Körperdysmorphe Störung – Wenn das Aussehen zur Qual wird

Samstag, 20.09.2008

Ständiges In-den-Spiegel-schauen, Klagen übers eigene Aussehen und der Wunsch nach einer Schönheits-OP: Manchmal steckt eine Krankheit hinter diesen Symptomen.
Ihr Name: "Körperdysmorphe Störung" (KDS), "Dysmorphophobie" oder auch "Körperbildstörung". Eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen sich selbst als entstellt und hässlich wahrnehmen. Am häufigsten werden Schönheitschirurgen mit ihr konfrontiert: Schätzungen zufolge leiden zwischen sieben und 15 Prozent ihrer Klienten an KDS. Das wären bei etwa 400.000 Schönheits-OPs pro Jahr rund 28.000 bis 60.000 Fälle. Das Problem dabei: Die meisten Betroffenen sind auch nach einer operativen Korrektur ihres vermeintlichen Makels nicht zufrieden und leiden weiter. Manchmal sogar schlimmer als zuvor.
Das soziale Leben leidet
Am häufigsten sind die Erkrankten unzufrieden mit ihrem Gesicht: Haut, Haar und Nase stehen dabei ganz oben auf der Liste. Doch auch jeder andere Körperteil kann betroffen sein - so gibt es einzelne KDS-Patienten, die ihre Finger oder gar ihre Knie so abstoßend finden, dass sie eine soziale Phobie entwickeln und sich kaum noch auf die Straße trauen.

Letzteres ist das Dramatischste an der Störung: Die Patienten finden sich so hässlich, dass sie soziale Situationen wie beispielsweise Partys, Restaurantbesuche oder gar Supermärkte meiden. Zu groß ist die Angst, dass andere sie negativ beurteilen könnten.
Im Leben eines KDS-Leidenden dreht sich alles ums Aussehen. Stundenlang denkt er über seine äußere Erscheinung und sein Wirken auf Fremde nach. Viele Patienten mit der Wahrnehmungsstörung pflegen und schminken sich exzessiv, um ihre "Makel" zu vertuschen. Schlecht liegende oder dünne Haare werden mit Mützen oder Hüten verdeckt, um die vermeintlich unschönen Augen zu verstecken, wird auch in geschlossenen Räumen eine Sonnenbrille getragen.

Arrogant? Nein, unsicher

Aus Unsicherheit versuchen viele Betroffene immer wieder, ihr Aussehen im Spiegel oder auf anderen reflektierenden Oberflächen wie etwa Autoscheiben zu kontrollieren. Häufig fragen sie auch Freunde und Familie, ob mit ihrem Äußeren alles in Ordnung ist. Das Fatale dabei: Von der Umwelt wird dieses Verhalten häufig als eingebildet und selbstverliebt wahrgenommen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.
Oft gehen Depressionen und Angststörungen mit der Krankheit einher. Viele Betroffene spielen sogar mit dem Gedanken, sich wegen ihres Aussehens umzubringen. Nach Meinung von Psychologen könnte ihnen - wie allen KDS-Patienten - am besten mit einer kognitiven Verhaltenstherapie geholfen werden, die zum Beispiel das Trainieren bisher vermiedener sozialer Situationen und Selbstbeobachtung beinhaltet. Auch mit Psychopharmaka wurden schon Erfolge gegen KDS erzielt.

Keine Krankheitseinsicht

Ein großes Problem ist allerdings, dass an der Störung leidende Menschen häufig gar nicht einsehen, dass sie krank sind. Aus Scham oder Unwissenheit suchen sie keinen oder den falschen Arzt auf - etwa einen Hautarzt oder den plastischen Chirurgen statt eines Psychiaters - und geraten so erst recht in eine Abwärtsspirale.
Die Forschungen zur Körperdysmorphen Störung befinden sich in den Anfängen. Bisher ist die Krankheit in Deutschland noch relativ unbekannt. Ändern möchte dies die die Psychologin Ulrike Buhlmann von der Humboldt-Universität Berlin. Auf ihrer Webseite koerperdysmorphestoerung.de hat sie Informationen rund um die Krankheit zusammengestellt. Zurzeit bereitet sie eine Patienten-Studie vor, für die sie noch Teilnehmer sucht.
Mehr Infos:

www.koerperdysmorphestoerung.de
www.dysmorphophobie.de
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