Kolumne: Erwachsen werden – Endlich Sex!

Mittwoch, 10.06.2009

Karsten Weyershausen hat Kindheit und Teenie-Zeit abgeschworen. Auf fem.com sagt er, warum. Heute: "Weil man endlich Sex haben möchte".
Als ich 13 wurde, änderten sich die Gesprächsthemen auf dem Schulhof schlagartig. Stand vorher die aktuelle Folge von Biene Maja im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, waren es plötzlich die knospenden Oberweiten unserer Mitschülerinnen.

Video: Die Geschichte des Sex

Sex: ein Mysterium

Natürlich waren sie uns bald entwachsen und gaben sich nur noch mit älteren Jungs ab. Deshalb blieb Sex bis auf Weiteres ein Mysterium für uns. So richtig wusste keiner, wie die Sache funktioniert. Im Sexualkundeunterricht hatte unsere Lehrerin ausgerechnet an der Stelle aufgehört, wo es interessant wurde. Wahrscheinlich weil sie selbst nicht viel weiter gekommen war, spekulierten wir.

Knutschen, aber mehr nicht

Einzig Gossenpoet Charles Bukowski schien zu wissen, wie der Hase läuft. "Und dann steckte ich ihn rein", hieß es bei ihm kurz und knapp. Das war selbst mir etwas zu unromantisch. Bis auf gelegentliche Knutschereien hatte ich in der Liebe jedenfalls keine nennenswerten Erfolge zu verzeichnen. Meine

erste Packung Kondome liegt wahrscheinlich noch heute irgendwo auf dem Dachboden meiner Eltern herum. Falls ich vor dem achtzehnten Lebensjahr keinen Sex haben würde, nahm ich mir vor, entweder zu einer Prostituierten zu gehen oder Pfarrer zu werden.

Licht am Ende des Tunnels

Die wahre Lektion zum Thema Sex lernte ich erst später. Wie bei jedem explosiven Gemisch sind die einzelnen Ingredienzen für sich allein ganz harmlos. Erst wenn beim Sex die Liebe dazukommt, fliegt einem alles um die Ohren. Um Sex zu haben, sollte man erst lernen, die Frauen zu lieben. Sie haben nämlich nicht die geringste Lust, sich als Verkehrsübungsplatz missbrauchen zu lassen. Nachdem ich meine Pickel einigermaßen im Griff hatte, sah ich Licht am Ende des Tunnels.

Ihr Parfüm auf dem Kopfkissen

Besser noch als das erste Mal war es, die ganze Nacht eng umschlungen mit einer Frau zu verbringen. Oder den nächsten Morgen neben ihr aufzuwachen. Oder später ihr Parfüm auf dem Kopfkissen zu riechen. Oder sich auf das nächste Mal freuen zu können. "Sex ist die einzige Entschädigung, die wir erhalten, nachdem wir aus dem Paradies unserer Kindheit vertrieben wurden", schrieb Alberto Moravia einst. Wie wahr!

Karsten Weyershausen

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In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" (Schwarzkopf &  Schwarzkopf, 9,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) schreibt der Autor, Cartoonist und Illustrator Karsten Weyershausen witzig und pointiert, warum er irgendwann der Kindheit abgeschworen hat.

Der erste Sex - in der Pubertät für manch einen ein scheinbar unerreichbares Ziel.

Der erste Sex - in der Pubertät für manch einen ein scheinbar unerreichbares Ziel. Hier eine Szene aus dem Oswalt Kolle-Film "Dein Mann - das unbekannte Wesen".

 

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Karsten Weyershausen hat Kindheit und Teenie-Zeit abgeschworen. Auf fem.com sagt er, warum. Heute: "Weil man endlich Sex haben möchte".
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