehr mit Carsten erinnern und schon gar nicht während der letzten Nacht! Ich hatte meinen Kommilitonen zwar immer sehr süß gefunden, aber meines Wissens hatte der davon keine Ahnung.

Dennis, der Ex

Bis vor Kurzem führte ich eine dreimonatige Beziehung mit Dennis, einem der besten Freunde von Carsten, hatte aber immer wieder ab einem gewissen Pegel auf Partys mit Carsten geflirtet. Das war aber alles lange her und kein Grund, aus heiterem Himmel mitten in der Nacht so eine SMS zu schreiben. In mir keimte die nackte Panik auf, denn - wenn ich die Kurzmitteilung offensichtlich gestern gelesen hatte - was hatte ich letzte Nacht noch alles getan, an das ich mich nicht mehr erinnern konnte?

Das versprach nichts Gutes
Geistesgegenwärtig öffnete ich den Ordner mit den gesendeten Nachrichten und fahndete nach einer SMS, mit der ich Carsten möglicherweise geantwortet hatte. Mein Herz schlug schneller, als ich tatsächlich eine fand, allerdings zu einer deutlich früheren Uhrzeit. "Hey Sweetheart, hast du Lust noch ins Backside zu kommen? Würde mich freuen … Nina", las ich mit stummen Lippen ab. Daran, dass ich mit meiner Freundin Steffi im Backside war, konnte ich mich sogar noch erinnern. An mehr allerdings auch nicht mehr. Das versprach ganz und gar nichts Gutes.

"Ich hoffe, Carsten küsst besser als ich"

Die Nachricht an Carsten ging um 22 Uhr 53 raus, er antwortete mir aber erst um kurz nach drei. Ich überlegte, da lag verdammt viel Zeit dazwischen. Konnte es sein, dass er tatsächlich noch zu mir ins Backside gekommen war, versuchte ich mich zu erinnern. Die Kopfschmerzen kamen wieder zurück. Wenn mir nur ein bisschen was wieder einfallen würde, flehte ich still und klickte mich zurück in den Posteingang. Auf einmal sprang mir ein anderer Name ins Auge: Dennis, mein Exfreund, hatte mir um 2 Uhr 47 eine SMS geschrieben. Mit einem immer mulmigeren Gefühl im Bauch las ich seine Nachricht. "Schön zu sehen, dass es dir so gut geht. Ich hoffe, Carsten küsst besser als ich. Übrigens, du hast zugenommen. Schönen Abend noch! Dennis".

Ade, Trennung in Freundschaft

Ich schluckte, das war es dann wohl mit der Trennung in Freundschaft. Gleichzeitig drängten sich mir zwei Fragen auf. Erstens: Hatte ich Carsten geküsst? Und zweitens: Hatte ich zugenommen? Ob Carsten mich wohl deshalb nicht wollte? Ich schüttelte den Gedanken ab und kramte in meinem Gedächtnis nach irgendeinem Erinnerungsfetzen von gestern Abend. Doch in keiner meiner spärlichen Erinnerungen kam Carsten, geschweige denn Dennis, geschweige denn Küsse mit einem der beiden vor.

Noch mehr verräterische Nachrichten

Unsicher fahndete ich in meinem Posteingang nach weiteren verräterischen Nachrichten. Und tatsächlich - ich kam abermals ins Stocken. Zwar war der Absender harmlos, die Nachricht dagegen alles andere als das. Meine Freundin Inga hatte mir um 3 Uhr 15 geschrieben: "Sei froh, dass er gegangen ist, es ist besser so. Und ruf ihn ja nicht an! Komm nachher gut nach Hause und wir telefonieren morgen! Kussi." Anscheinend war Inga gestern mal wieder vor mir gegangen, so viel verstand ich noch. Aber was sie mit "Ruf ihn ja nicht an!" meinte, war mir nicht ganz klar.

Brisanter Anruf um 3 Uhr 20

Ich schaute in meinem Anrufverzeichnis nach und fand den brisanten ausgehenden Anruf um 3 Uhr 20. Da hatte ich laut Aufzeichnung eine knappe Minute mit Carsten telefoniert. Auch daran hatte ich keinerlei Erinnerung, doch leider war mein Handy ein unbestechlicher Zeuge. Ich hatte zwar keine Ahnung, warum, wieso oder weshalb, aber dass ich heute Morgen um zwanzig nach drei ein Telefonat mit dem Kumpel meines Exfreundes geführt hatte, stand wohl unzweifelhaft fest. Und das Schlimmste war, vermutlich fand dieses Gespräch statt, nachdem er zu mir in den Club gekommen war, mit mir rumgeknutscht hatte und etwas später wieder gegangen war. Zwischendurch hatte uns mein Ex erwischt. So viel konnte ich mir aus den Nachrichten mittlerweile zusammenreimen.

>> Hier geht's zum zweiten Teil der Geschichte

Das Buch "Krasse Abstürze. 33 fabelhafte Berichte über heftige Filmrisse, verrückte Totalausfälle und peinliche sexuelle Ausrutscher" von Natascha Sagorski ist im Verlag "Schwarzkopf & Schwarzkopf" erschienen, kostet 9,90 Euro und ist z.B. bei www.amazon.de bestellbar.

In ihrem Buch "Krasse Abstürze" hat die 24-jährige Politikwissenschafts-Studentin Natascha Sagorski diverse peinliche "Absturz"-Situationen niedergeschrieben.

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