Kolumne Brainfuck: Lou Paget - Die perfekte Liebhaberin

Freitag, 28.11.2008

fem.com-Kolumnistin Anne Probst hat ein Buch der amerikanischen Sex-Autorin Lou Paget in die Finger bekommen. Die Erkenntnisse ihrer "Handarbeits"-Lektüre teilt sie mit uns ...

Danke Lou! Du hast wirklich nichts ausgelassen. Du erklärst, dass Penis und Hände gemeinsam "Feuer machen", einen "Vogelkäfig basteln" und "Körbe flechten" können. Deine Geheimtipps sind staatstragend: In kleinen, geschlossene Räumen kann solche Handarbeit auffliegen, weil Sperma unter Umständen verräterisch stinkt.

Vom Amateur zum Profi

Ich habe Lou Paget im Bücherregal meiner neuen Mitbewohnerin kennengelernt. Der Klappentext des abgenutzten Handbuchs "Die perfekte Liebhaberin" (Goldmann, 9 Euro) klingt nach "Schreiben lernen im Café" oder "Coach in 100 Tagen": als könne man damit über Nacht vom Amateur zum Profi werden. Bei Lou geht es um Sex. Genauer gesagt geht es der Autorin ausschließlich um SEINE Lust. Die Frauen vernachlässigt sie fürsorglich. Aber immerhin erklärt sie uns, in welcher Position wir im entscheidenden Moment - wohlgemerkt dem Höhepunkt des Mannes - keinem Krampf erliegen.

Auf dem Weg zur Profi-Liebhaberin

Ich will annehmen, dass Lou nicht diskriminierend sein will. Sie möchte uns zu Profi-Liebhaberinnen ausbilden. Und sie hat auch noch einen Ratgeber für Männer und einen über den Orgasmus hinterher geschoben. So nehme ich ihr Regelwerk mit auf eine lange Bahnfahrt. Ich reise nicht zur Stoßzeit, sitze alleine an der Tür, damit mich niemand von hinten bespitzeln und sehen kann, was ich in aller Herrgottsfrühe für einen Schweinkram durcharbeite.

Obwohl - ich muss Lou wieder in Schutz nehmen: keine fleischigen Fotos! Nur Schwarz-Weiß-Illustrationen, die aussehen wie Zeichnungen aus Omas Backbuch zu Zeiten, in denen Drucken noch teuer war. Hände in Konturen abgebildet, die gekonnt Teigrollen kneten, Eier schlagen und so weiter.

Rezept für den Blowjob

Und genau das ist der Clou an Lous Buch: handwerklicher Ehrgeiz. Die Anleitungen zum Blowjob oder zur "Handarbeit" werden präsentiert wie ein Rezept für den wolkig fluffigen Rührkuchen oder saftige Kohlrouladen.

Der Unterschied ist die Hoffnung, dass Sex IHN mehr befriedigt als gebackener Teig. Beim Fleisch bin ich mir nicht sicher.

Können Sie "Korbflechten"?

Zwischen Würzburg und Kassel beginne ich mit dem "Korbflechten". Das gehört ins Kapitel "Handarbeit" aus Lous Welt der Tipps und Tricks, die Männer weich wie Wachs in unseren Händen machen sollen. Leider habe ich keinen Penis-Ersatz dabei: Es wird empfohlen, erstmal an einer Salatgurke zu üben, die man - Lou ist so clever - in eine hohe Kleenex-Dose stecken soll, damit sie steht.

Im Bord-Restaurant der Deutschen Bahn könnte ich eine Banane bekommen. Einige Seiten später rät die Autorin aber davon ab, weil das Obst einfach zu weich ist. Ich habe also nur die Illustrationen, Lous Erklärungen und meine Phantasie.

Detaillierte Anleitung

Das Korbflechten kann man in nur sechs Schritten erledigen. Ich will auf Details verzichten. Kurz: Den Dreh hat man dann raus, wenn die Hände ineinandergreifen - sprich: die Finger ineinander geflochten sind wie ein Korb und das männliche Glied in den Handinnenflächen schön Platz findet wie eine frische Ernte.

Dann hebt man den Korb hoch und stellt ihn wieder ab. Korb aufnehmen und abstellen, aufnehmen und abstellen, aufnehmen, abstellen. So lange, bis die Ernte aus dem Körbchen purzelt. Lou deutet das Ergebnis mit "..." an.

Zwei Stöcke in der Wildnis

"Feuer machen" ist auch ganz einfach. Geht in nur fünf Schritten und kann mit der Korbflechterei kombiniert werden. In der Wildnis hat man zwei Stöckchen zur Verfügung. In Lous Welt den Schaft und die Peniswurzel.

Die Hände reiben den Schaft in entgegengesetzter Richtung. Wie beim Feuermachen eben. Von unten nach oben. Reiben, bis es heiß wird. In der Zeichnung zeigen an der Peniswurzel noch zwei weitere Pfeile nach vorne und nach hinten. Das verstehe ich nicht.

Kein Platz für Erotik

Erstaunlich ist, dass mich das Stöbern in der Liebhaberinnen-Bibel überhaupt nicht antörnt. Gut, in meinem Sitz bin ich die ganze Zeit auf Augenhöhe mit dem männlichen Geschlecht, wenn sich ein Passagier durch die Gänge schiebt. Und gäbe es keine Schamgrenze, so würde ich glatt einen Mitfahrer fragen, ob wir das Bordklo aufsuchen können und ich den "Vogelkäfig" ausprobieren darf. Nicht aus Lust, sondern aus Übungslaune.

Lous Ausführungen sind nun mal wie Butter ohne Brot. Die Erotik fehlt, die neben aller Technik wohl die wichtigste Zutat für irrsinnig guten Sex ist. Völlig vernachlässigt Lou dieses Kapitel allerdings nicht: Bevor eine Frau nicht den Vogelkäfig basteln kann, sollte sie die Praktik Lous Rat zufolge nicht an ihrem Partner ausprobieren.

Lektüre zwischen den Beinen

Ist ja auch nur schwer vorstellbar, dass ein Mann erregt wird, wenn man auf einem Kissen zwischen seinen Beinen kniet, Lous Ratgeber auf seinen Schenkel, und - die Aufmerksamkeit zwischen seinem besten Stück und den Illustrationen zuckend - ans Handwerk geht. Wer Lous Ratschlag zur gedämpften Beleuchtung beherzigt, braucht auch noch eine Leselampe.

Danke, Lou! Du hast wirklich akribische Arbeit geleistet und mir wieder klargemacht, worauf es beim Sex wirklich ankommt: Der Technik sei Dank, und der Leidenschaft erst recht! 

Die Autorin von Brainfuck: Anne Probst ist ein mediales Multi-Talent. Sie arbeitet als Regisseurin, Fernsehkolumnistin und Autorin. Die studierte Philosophin hat lange in London gelebt und trägt nach eigenen Angaben ihr "Herz im Kopf". Klingt kompliziert? Ist es nicht: Annes journalistische Spezialgebiete sind Emo-Themen. "Eins plus eins ist nicht gleich zwei" sagt sie und geht dieser Ungleichung von Berufswegen auf den Grund. Wo sie ihr Wissen sammelt werden wir nie erfahren, dafür teilt sie ihre Erkenntnisse als Autorin mit fem.

         

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Die perfekte Liebhaberin: Darauf kommt es an!

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