Kolumne: Erwachsen werden – Endlich eigenes Geld!

Donnerstag, 02.07.2009

Der Autor Karsten Weyershausen trauert seiner Jugend nicht hinterher. Denn erwachsen sein ist gar nicht so schlecht. Zum Beispiel, weil man endlich eigenes Geld verdient.
Ist es nicht schlimm, dass sich alles ums Geld dreht? Das fängt schon ganz früh an. Wir wollen die Barbie mit dem tollen Kleid, Comics, leckere Süßigkeiten und, und, und … Und das sind noch die bescheidenen Wünsche.
Wenn man dann endlich sein erstes Geld verdient hat, verlangen die Eltern auch noch, man solle es gut anlegen. Nix da! Mein erstes Geld wurde sofort in eine Gitarre investiert. Ein billiges Teil aus dem Quelle-Katalog, das einen Klang hatte wie ein nasser Pappkarton. Trotzdem war ich selig.
Unhaltbarer Zustand
Als kleines Kind ist es nicht schlimm, kein Geld zu haben. Im Teenageralter ist es jedoch ein unhaltbarer Zustand. Spätestens wenn der Schulkamerad aus gutbetuchtem Haus mit dem Porsche vorfährt, wird der Leidensdruck übermächtig.
Schon davor ist es schwer, mitzuhalten. Seltsamerweise verfügen viele Kinder über enorme Ressourcen. Wer nicht die neuesten Designerklamotten trägt, endet leicht als verbitterter Außenseiter. Besonders die Kinder von geschiedenen Eltern kassieren oft ein doppeltes Taschengeld. Wer es da nicht schafft, die Ehe seiner eigenen Eltern zum Scheitern zu bringen, schaut finanziell in die Röhre. Dann kann nur noch ein Nebenjob helfen.
"Damenschlüpfer" in großen Lettern
Mit zwölf begann ich, Plakate für einen Supermarkt zu malen, da ich eine schöne Schrift hatte. Es war schon komisch, das Wort "Damenschlüpfer" in riesigen Lettern auf eine Reklametafel zu malen, während alle Kunden des Ladens zuschauten - aber was macht man nicht alles für Geld!
In diesen Jahren merkt man auch, wie unterschiedlich stark der Wunsch nach dem schnöden Mammon in uns ausgeprägt ist. Während einige von uns gewillt sind, des Geldes wegen eine verhasste Laufbahn einzuschlagen, wählen andere einen interessanten,aber letztlich schlecht bezahlten Job.
Das erste eigene Geld
Was davon ist nun erwachsen? Ich kann dies offen gesagt nicht beantworten.
Was ich jedoch nie vergessen habe, ist das Gefühl, mein erstes selbst verdientes Geld in der Brieftasche herumzutragen. Inzwischen ist die Brieftasche sogar etwas voller.
All die Wünsche, die ich als kleines Kind hatte, könnte ich mir nun problemlos erfüllen: eine Spider-Man-Komplettsammlung, ein rotes Fahrrad, etliche Tafeln weißer Knusperschokolade. Dennoch tue ich es nicht, denn ich bin ja erwachsen. Nur eines Tages lege ich mir vielleicht doch noch eine elektrische Eisenbahn zu!
Karsten Weyershausen

Sie wollen mehr davon?
In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" (Schwarzkopf &  Schwarzkopf, 9,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) schreibt der Autor, Cartoonist und Illustrator Karsten Weyershausen witzig und pointiert, warum er irgendwann der Kindheit abgeschworen hat.

Als Kind konnte man nur die Mitschüler um ihr vieles Taschengeld beneiden. Als Erwachsener verdient man endlich selber genug, um sich den einen oder anderen Herzenswunsch zu erfüllen.

Als Kind konnte man nur die Mitschüler um ihr vieles Taschengeld beneiden. Als Erwachsener verdient man endlich selber genug, um sich den einen oder anderen Herzenswunsch zu erfüllen.

 

Weitere Artikel

article
11218
Kolumne: Erwachsen werden
Endlich eigenes Geld!
Der Autor Karsten Weyershausen trauert seiner Jugend nicht hinterher. Denn erwachsen sein ist gar nicht so schlecht. Zum Beispiel, weil man endlich e...
http://www.fem.com/lifestyle/artikel/kolumne-erwachsen-werden-endlich-eigenes-geld
02.07.2009 16:31
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/private/kolumne-erwachsen-werden-endlich-eigenes-geld/155658-1-ger-DE/kolumne-erwachsen-werden-endlich-eigenes-geld_contentgrid.jpg
Lifestyle

Kommentare